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Nahost

Alliierte Offensive geht weiter

Britische und amerikanische Truppen haben ihre Angriffe im Irak fortgesetzt. Unterdessen kündigte der türkische Ministerpräsident Erdogan an, im Notfall mit eigenen Truppen im Nordirak zu intervenieren.

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Britische Soldaten vor Basra

Die USA und Großbritannien haben ihre Offensive im Irak nach Medienberichten am Sonntag (30.3.), dem elften Kriegstag, in nahezu allen Landesteilen fortgesetzt. Die Hauptstadt Bagdad geriet in der Nacht unter heftigen Beschuss. Drei Viertel der Bomben- und Raketenangriffe richteten sich nach US-Angaben gegen Stellungen der Republikanischen Garden, der Elitetruppe von
Staatschef Saddam Hussein.

Detonationen wurden auch aus der Millionen-Stadt Basra im Süden und Mossul im Norden des Landes gemeldet. Im südirakischen Nasirija nahmen US-Marineinfanteristen nach Angaben eines CNN-Reporters den Sitz der regierenden Baath-Partei ein. In dem Gebäude seien große Mengen Munition und Schutzanzüge gegen Chemiewaffenangriffe gefunden worden.

Briten rücken in Basra vor

Britische Panzer patrouillieren rundum Basra

Britische Panzer vor Basra

Britische Streitkräfte haben am Sonntagmorgen einen neuen Versuch unternommen, die südirakische Stadt Basra einzunehmen. Ein Reporter des US-Fernsehsenders CNN berichtete vor Ort, britische Marinesoldaten rückten mit Panzern in die südöstlichen Vororte der Großstadt ein. Sie würden auf sporadischen Widerstand stoßen. Die Soldaten würden sich Straße für Straße, Haus für Haus vorarbeiten. Die Briten könnten dabei auf die Erfahrung zurückgreifen, die sie bei der Bekämpfung der IRA in Nordirland gemacht hätten, sagte der Reporter. Basra - die zweitgrößte Stadt des Irak - wird seit einer Woche von britischen Truppen belagert.

Debatte um Kriegs-Strategie

Soldat beobachtet brennendes Ölfeld

US-Soldat hält Ausschau

Während die US-Angriffe im Irak fortgesetzt werden, geht die Diskussion um die amerikanische Militärstrategie weiter. Nach einem Bericht des Wochenmagazins "New Yorker" hat Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mehrmals den
Rat seiner Strategen ignoriert, mehr Soldaten und mehr Waffen für den Irak-Krieg zur Verfügung zu stellen.

Rumsfeld habe vor Beginn des Krieges mindestens sechs Mal erfolgreich darauf bestanden, die ursprünglich vorgeschlagene Truppenstärke zu reduzieren, berichtete das Magazin am Samstag unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise im US-Verteidigungsministerium. "Er dachte, er wisse es besser. Er war jedes Mal der Entscheidungsträger. Dies ist der Schlamassel in den sich Rummy selbst gebracht hat, weil er keine starke Bodenpräsenz haben wollte", zitiert der "New Yorker" aus Pentagon-Kreisen.

Auch am Sonntag wurde weiter über amerikanische Nachschubprobleme berichtet. Die Versorgungslinien vom Süden des Landes Richtung Bagdad sind bis zu 300 Kilometer lang. Ein dpa-Fotograf, der das 3. Aufklärungsbataillon der US-Marineinfanterie begleitet, bestätigte, dass es wegen des schleppenden Nachschubs weiterhin nur eine Essensration pro Tag gebe.

Türkei will notfalls im Nordirak eingreifen

Recep Tayyip Erdogan Türkei

Erdogan will notfalls im Nordirak eingreifen

Die Türkei erwägt einen begrenzten Einmarsch in Nordirak für den Fall, dass die Kriegssituation dort außer
Kontrolle gerät. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip
Erdogan sagte der "Bild am Sonntag", sollte deutlich werden, dass "die Truppen der USA diese negativen Entwicklungen nicht verhindern können, ist es möglich, dass die türkischen Streitkräfte die Verlegung einer begrenzten Anzahl von Truppen für einen Einsatz in einem begrenzten Gebiet in Betracht ziehen." Dies würde mit den USA abgesprochen. Erdogan schloss aber eine Besetzung Nordiraks aus: "Die Türkei hat keine derartigen Ambitionen und hatte sie nie gehabt."

Die Türkei habe auch keine geheimen Absichten, daher seien "Argwohn und Unterstellungen unberechtigt und deplatziert", wird der Ministerpräsident zitiert. Die Türkei befürchtet im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg die Entstehung eines unabhängigen Kurdenstaates und ein damit verbundenes Wiederaufflammen der kurdischen Separatistenbewegung im Südosten der Türkei.

Druck auf Ankara

Die USA befürchten dagegen, eventuelle Gefechte zwischen türkischen Verbänden und kurdischen Gruppen könnten sich negativ auf die Militäroperationen der USA in Irak auswirken. Die Europäische Union hatte der Türkei zu verstehen gegeben, dass ein EU-Beitritt Ankaras gefährdet sei, wenn die Türkei in den Krieg in Irak eingreifen würde. Deutschland und Belgien haben gedroht, den NATO-Einsatz zum Schutz des Landes abzubrechen. (tko)

Hinweis: Angaben zu Truppenbewegungen, Opfern und Schäden basieren zumeist auf Informationen der Kriegsparteien und können in der Regel nicht unabhängig überprüft werden.