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Aktuell Asien

Alpen-Idyll "made in china"

Zur Eröffnung spielte die Blaskapelle und auf dem Dorfplatz steht die Kirche: Eine chinesische Baufirma hat das österreichische Dorf Hallstatt detailgetreu im Süden Chinas nachgebaut.

Ein Baurabeiter läuft mit einer Leiter durch das österreichisch anmutende Luxusviertel in Huizhou. (REUTERS)

China kopiert Österreich: Huizhou

In den pastellfarbenen Häuschen und den schmalen Gassen sollen sich betuchte Chinesen und Touristen wie in Österreich fühlen. Das malerische alpine Dorf Hallstatt im Salzkammergut im Bundesland Oberösterreich haben die Chinesen als Luxus-Wohnanlage in der subtropischen Provinz Guangdong in der Stadt Huizhou auf einer Fläche von einem Quadratkilometer nachgebaut. Noch sind nicht alle Wohnungen verkauft, doch der Bürgermeister von Hallstatt, der zu der Eröffnung eingeladen wurde, bescheinigt den Chinesen gute Arbeit: “Man erkennt sofort, das ist Hallstatt“, so Alexander Scheutz. Als Leiter einer Delegation aus Österreich brachte der Bürgermeister die Blaskapelle zur Eröffnungszeremonie mit.

Blick auf die Kopie des Weltkulturerbes Hallstatt (REUTERS)

Bis ins Detail dem Original nachgebaut

“Millionenfach fotografiert, einmal kopiert, nie erreicht“

Vor etwa einem Jahr, als Chinesen mit Stift, Zeichenblock und Fotoapparaten durch den beliebten Tourismusort Hallstatt liefen, um so viele Details wie möglich festzuhalten, waren viele der 800 Bewohner Hallstadts misstrauisch. Gemeindeverantwortliche erhitzten sich darüber, dass sie von den Plänen der Chinesen nicht informiert worden waren.

Jetzt, da das Dorf in China steht, sehen auch die Österreicher ihre Vorteile: Das gigantische Projekt hat Chinesen auf den Geschmack gebracht, das Original zu besuchen. Mehr als 20 Reisebüros in China haben Hallstatt seit Jahresbeginn erstmals im Programm. Für 2012 rechnet der Tourismusverband mit einem Buchungsanstieg um 50 Prozent. “Für Asiaten ist unsere Welterberegion sowohl landschaftlich als auch kulturell der Inbegriff von Schönheit“, so die österreichische Tourismusdirektorin. Auf der Internetseite der Stadt heißt es stolz: „Hallstadtt – Das Original. Millionenfach fotografiert – einmal kopiert – nie erreicht.“

Kopie mit kleinen Fehlern

Kirche in Kopie in der chinesischen Stadt Huizhou (REUTERS)

Ein Jahr Bauzeit, 650 Mio. Euro Kosten

Die österreichischen Medien haben sich die Kopie genau angeschaut und Gründe gefunden, Hallstatt in China nicht ganz so ernst zu nehmen. Im Dorfbrunnen beispielsweise tummeln sich Goldfische, vor der Kirche wiegen sich Palmen und den Dorfbrunnen ziert eine rote Londoner Telefonzelle. Ganz zu schweigen vom Ambiente: Die hochalpine Kulisse könne auch das beste Architektenteam in einer lediglich hügeligen Umgebung nicht nachbauen. Ein weiterer Unterschied zum Original: Hallstatt, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe gekürt wurde, hat kulturhistorische Bedeutung und eine Siedlungsgeschichte, die bis in das 5. Jahrhundert vor Christus zurückgeht. Die chinesische Kopie gehört zu einer Stadt, die vor 2000 Jahren erstmals erwähnt wurde.

Doch es schwingt bei den österreichischen Meinungsmachern auch Anerkennung mit: Haben die Chinesen doch gerade einmal ein Jahr Bauzeit benötigt, um das Alpendorf nachzubauen. Das Bauprojekt hat umgerechnet 650 Millionen Euro gekostet.

nem/SC (dpa, dapd)