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Politik & Gesellschaft

Als das Oktoberfest nach 9/11 fast ausfiel

"O'zapft is!" beim Münchner Oktoberfest. Seit seiner Einführung 1950 fehlte das Startritual für die Wies'n-Gaudi nur einmal: 2001 stand das Volksfest unter dem Eindruck von Nine Eleven. Beinahe wäre es ganz ausgefallen.

Polizisten patrouillieren auf dem Oktoberfest (Foto: AP)

Erhöhte Sicherheit auf der Wiesn - nicht erst seit 2001

Die Geschichte des Oktoberfests ist auch die der Familie Schottenhamel. Michael F. Schottenhamel ist in vierter Generation Wiesnwirt, sein "Schottenhamel" das älteste Festzelt auf der Theresienwiese. 1867 empfing hier zum ersten Mal ein Familienmitglied Gäste, ein Michael. "Ein Traditionsname bei uns", sagt Michael F. Auch sein eigener Sohn trägt ihn.

Das Schottenhamel-Festzelt (Foto: dpa)

Schottenhamel: Oktoberfest-Tradition seit 1867

Tradition spielt eine große Rolle in der Wirtsdynastie. Als vor zehn Jahren in New York, Washington und Pennsylvania Terroristen Tausende Menschen töteten, stand für Michael F. Schottenhamel deshalb auch fest: das Oktoberfest findet dennoch statt. Das hatte es immer, seit er denken kann. Schon als junger Bursche arbeitete der 54-Jährige auf der Wiesn. Damals arbeitete er als so genannter Schankkassier (Kontrolleur). 2001 war der Gastronom für die Reservierungen im Festzelt verantwortlich. Die begehrten Feierplätze sind stets Wochen vorher vergeben, Absagen gibt es fast nie. Doch nach den Anschlägen in den USA kamen bald die ersten Faxe und Anrufe. Anders als von Schottenhamel erwartet, wurde das Oktoberfest in Frage gestellt.

Feiern in diesen Tagen? Oder Verzichten als Zeichen der Solidarität? Und die Sicherheit? In den ersten Tagen nach dem 11. September fragten das nicht nur Journalisten. "Der Gedanke, auch bei uns könnte etwas passieren, war natürlich da", erinnert sich Wolfgang Wenger, damals wie heute Sprecher der Münchner Polizei. Das Oktoberfest ist eines der größten Volksfeste der Welt. Rund sechs Millionen Menschen kommen in den zwei Wochen aus der ganzen Welt. Hunderttausende sind hier jeden Tag auf engstem Raum beieinander. Ein für Terroristen attraktives Anschlagsziel also.

1980 werden auf der Wiesn 13 Menschen Opfer von Terror

Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Oktoberfest-Attentats von 1980 (Foto: dpa)

Ein Mahnmal erinnert an die Terror-Opfer von 1980

Und einmal war es ja schon passiert: 1980 explodierte am Haupteingang ein Sprengsatz. 13 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Wiesnwirt Michael F. Schottenhamel erlebte den Anschlag hautnah. In seinem Auto war er auf Höhe der Theresienwiese unterwegs, als er einen lauten Knall hörte. "Ich war der Meinung, dass die Straßenbahn entgleist sein muss", weiß er noch genau. Erst am Fernseher daheim erfuhr er Genaueres.

Die Tat gilt als schwerster Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die genauen Hintergründe sind bis heute umstritten, ein Rechtsextremer soll die Tat alleine begangen haben. Wolfgang Wenger hatte am Tag nach dem Angriff Dienst. Was er damals als junger Polizist erlebte, hat er bis heute nicht vergessen: weinende Menschen, trauernde Familienangehörige, ein Ort des Schreckens. Im ersten Augenblick schwor er sich, nie wieder einen Fuß auf das Festgelände zu setzen. Später ging er doch wieder hin. Das Oktoberfest wurde zwei Tage nach dem Anschlag fortgesetzt.

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