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Politik

Als Amerikaner nur noch "undercover" ins Ausland

Die Amtszeit von Bush endet in gut 200 Tagen. Laut Umfragen wird er als "worst president ever" in die US-Geschichte eingehen. Unter der schlechten Reputation leidet das ganze Volk. Viele hoffen auf einen Imagewechsel.

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R Street und Achtzehnte, Internationales Studentenwohnheim: Erste Anlaufstelle in Washington DC für viele europäische Studenten und meine Unterkunft für die nächsten sechs Wochen. Bereits beim ersten gemeinsamen Abendessen wird mir klar: Im Herzen der amerikanischen Hauptstadt, unentdeckt von CIA und Secret Service, bin ich auf eine Brutstätte des Antiamerikanismus gestoßen. Über pappigen Burgern und Eiern aus dem Tetrapack werden hier tagtäglich alle Vorurteile über den typischen Amerikaner neu aufgewärmt: Amerikaner sind patriotisch, ignorant und essen ständig Fast Food in rauen Mengen. Deshalb sind sie auch alle ausnahmslos dick.

Die kleine europäische Delegation des Internationalen Studentenhauses scheint dabei durchaus repräsentativ zu sein für die allgemeine Stimmung in Europa: Die USA sind unbeliebt, Tendenz fallend. Bei einer Umfrage des britischen Nachrichtensenders BBC macht Amerika im Rennen um das unbeliebteste Land der Welt den dritten Platz, knapp geschlagen von Iran und Israel.

Vor allem in Deutschland scheint man sich endgültig vom positiven Nachkriegsimage des Amerikaners als Befreier und Friedensbringer verabschiedet zu haben. 74 Prozent der befragten Deutschen denken, dass Amerika einen negativen Einfluss auf andere Länder ausübt und gaben damit gemeinsam mit Griechenland die negativste Bewertung ab.

Amerikaner sind besorgt über schlechtes Image

Was man in Deutschland kaum wahrnimmt: Nicht nur im Ausland wird die amerikanischen Außenpolitik kritisiert. Viele Amerikaner wissen um das Imageproblem ihres Landes und stehen ihm keinesfalls gleichgültig gegenüber.

Fragt man Washingtons Bürger, ob sie besorgt sind über Amerikas schlechten Ruf, antwortet die überwältigende Mehrheit mit Ja. Als Gründe für den Imageverlust werden vor allem die Bush-Regierung und der Irak-Krieg genannt oder ganz allgemein der amerikanische "cowboy way of doing things", womit der Hang zum außenpolitischen Alleingang gemeint ist.

Viele hoffen auf einen politischen Wandel durch den in Europa populären Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und damit auch auf ein Ende des Abwärtstrends auf der internationalen Beliebtheitsskala. Generell scheint man in Europa kaum zu unterscheiden zwischen der Landespolitik Amerikas und der Mentalität seiner Bewohner. Eine ältere Frau erzählt mir, dass sie sich kaum noch in die Fremde traut, nachdem sie im Ausland mehrfach auf Grund ihrer Nationalität verbal attackiert wurde.

Europäer müssen immer meckern

Mit ihrer neuen Angst vor Auslandsreisen ist diese Amerikanerin nicht allein. Bei meinem dritten Abendessen im Studentenhaus, derbe Amerika-Witze machen gerade fröhlich die Runde, treffe ich Brooke aus Iowa. In europäische Länder traut sie sich grundsätzlich nur noch "undercover", erzählt sie mir, getarnt als Kanadierin.

Was denn so die typischen Vorurteile der Amerikaner gegenüber Europäern seien, frage ich sie. "Na ja", sagt sie mit einem verschämten Grinsen auf dem Gesicht. "Europäer müssen immer meckern und man hat manchmal das Gefühl, sie halten sich für was Besseres."

Um der deutsch-amerikanischen Freundschaft ein wenig auf die Sprünge zu helfen, gehen wir abends ins Kino. Ich meckere über die lange Warteschlange vorm Kino und endlich drinnen angekommen, holt Brooke sich einen Zehn-Kilo-Eimer Popcorn. Der Abend insgesamt: Ein voller Erfolg, den wir bald wiederholen werden.