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Kultur

Als "Human Shields" für den Frieden

Aus der ganzen Welt sind sie nach Bagdad gereist, um ihre Solidarität mit der Bevölkerung zu demonstrieren. Als Menschliche Schutzschilde wollen sie zivile Objekte schützen und auch während des Krieges im Land bleiben.

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Friedensaktivisten in einem Bus in Bagdad

Gegenwärtig dürfte die Zahl der Freiwilligen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren ungefähr 200 betragen: Italiener, Türken, Franzosen, Australier, Österreicher und Deutsche. Mike Neudorf gehört zu der Gruppe der Deutschen, die an der Aktion "Human Shields" (Menschliche Schutzschilde) teilnimmt.

Idealismus ist nicht gefragt

Maik Neudorfs Enttäuschung begann jedoch schon in Jordanien. Der Berliner Student wollte mit seinem Leben humanitäre Einrichtungen in Bagdad beschützen, doch in Amman klärte ihn ein Organisator der Human-Shields-Bewegung darüber auf, dass acht schon festgelegte Einrichtungen zu beschützen seien. Dazu zählten die Ölraffinerien und ein Kommunikationszentrum, von dem davon auszugehen sei, dass es eines der ersten Ziele sein würde. Die Freiwilligen, die als menschliche Schutzschilde eingesetzt werden wollten, hätten nur die Wahl, entweder diese acht Einrichtungen zu beschützen oder sofort das Land zu verlassen.

Türkische Friedensaktivistin in Bagdad

Türkische Friedensaktivistin in Bagdad

Neudorf hat nach 30 Stunden Aufenthalt in Bagdad wieder kehrt gemacht, zwei aus seiner Gruppe sind geblieben: der Pfarrer Fred Klinger und der Ingenieur Reinhold Wassmann. Beide Männer sind über 50 Jahre alt, beide haben Familie. Sie haben sich für humanitäre Hilfe entschieden und helfen in einem kirchlichen Krankenhaus in Bagdad, reparieren beschädigte Geräte, leisten seelischen Beistand. Jetzt noch auszureisen wird immer riskanter und teurer. Eine Taxifahrt von Bagdad nach Amman – eine Strecke von etwa 1000 Kilometern – kostet inzwischen 5000 Euro. Am Montag (17. März 2003) waren es noch 230 Euro.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Jürgen Hahnel hat die noch härtere Variante gewählt und setzt sein Leben als Schutzschild nicht in der irakischen Hauptstadt, sondern auf dem Gelände einer Ölraffinerie auf's Spiel. Und am Ende sei sein Leben auch nicht mehr wert als das eines Irakers. Seine Motivation für seinen Einsatz erklärt er folgendermaßen:

"Ich war vor zwölf Jahren, als der Krieg gegen Irak schon mal geführt wurde, in Korsika, habe da auch Deutsche Welle gehört über den Krieg hier und habe damals - ja, so ein bisschen ein schlechtes Gewissen gehabt, am falschen Platz zu sein und meinem Urlaub nachzugehen."

Der innere Drang zur Solidarität

Hahnel ist schon über 40 Jahre alt - und er sitzt nicht in Bagdad, um seine Aktivisten-Karriere zu krönen. Adrenalin, sagt er, spielt für ihn keine Rolle. "Aber hier durch ein Bombardement bedroht zu sein oder die Menschen hier durch die Sanktionen leiden zu sehen, da sehe ich eher eine innere Pflicht, eine innere Notwendigkeit, da was zu tun."

Jürgen Hahnel hat die letzte Nacht schlecht geschlafen, und die kommenden Nächte werden wohl nicht besser werden. Er wünscht sich Frieden.