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Aktuell Deutschland

"Als Bundeskanzlerin sage ich Danke"

In Berlin schlug die Nachricht vom Rücktritt Benedikt XVI. ein wie ein Blitz. Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck lobten die Entscheidung und das Wirken des aus Deutschland stammenden Papstes.

Angela Merkel PK zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI (Foto: REUTERS)

Angela Merkel PK zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI

Nur wenige Stunden nach dem Bekanntwerden des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. trat die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende vor die Presse in Berlin. "Seine Entscheidung hat meinen allerhöchsten Respekt", sagte Angela Merkel. Er habe eine schwere Entscheidung getroffen. "In unserem Zeitalter des immer längeren Lebens werden viele Menschen nachvollziehen können, wie sich auch der Papst mit den Bürden des Alters auseinandersetzen muss." Der Papst habe seine Entscheidung für seine Kirche und die Menschen in ihr getroffen.

#video#Während seines Pontifikats habe Benedikt XVI. den so wichtigen Dialog mit den Menschen und den anderen Religionen geführt. Er habe die Beziehungen zu den orthodoxen Ostkirchen gestärkt und habe "Juden wie Muslimen die Hand gereicht".

Er bleibe "einer der bedeutendsten religiösen Denker unserer Zeit", so Merkel weiter. Sie persönlich denke zurück an die Gespräche mit dem Papst in Rom und während seiner Deutschlandreise. "Ich denke an seine tiefe Bildung, sein Gefühl für die großen historischen Zusammenhänge und an sein immer lebendiges Interesse an den Fragen der europäischen Einigung."

#video#Als eine "Sternstunde unseres Parlaments" bezeichnete Merkel die Rede des Papstes im September 2011 im Deutschen Bundestag. Damals habe er die grundlegende Aufgabe des Politikers beschrieben, "dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren". Diese Worte des Papstes würden sie persönlich noch lange begleiten, so Merkel. Als Bundeskanzlerin sage sie: "Danke für seine Arbeit und alles Gute für die nächsten Jahre."

Gauck: "Tief beeindruckt"

"Für diesen historisch höchst seltenen Entschluss sind großer Mut und Selbstreflexion nötig - beides findet meinen außerordentlichen Respekt", sagte Bundespräsident Joachim Gauck, der sich eine Stunde nach der Bundeskanzlerin zum Papst-Rücktritt äußerte. Er habe den Papst vor Kurzem kennenlernen dürfen. "Sein Glaube, seine Weisheit und seine menschliche Bescheidenheit haben mich tief beeindruckt." Für die Deutschen habe der Papst eine besondere Bedeutung, sein Pontifikat habe "eine besondere historische Bedeutung".

"Benedikt XVI. war als Papst der ganzen Welt verpflichtet, aber er blieb auch im Herzen immer mit seiner Heimat verbunden", sagte Gauck weiter.

"Größter Sohn Bayerns"

#video#Zuvor hatte sich auch der bayerische Ministerpräsident und CSU-Parteichef Horst Seehofer zum Rücktritt geäußert: "Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. verdient größten Respekt, auch wenn ich sie persönlich zutiefst bedauere", sagte Seehofer. "Mit seiner charismatischen Ausstrahlung und seinem unermüdlichen Einsatz für das Wohl der Kirche hat der Papst aus Bayern die Menschen in aller Welt begeistert." ... "Wir sind stolz auf das Pontifikat von Papst Benedikt XVI." ... "Deutschland und Bayern haben ihm unendlich viel zu verdanken."

Der langjährige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat den scheidenden Papst als "größten Sohn Bayerns" in der mehr als tausendjährigen Geschichte des Landes gewürdigt. "Papst Benedikt ist nicht nur durch sein Amt, sondern durch seine Person eine moralische Instanz in der Welt", erklärte Stoiber.

Parteiübergreifende Würdigung

Von den anderen Parteien im Deutschen Bundestag waren in Reaktionen auf den überraschenden Rücktritt viele würdigende Worte über den Papst zu hören oder zu lesen. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte: "Die Menschen in Deutschland, auch diejenigen, die nicht katholischen Glaubens sind, hatten während seines Pontifikats das Gefühl: 'Wir sind Papst'". #video#SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles lobte den Papst, denn "er suchte die Brücken zwischen Religionen und Weltanschauungen und zwischen säkularer und christlicher Welt". SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte, die Entscheidung des Papstes beweise "menschliches Maß".

Die Spitzenkandidaten der Grünen für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, würdigten Benedikts Eintreten für eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung und gegen Hunger und Armut. "Mit vielen anderen Positionen, wie etwa zur Empfängnisverhütung und zur Homosexualität, sind wir Grüne nicht einverstanden", erklärten sie. Raju Sharma, der religionspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, lobte den Rücktritt als "eine gleichermaßen ungewöhnliche wie konsequente Entscheidung".

Reaktionen auf Twitter

Weitere Reaktionen waren kurz nach Bekanntwerden des Rücktritts auf Twitter zu lesen. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe: "Großer Respekt vor der Entscheidung von Papst Benedikt XVI. und einem eindrucksvollen Leben im Dienste des Evangeliums und der Menschen!"

Die stellvertretende Generalsekretärin der CSU, Dorothee Bär, schrieb: "Bin erschüttert, dass Papst Benedikt zurücktritt. An meinem Geburtstag gewählt. Selbst im Dreipäpstejahr geboren."

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese twitterte: "Der Papst kündigt am Rosenmontag seinem Rücktritt an. So was konnte sich niemand ausdenken. Aber nun: Hoffnung auf Reformen! Dringend nötig!!"

Der heutige Rosenmontag ist in Teilen Deutschlands ein Feiertag. Die Nachricht erreichte viele Bürger während der traditionellen Straßenumzüge am Rosenmontag.