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Fußball

Alles sauber beim "Sommermärchen"?

Russland und Katar unter Verdacht, Südafrika und Frankreich verscherbelt. Erstmals wird Korruption gerichtlich belegt. Wurde auch beim "Sommermärchen" 2006 gefuscht? Schily sagt nein, aber es gibt deutliche Anzeichen.

1998, 2010, 2018, 2022: Bei fast allen WM-Vergaben der letzten Jahrzehnte wurde gemauschelt. Mit bangem Blick verfolgt deshalb auch Fußball-Deutschland die Enthüllungen der US-Ermittler. Lief 2006 im Vorfeld des "Sommermärchens" alles sauber ab? Im Juli 2000 brach in Deutschland großer Jubel aus. Die Wahl zur WM-Vergabe 2006 ging an Deutschland. Dabei hatte es lange Zeit so ausgesehen, als würde Südafrika das Rennen machen. Doch kurz vor der Wahl des Exekutivkomitees schwenkten einige Wähler, vor allem aus Asien, um. Deutschland gewann am Ende mit zwölf Stimmen. Es war das denkbar knappste Ergebnis: Elf Verbände hatten für Südafrika gestimmt, es gab eine Enthaltung.

Wie es der Zufall wollte

Im Vorfeld war klar gewesen, dass sich der DFB auf die Unterstützung der acht europäischen Verbände verlassen konnte. Doch weil Nord- und Südamerika eher hinter der südafrikanischen Bewerbung stehen würden, brauchte Deutschland dringend mindestens die vier Stimmen aus Asien. Die bekam es. Doch warum? Thomas Kistner von der "Süddeutschen Zeitung" erklärt das in seinem 2012 erschienenen Buch "Fifa Mafia" so, dass große deutsche Firmen wie Daimler Millionen in Länder investierten, in denen Vertreter des Fifa-Exekutivkomitees saßen. Vor allem im asiatischen Bereich. Daimler soll beispielsweise fast eine Milliarde Euro in den südkoreanischen Konzern Hyundai gesteckt haben. Wie es der Zufall so wollte, saß ein Sohn des Hyundai-Gründers zu dieser Zeit im Exekutivkomitee.

Auch auf eine Waffenlieferung der Bundesregierung wird im Zusammenhang mit der WM-Vergabe immer wieder hingewiesen. Von offizieller Seite ist ein Zusammenhang stets dementiert worden, aber: Nur eine Woche vor der Wahl im Jahr 2000 lieferte Deutschland mehr als 1000 Panzerfäuste nach Saudi-Arabien. Der damalige Fifa-Vorstand Abdullah Khalid Al-Dabal war Teil des saudischen Königshauses. Er soll bei der Wahl für Deutschland gestimmt haben. Deutschland habe "kurzfristig das Waffenembargo aufgehoben", sagte später auch Guido Tognoni, damals Fifa-Mitarbeiter.

Schily: "Hervorragende Bewerbung"

Bislang hat es in Deutschland keine offiziellen Untersuchungen zum eigenen WM-Zuschlag gegeben. Auch in den aktuellen Ermittlungen der US-Staatsanwaltschaft und des FBI taucht das deutsche "Sommermärchen" nicht auf. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland ausgeschlossen. "Wir hatten die absolut beste Bewerbung, und das hat uns die FIFA von einer unabhängigen Kommission bestätigt", sagte Niersbach. Der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily hält die Vergabe der WM 2006 an Deutschland für sauber. Schily sagte der "Bild"-Zeitung: "Deutschland hat eine in jeder Hinsicht hervorragende Bewerbung für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 abgeliefert." Er hält es für ausgeschlossen, "dass von den für die Bewerbung verantwortlichen DFB-Vertretern versucht worden sein sollte, die Mitglieder des Exekutivkomitees durch unlautere Mittel zu beeinflussen".

Bislang hielt Blatter immer schützend die Hand über den DFB, im Gegenzug hat Franz Beckenbauer - der wegen der WM-Vergabe an Katar sogar vor der Fifa-Ethikkommission aussagen musste - nie etwas Schlechtes über den Schweizer gesagt. Aber in diesen Tagen ist beim Thema FIFA alles möglich.

Rückendeckung aus Asien für Katar

Die asiatische Fußball-Konföderation (AFC) hat indes ihre Unterstützung für die umstrittene Weltmeisterschaft 2022 in Katar bekräftigt. "Die AFC und die gesamte asiatische Fußball-Gemeinde stehen an der Seite von Katar, und wir alle freuen uns, die WM auszurichten und die Welt willkommen zu heißen", teilte die AFC mit. Die Golfregion sei eine wahre Fußball-Region mit einigen der leidenschaftlichsten Fans auf der Welt, und Katar sei dabei keine Ausnahme. Das Turnier wird wegen der Sommerhitze im November und Dezember 2022 stattfinden, rings um die Vergabe der Endrunde an das Emirat gibt es Korruptionsvorwürfe.

Der kanadische Verbandschef Victor Montagliani hat kurz vor dem Start der Frauenfußball-WM unterstrichen, bei der Vergabe des Turniers in sein Heimatland sei alles sauber abgelaufen. Auf die Frage, ob bei der kanadischen Bewerbung Bestechung im Spiel gewesen sei, sagte er: "Nein, absolut nicht." Kanada war 2011 der einzige Bewerber für die Endrunde, nachdem Simbabwe zurückgezogen hatte.


jhr/sn (dpa, sid)

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