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Nahost

Als Journalistin im Exil

Im Iran sind viele Journalisten inhaftiert, bedroht oder abgetaucht – die Presse wird überwacht und zensiert. Aus dem Exil berichtet Mitra Shodjaie für die Deutsche Welle über ihr Land – eine besondere Herausforderung.

Foto:DW

Mitra Shodjaie arbeitet für das persische Programm der Deutschen Welle

Die iranische Journalistin Mitra Shodjaie hat schlechte Nachrichten aus dem Iran erhalten. Zwei Lehrer sind festgenommen worden. Warum ist unklar. "Ich habe gerade mit dem Sohn des einen Lehrers telefoniert. Die beiden hätten eigentlich am Samstag einen Gerichtstermin gehabt, aber schon heute ist der Sicherheitsdienst zu ihnen gekommen und hat sie verhaftet“, erzählt Shodjaie. In der offiziellen iranischen Agenturmeldung ist davon keine Rede. Dort heißt es nur, dass in wenigen Tagen eine Gerichtsverhandlung über zwei Lehrer anstehe.

Das Internet als wichtige Quelle

Internetcafé in Teheran (Foto:ap)

Auch im Iran ist das Internet eine wichtige Informationsquelle

Über den Iran zu berichten ist schwierig. Unabhängige Quellen gibt es kaum; viele Journalisten im Iran sind im Gefängnis, mussten ins Ausland gehen oder untertauchen. Wer wie Mitra Shodjaie und ihre Kollegen für das persische Programm der Deutschen Welle aus dem Exil über das Land berichtet, ist vor allem auf das Internet angewiesen: "E-Mails, Internetseiten, Facebook, Twitter, das alles spielt eine sehr, sehr wichtige Rolle für uns", sagt sie.

Neben Twitter und Co. gibt es nur wenige unabhängige Internetseiten mit Informationen über den Iran. Unter ihnen Rooz-Online, Balatarin und Rahe-Sabz. Alle Informationen aus dem Land müssen jedoch sorgfältig überprüft werden. Dazu steht Shodjaie mit Freunden, Journalisten, Anwälten, Organisationen wie "Reporter ohne Grenzen" und Menschenrechtlern im Iran in Kontakt.

Größere Probleme seit Sommer 2009

Protestierende Oppositionelle im iran (Foto:MEHR)

Seit Ausbruch der Proteste im Iran ist das Klima für Journalisten dort noch rauer geworden

Bevor Mitra Shodjaie im Jahr 2004 nach Deutschland kam, hat sie zehn Jahre im Iran als Journalistin gearbeitet. Doch die Arbeitsbedingungen wurden immer schlechter. In Deutschland fühlt sie sich sicherer bei ihrer Arbeit. Shodjaie bewundert Journalisten, die noch den Mut haben in dieser gefährlichen Situation aus dem Iran zu berichten. Das war vor allem nach den Wahlen im Sommer 2009 sehr schwer.

Auch Shodjaie kam in dieser Zeit, wenn überhaupt, fast nur noch telefonisch an Informationen. Fast jeden Tag verbrachte sie im Studio und versuchte von dort, Menschen im Iran zu kontaktieren. Insgesamt sei die Berichterstattung dennoch erfolgreich gewesen: "Über fast alle Demonstrationen konnten wir informieren durch Telefon und durch Handy, wenn auch oft erst im Nachhinein. Aber die Recherche übers Internet in dieser Situation war sehr, sehr schwierig." Manchmal konnte sie aber doch aus vielen einzelnen Informationen von verschiedenen Internetnutzern im Iran einen Eindruck von der Gesamtsituation bei den Demonstrationen bekommen.

Rückkehr ist zu gefährlich

Foto:DW

DW-Redakteurin Mitra Shodjaie

Aus Mitra Shodjaies Bürofenster blickt man direkt auf den Rhein. Ein schöner Ausblick. Aber auch einer, der die iranische Journalistin nachdenklich stimmt. Die Entscheidung, von Deutschland aus über den Iran zu berichten, hat für Mitra Shodjaie einen hohen Preis. Denn ihre Familie in der Heimat zu besuchen, ist für sie zu gefährlich. Selbst als ihre Mutter verstorben ist, konnte sie nicht in das Land reisen. Das tue ihr am meisten weh, sagt sie.

Vielleicht ist es wenigstens ein kleiner Trost, dass die Nachrichten, trotz häufiger Störungen der Sendefrequenzen und Sperrungen des Internets durch die iranische Regierung die iranische Bevölkerung erreichen. Mitra Shodjaie bekommt immer wieder positives Feedback aus dem Iran: "Dort gibt es viele Wege, um die Zensur zu umgehen, auch wenn es natürlich sehr schwierig ist."

Autorin: Sonja Gillert
Redaktion: Thomas Latschan