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Reise

Alltag, bitte!

Nach dem Elbe-Hochwasser vom August 2002 leiden die Sächsische Schweiz und das Elbsandsteingebirge unter einer Stornowelle. Die Touristen haben sich rar gemacht, sie sind aber herzlich willkommen im Elbtal.

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Die Sächsische Dampfschifffahrt hat ihren Betrieb wieder aufgenommen

Dresdener Einwohner schauen auf Wassermassen der Elbe

August 2002 in Dresden

Dresdens berühmte Silhouette sieht eigentlich aus wie immer, Spuren des verheerenden Hochwassers entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Am gegenüberliegenden Ufer ducken sich ein paar Bäume und Büsche merkwürdig tief auf den Boden, hoch oben, an einem Brückenmast, hängt verirrtes Treibgut, Holzstücke und blaue Plastikfolien.

Pomp und Pracht mit Rissen

Vereinzelt arbeiten Bagger am Ufer, schieben die Reste der Flut zusammen. Erst in dem Ort Loschwitz ahnt man, was die Elbe wirklich angerichtet hat: Hier stehen alle Erdgeschosse leer, mit Presslufthämmern wird der Putz abgeschlagen, einem Biergarten sind Namensschild und Laternen abhanden gekommen. Das prächtige Wasserpalais des Pillnitzer Schlosses mit seiner geschwungenen Freitreppe zum Elbufer steht noch in vollem Prunk. Aber den alten Kandelabern, die hier für gewöhnlich stimmungsvolles Licht spenden, sind die Köpfe weggebrochen.

Aufschieben, nicht aufheben

Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser in Pirna

Bewohner in Pirna räumen nach der Flut auf

Ein bisschen weiter stromaufwärts in Pirna wünscht sich Hotelbetreiberin Judith Fichtner vom Hotel "Bernardo Bellotto" nichts sehnlicher, als das die Gäste wiederkommen. "Sie helfen uns am meisten, wenn Sie zu uns kommen", sagt sie. "Wenn Sie jetzt in der schweren Zeit, oder wenigstens dann Anfang nächsten Jahres zu uns kommen und uns treu bleiben, und wenn Sie Ihren Urlaub dann nur aufgeschoben haben und nicht aufgehoben."

Judith Fichtner hält den Betrieb in ihrem kleinen Hotel notdürftig aufrecht. Zugang über eine Wendeltreppe im Hof, ein Gästezimmer provisorisch als Frühstücksraum eingerichtet, die Zimmertelefone noch tot. Pirnas Altstadt stand meterhoch unter Wasser.

Hochwasser in Hitzacker Sachsen Anhalt Elbe

Hochwasser an der Elbe

Der Pressesprecher der Stadt, Klaus Hensel, wird nicht müde, für seine Stadt zu werben. "Pirna hat eine über 750-jährige Geschichte. Der mittelalterliche Stadtkern, der eigentlich noch vollständig erhalten ist, ist immer wieder Anziehungspunkt für viele Touristen aus Nah und Fern. Von Pirna aus gibt es sehr viele interessante Ziele im gesamten Umkreis zu entdecken: Burgen, Schlösser, die Naturschönheiten der Sächsischen Schweiz."

Nicht verschlammt, nicht kontaminiert

Das Elbsandsteingebirge ist ein Eldorado für Wanderer und Kletterfans. Hauptausgangspunkt für verschiedenste Touren in die zerklüftete Natur ist von jeher der kleine Kurort Rathen, der sich in ein schmales Tal schmiegt. "Die Natur, also die Sächsische Schweiz, hat keinen Schaden genommen", betont Thomas Richter, ehrenamtlicher Bürgermeister des Kurortes. "Sie können also jeglichen Wanderweg, jeglichen Fahrradweg wieder nutzen in der Sächsischen Schweiz, die Gegend ist nicht verschlammt, die ist nicht kontaminiert, Sie können dort hinfahren!"

Zerstörte Mulde Brücke in Grimma Sachsen

Sachsen kämpft ums Überleben

Ein Quartier für Nacht, sagt er, werden Sie ebenso finden wie geöffnete Restaurants und Cafés. Manchmal muss man eben nur ein paar hundert Meter weiter ins Hinterland gehen, weg von der Elbe. Die habe ja schließlich nicht ganz Sachsen überflutet. Das aber glauben scheinbar viele, die die Bilder vom Hochwasser seinerzeit im Fernsehen gesehen haben. Bis ins Erzgebirge hinein, erzählt ein Wirt, habe es Stornierungen gegeben.

Vorteil auf dem Tafelberg

Auf der Festung Königstein hat man Kurzarbeit angemeldet. 240 Meter über der Elbe thront die wehrhafte Steinburg auf einem Tafelberg. Seit dem Hochwasser bleiben die Gäste weg, dabei hat das Wasser nur unten im Ort gestanden. "Normalerweise haben wir in einem Monat wie dem September 80.000 bis 100.000 Besucher. Und das sind jetzt nur halb so viele", bestätigt Geschäftsführerin Angelika Taube. Wer den Weg hoch auf den Tafelberg dennoch gefunden hat, wird allerdings doppelt belohnt. Man muss den herrlichen Ausblick weit in die Landschaft hinein nämlich nur mit wenigen teilen und kann diese größte Festungsanlage Europas ganz ohne Gedränge und Geschiebe in aller Muße erkunden.

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