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Bildung

Als Pionierin von New York nach Bonn

Eine eigene Forschungsgruppe und über eine Million Euro für das eigene Wissenschaftsprojekt. Das sind Traumbedingungen für jeden Nachwuchsforscher. Für Sandra Blaess ist der Traum wahr geworden.

Bonn und Rhein (Foto: presse)

Zurück an den Rhein

Das Labor von Sandra Blaess ist stockdunkel. Das muss es auch sein, damit ihr Versuch gelingen kann. Vor ihr auf dem Tisch steht ein Mikroskop, das mit einem Computerbildschirm verkabelt ist. Auf der Petrischale unter dem Mikroskop liegt der Querschnitt eines embryonalen Mäusehirns. Bestimmte Nervenzellen des Mäusehirns, so genannte Dopamin-Nervenzellen, hat die promovierte Zellbiologin vor dem Versuch mit einem Fluoreszenz-Mittel behandelt - damit die Zellen im Dunkeln leuchten.

Wie die Milchstraße im dunklen Nachthimmel

Die Zellbiologin Sandra Blaess (Foto: Sandra Blaess)

Sandra Blaess

Sandra Blaess untersucht, wie sich diese Nervenzellen im embryonalen Mäusehirn während der Wachstumsphase fortbewegen. Auf dem Computerbildschirm kann die 37-Jährige diese Bewegungen nachvollziehen. "Alle zehn Minuten schießt eine kleine Computerkamera ein Foto", erklärt Sandra Blaess. "Damit halten wir die Bewegungen im Bild fest, bis die Zellen ihre endgültige Position einnehmen."

Was Sandra Blaess macht, ist pure Grundlagenforschung. Ihre Ergebnisse könnten wichtige Erkenntnisse für die Behandlung von Parkinson-Patienten liefern. Denn bei Parkinson-Patienten sterben genau die Gehirnzellen ab, mit denen Blaess sich wissenschaftlich beschäftigt: die Zellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. "In weiter Zukunft kann man aus den Erkenntnissen vielleicht einmal neuartige Therapien für Parkinson-Patienten entwickeln."

Grundlagenforschung für Parkinson-Behandlung

Bevor Sandra Blaess 2008 an das Institut "Life and Brain" der Universität Bonn gekommen ist, hat die 37-Jährige in Basel promoviert und danach sechs Jahre lang in New York geforscht. In den USA hat sie vom damals neu aufgelegten nordrhein-westfälischen Rückkehrerprogramm gehört, um das sie sich als eine der ersten mit Erfolg beworben hat. 1,25 Millionen Euro hat die NRW-Rückkehrerin bekommen, um damit an eine Uni ihrer Wahl zu gehen und ihr eigenes Forschungsteam aufzubauen.

Das Empire State Building in New York (Foto: AP)

Vor ihrer Rückkehr nach Bonn hat Sandra Blaess sechs Jahre in New York geforscht

"Ich habe mich für Bonn entschieden, weil hier der Bereich der Neurobiologie sehr gut ist", sagt Sandra Blaess. Ihre Rückkehr 2008 war ein kleines Abenteuer. Ihr Mann ist aus beruflichen Gründen zunächst noch in den USA geblieben, und die Rückkehrerin hat erst einmal in einem Studentenwohnheim gewohnt. Inzwischen ist sie in eine eigene Wohnung in der Innenstadt umgezogen und hat sich auch an den Wechsel von New York ins beschauliche Bonn gewöhnt. "Wenn ich mal das Großstadtfeeling brauche, fahre ich nach Köln", erzählt sie lachend.

Pionierarbeit im eigenen Labor

Ein ebenso großes Abenteuer war es, die eigene Arbeitsgruppe an der Uni zu etablieren, Mitarbeiter zu suchen und die Laborräume einzurichten. Gabriela Bodea aus Rumänien war die erste Doktorandin im jungen Team. "Auf dem Fußboden stand einfach gar nichts, der Raum war völlig leer", erinnert sie sich. "Unser Labor sah aus wie eine Tanzfläche. Erst nach und nach kam die Labor-Einrichtung mit der Post, wir haben die Möbel zusammengebaut und konnten endlich mit Arbeit beginnen. Das war großartig."

Inzwischen ist Sandra Blaess seit drei Jahren in Bonn. Mehr als die Hälfte des fünfjährigen Rückkehrer-Programms ist um. Nach den fünf Förderjahren muss sie quasi auf eigenen wissenschaftlichen Füßen stehen, sich um eine Professur bemühen. Für die Zellbiologin heißt das, es wird Zeit für die Habilitation, denn die wird in Deutschland in der Regel für eine Professur noch immer vorausgesetzt.

Flache Hierarchien im Wissenschaftsbetrieb

Die flachen Hierarchien, die sie im US-amerikanischen Wissenschaftsbetrieb kennen gelernt hat und jetzt in ihrem eigenen Team pflegt, will Sandra Blaess dann erhalten. "Ich finde, dass in Deutschland die Hierarchien immer noch sehr viel strenger sind als zum Beispiel in den USA. Wenn etablierte Leute offener wären gegenüber Nachwuchswissenschaftlern, würde das ein besseres Klima schaffen, und die Arbeit würde noch mehr Spaß machen."

Autorin: Svenja Üing

Redaktion: Gaby Reucher

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