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Politik

Alptraum: Atomwaffen in falschen Händen?

Pakistan verfügt über etwa 50 Atomsprengköpfe und entsprechende Trägerraketen. Die Möglichkeit, dass diese im derzeitigen Ausnahmezustand Al Kaida in die Hände fallen könnten, gilt in der US-Regierung als Alptraum.

Pakistanische Atomwaffe, Foto: AP

Könnten Pakistans Atomwaffen in die Hände von Al-Kaida geraten?

Seit einigen Tagen treibt die USA, dem wichtigsten Verbündeten Pakistans, ein bedrohliches Szenario um: Washington stellt offen die Frage, ob in dem politischen Chaos die Kontrolle über das Atomwaffenarsenal des Landes überhaupt noch gewährleistet ist. Anwar Iqbal, pakistanischer Journalist in Washington, beobachtet eine zunehmend besorgte Stimmung in der US-Regierung: "Sie weisen darauf hin, dass pakistanische Soldaten sich in Waziristan kampflos den Taliban ergeben haben. Daraus leiten sie Zweifel an der Loyalität der Armee ab und sie fragen: Welche Garantie gibt es dafür, dass nicht jemand in der Armee plötzlich diese Waffen an sich reißt und sie einsetzt?“

Demonstranten in Pakistan, Foto: AP

Ist im politischen Chaos noch die Kontrolle über die Atomwaffen gewährleistet?

US-Medienberichte wiesen allerdings auch immer wieder darauf hin, dass die pakistanischen Waffen aus Sicherheitsgründen nicht einsatzfertig zusammengebaut gelagert würden, sondern in mehrere Komponenten zerlegt. Und der deutsche Politologe Christian Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin verweist zusätzlich auf Trainings- und Ausbildungsprogramme, die die USA in den letzten Jahren mit Pakistan unternommen hätten, um die Sicherheit der Nuklearwaffen auch bei möglichen Unfällen zu verbessern.

Schmuggel ist gefährlicher

Doch für Experten besteht das Risiko nicht nur darin, dass Anhänger von El Kaida Pakistans Atomwaffen in die Hände bekommen könnten. Gefahr drohe vielmehr auch von pakistanischen Experten, welche die unübersichtliche Lage für einen lukrativen Technologieschmuggel nutzen könnten: Erst im Februar 2004 hatte der "Vater der pakistanischen Atombombe“, Abdul Qadir Khan, gestanden, Atomwaffentechnik nach Libyen, Iran und nach Nordkorea weitergegeben zu haben. Inzwischen steht er in Islamabad unter Hausarrest

Start einer pakistanischen Trägerrakete (Archiv), Foto: dpa

Pakistan verfügt über etwa 50 Atomsprengköpfe

"Die Vorstellung, dass hier dieses Netzwerk unabhängig von der Kontrolle des Militärs funktioniert haben könnte, ist unwahrscheinlich", urteilt Christian Wagner. Wenn es aber eine Billigung durch Teile des Militärs gegeben hat, zeige das, dass Technologierschmuggel in Pakistan denkbar ist. Das lasse aber nicht den Schluss zu, schränkt er ein, "dass es bei der Frage des Schutzes der Nuklearwaffen gegen Islamisten ähnlich zugehen könnte.“ Wagner ist überzeugt davon, dass die Personalpolitik von Musharraf dazu beigetragen hat, dass die Armeeführung von extremistischen Tendenzen weitgehend frei ist: "Es war zu beobachten, dass es islamistisch geprägte Offiziere selten in die höchsten Positionen geschafft haben."

Keine Islamisten in der Armee

Wagner sieht die pakistanischen Generäle weniger von ideologischen, als vielmehr von ganz handfesten Interessen motiviert: Nach Berichten der "New York Times" haben die USA für die Unterstützung Pakistans Gelder in Höhe von 100 Millionen Dollar bereitgestellt: Mittels eines Geheimprogramms sollte Pakistan dabei unterstützt werden, seine Atomwaffen vor islamischen Extremisten zu schützen. "Das Militär ist zu einer wirtschaftlichen Größe in Pakistan geworden", sagt Wagner. "Daher sind es vor allem materielle Interessen, aufgrund der das Militär die Kooperation mit den USA weiter führen will - was natürlich langfristig gegen Musharraf sich wenden könnte!“

Pakistans Präsident General Pervez Musharraf (Archiv), Foto: AP

Hat Musharraf noch ausreichend Kontrolle über die Armee?

Unklar ist jedoch der Zeitpunkt. Der ehemalige General Moinuddin Haider weist daraufhin, dass die Armee in Pakistan bisher nur gegen Zivilisten geputscht habe, niemals habe es bewaffnete Auseinandersetzungen innerhalb der Truppe gegeben. Trotzdem könne es sich die Armee nicht leisten, einen unpopulären Präsidenten lange zu unterstützen: "Das ist in Pakistan immer nach dem Muster gelaufen: Solange die Bevölkerung mit der Regierung zufrieden ist, ist alles in Ordnung. Aber wenn die Probleme wachsen, wenn ein Herrscher unpopulär wird, wenn es schwierig wird, die Wirtschaft am Laufen zu halten, dann kann auch die Armee eine solche Situation nicht mehr stützen.“

Das wahrscheinlichste Szenario dürfte dann sein, dass man Musharraf einen geordneten Rückzug nahelegen würde und mindestens für eine Übergangszeit ein anderer hoher General die Macht übernehmen würde. Eine solche Lösung dürfte auch für die USA am attraktivsten sein, würde sie doch garantieren, dass die pakistanischen Nuklearwaffen nicht in Gefahr wären.

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