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Sprachbar

Alltagsallerlei

Der Wecker klingelt. Ein neuer Tag beginnt. Der Alltagstrott bleibt. Eintönig und immer das Gleiche. Tagaus, tagein. Grauer Alltag. Wenigstens gibt es den Feierabend. Doch der beginnt mit Schlange stehen im Supermarkt.

Was empfinden wir – oder aber die meisten von uns – wenn wir die Redewendung hören: „Tagaus, tagein“? Reagieren wir positiv, mit Freude, einem inneren Lächeln wie bei den Wörtern Freizeit, Urlaub und Ferien? Mitnichten. Denn „tagaus, tagein“, das klingt nach „immer das Gleiche“, nach „Eintönigkeit“, nach „alltäglichem Einerlei“.

Morgengrauen

Willkommen in der heutigen Sprachbar, willkommen im „Alltag“. Gleichförmig soll er sein, zumindest wird er mit diesem Adjektiv häufig in Verbindung gebracht. Dennoch hat er genau betrachtet unterschiedliche Gesichter. „Das Gleiche“ ist eben nicht das Selbe. Spaßvögel nennen den Augenblick, wenn an Werktagen der Wecker mit seinem elektronischen Piepsen anfängt das ‚Morgengrauen’. Dieses ist vom tatsächlichen Morgengrauen unabhängig. Grau ist heller als Schwarz und dunkler als Weiß. Also auch keine richtige Farbe und insofern bestens geeignet, dem Alltag als Farbadjektiv zu dienen.

Der graue Alltag ist nicht farbenfroh und keineswegs bunt. Er muss aber allein deshalb nicht zwangsläufig traurig sein. Alltag kann ganz schön turbulent sein. Der Alltagstrubel lässt einen gar nicht erst dazu kommen, Gefühlen Raum zu lassen. Alltagsstress und die ‚Hektik des Alltags’ sind zu festen Begriffen geworden. Es gibt Menschen, die rennen immer zur Bushaltestelle. Da beginnt die Alltagshetze schon am frühen Morgen.

Alltägliches im Alltag

Unter den Berufspendlern, auch dies ein Begriff aus dem Alltag geboren, gibt es die Risikosportler, die jeden Morgen die Rolltreppe zum Bahnsteig runterstürzen, mehrere Stufen überspringend, mit dem Pappbecher Kaffee in der Hand und es gerade noch so, die automatische S-Bahn Tür geht schon zu, in den Waggon schaffen und sich auf einen Sitz fallen lassen.

Der nebendran breitet wie jeden Morgen geräuschvoll seine Zeitung aus und vertieft sich in den Lokalteil. Die Frau gegenüber scheint dem tristen Alltag schon in der Bahn mit innerer Einkehr zu begegnen. Milde lächelnd und mit geschlossenen Augen, die Hände übereinander gelegt, sitzt sie jeden Morgen duldsam und sich dem Unvermeidlichen fügend in gelassener Ruhe auf ihrem bretterharten Platz.


Alltäglicher Feierabend

Aber was ist das Unvermeidliche? Ist es der ewig gleiche Trott? Diese bestenfalls Routine zu nennende Tretmühle, in der wir uns alle – oder zumindest die meisten von uns – befinden? Dabei fordert der berufliche Alltag uns täglich neu heraus; es stimmt ja nicht, dass ein Tag wie der andere sei, nur weil er Alltag heißt. Aber er ist halt anstrengend und verlangt von einem, dass man sich dabei stets von seiner besten Seite zeige! Sind dann die acht oder neun Stunden vorbei, ist er endlich da: der ersehnte Feierabend.

Nur ist damit der Alltag nicht beendet. Denn jetzt heißt es erst mal rein in den alltäglichen Feierabendverkehr, den das englische ‚rush-hour’ auch nicht besser macht. Morgens Berufsverkehr, abends Berufsverkehr. Danach wartet das alltägliche oder fast alltägliche Abenteuer im Supermarkt. Wer noch nicht weiß, was eine Floskel ist, erfährt es spätestens beim Warten in der Schlange vor den Kassen. Das mit jedem abgefertigten Kunden sich wiederholende und langsam näher kommende „Einen schönen Abend noch“ ist längst Bestandteil unseres Sprachalltags geworden.

Grauer Alltagstrott

Zuhause wartet dann die Hausarbeit, der Müll muss noch runter gebracht werden usw. Ja und dann beim Zu-Bett-Gehen die allabendliche Vergewisserung: Ist der Wecker gestellt? – Er ist. Nach dem Morgengrauen kann es dann ja wieder losgehen...

Fragen zum Text

Der Alltag wird oft als … beschrieben.

1. farbenfroh

2. grau

3. rot

Wenn der Alltag turbulent ist, dann bezeichnet man ihn auch als …

1. Alltagstrott.

2. Alltagstrubel.

3. Tretmühle.

Was bezeichnet der Anglizismus Rush-Hour?

1. das Klingeln des Weckers.

2. den Berufsverkehr am Morgen und am Abend.

3. die Berufspendler, die zur Bahn rennen.

Arbeitsauftrag

Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Tag mitten in der Woche frei. Wie sähe dieser Tag im Gegensatz zu Ihrem Alltag aus? Schreiben Sie einen kurzen Aufsatz, in dem Sie Ihren freien Tag beschreiben.

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