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Fußball

Alles oder nichts für deutsche Teams

Zwei Unentschieden, zwei Niederlagen: Die vier deutschen Teams stehen nach schwachen Hinspiel-Ergebnissen in den Rückspielen der Europa League ganz schön unter Druck.

Mönchengladbachs Martin Stranzl verwandelte im Hinspiel einen Elfmeter. Foto: REUTERS/Ina Fassbender

Mönchengladbachs Martin Stranzl verwandelte im Hinspiel einen Elfmeter.

Es ist die größte Fan-Auswärtsreise in der Vereinsgeschichte. Fast 10.000 Anhänger von Borussia Mönchengladbach haben sich auf den Weg nach Rom gemacht, wo der Bundesliga-Zehnte am Donnerstag (21.02.2013) bei Lazio Rom um den ersten Achtelfinaleinzug im Europapokal seit 18 Jahren kämpft. Nach dem spektakulären 3:3-Hinspiel ist noch alles offen, da können die Fans ausschlaggebend sein: "Wenn man ins Stadion einläuft und so viele Fans sind da - das pusht uns noch mal ungemein", sagte Linksverteidiger Oscar Wendt. Und auch Sportdirektor Max Eberl ist stolz: "Wir haben bewiesen, dass wir uns in Europa zeigen können, nicht nur die Mannschaft, sondern auch die Fans, die uns unglaublich unterstützen."

An das Stadio Olimpico haben die Mönchengladbacher jedoch keine gute Erinnerung. Vor 35 Jahren unterlag die legendäre "Fohlen-Elf" im Europapokal der Landesmeister dem FC Liverpool mit 1:3. "Das ist eine schwere Aufgabe. Aber wir haben nichts zu verlieren", so Trainer Lucien Favre vor dem Abschlusstraining in Rom. Zudem kann Mönchengladbach mit seiner besten Mannschaft auflaufen. Bei Gegner Lazio fehlt weiterhin der verletzte deutsche Nationalspieler Miroslav Klose. Lazio hat am Montagabend (18.02.2013) eine Niederlage kassiert. Der Tabellen-Vierte der italienischen Serie A unterlag beim Tabellenletzten AC Siena mit 0:3.

Schlechte Ausgangsposition für Hannover

Anschis Superstar Eto'o (hier Bildmitte) setzt sich gegen zwei Verteidiger von Hannover 96 durch. Das Hinspiel verlor Hannover mit 1:3. Foto: REUTERS/Maxim Shemetov

Anschis Superstar Eto'o (2.v.l.) traf im Hinspiel

Im Gegensatz zu Mönchengladbach kann Hannover 96 nicht auf die volle Rückendeckung der Fans setzen, obwohl es im eigenen Stadion spielt. Nach der 1:3-Niederlage beim russischen Verein Anschi Machatschkala trauen die 96-Anhänger ihrem Team anscheinend nicht mehr zu, das Achtelfinale doch noch zu erreichen. Lediglich 25.000 Karten sind im Vorverkauf abgesetzt worden – obwohl beim Gegner internationale Stars wie der Kameruner Samuel Eto'o spielen. "Ich hoffe, dass wir die Marke von 30.000 Zuschauern noch knacken. Wir brauchen das Publikum, um ein frühes Tor zu erzielen", erklärte Coach Mirko Slomka.

Einige Fans boykottieren vermutlich das Spiel, da Hannover 96 die Eintrittspreise für diese Spiel in zwei Fan-Blöcken (etwa 1.000 Tickets) um fünf Euro erhöht hat. Grund für diese symbolische Kollektivstrafe: Der Verein musste in der vergangenen Saison fast 80.000 Euro Strafe zahlen, da seine Anhänger mehrmals die verbotene Pyrotechnik eingesetzt hatten. "Mit dieser Maßnahmen wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir das nicht akzeptieren", sagte 96-Präsident Martin Kind. Fraglich ist, ob dies gerade bei dem so wichtigen Europapokal-Spiel der richtige Zeitpunkt für eine solche Aktion ist.

Leverkusen: Kießling im Fokus

Benficas Torwart Artur Moraes musste sich im Hinspiel ganz schön strecken, um einen Ball der Leverkusener zu halten Foto: REUTERS/Wolfgang Rattay

Benficas Torwart Artur Moraes (r.) rettete im Hinspiel mehrmals den Sieg für sein Team.

Eine Hinspiel-Niederlage muss auch Bayer Leverkusen im Rückspiel wettmachen, um in das Achtelfinale der Europa League einzuziehen. 0:1 hatte der Tabellen-Dritte der Bundesliga zu Hause gegen Benfica Lissabon verloren. Doch die Leverkusener sind selbstbewusst nach Portugal gereist: "Ich bin mir sicher, dass es nicht vorbei ist und wir gewinnen werden", sagte Bayer-Torjäger Stefan Kießling, der bereits 15 Treffer in der Bundesliga erzielt hat. Zu den Gerüchten um seine Person - er soll ein Kandidat für die Nachfolge des vor dem Absprung stehenden Robert Lewandowski bei Borussia Dortmund sein - erklärte der Stürmer: "Ich weiß von nichts."

Von Wechselgerüchten will Leverkusens Cheftrainer Sascha Lewandowski nichts wissen, er will sich auf das Wesentliche konzentrieren. Nämlich auf eine taktische Marschroute, um zu gewinnen. "Die Situation ist nicht ideal, aber wir wissen, wie wir es machen müssen", meinte Teamchef Sami Hyypiä. Um die Gastgeber aus der Defensive zu locken wünscht sich Kießling ein frühes Tor: "Dann steht Benfica unter Druck." Personell haben Lewandowski und Hyypiä nicht allzu viele Sorgen. Nur der schnelle Linksfuß Sidney Sam, der sich gegen Augsburg wegen muskulärer Probleme vorzeitig auswechseln ließ, wird nicht spielen können.

Stuttgart wieder selbstbewusst

VfB Stuttgart's Arthur Boka (l.) versuchte im Hinspiel erfolglos das Gegentor zu verhindern. Foto: REUTERS/Michaela Rehle

Das Tor von KRC Genk im Hinspiel

Auch der VfB Stuttgart muss auswärts antreten, beim KRC Genk in Belgien. 1:1 ist das Hinspiel ausgegangen. Die Schwaben sind hoch motiviert: Für das Team von Coach Bruno Labbadia wäre es der erste Einzug ins Achtelfinale der Europa League. "Wir gehen zuversichtlich in diese sehr interessante Partie", sagte Sportdirektor Fredi Bobic. "Der Sieg gegen Hoffenheim gibt uns Selbstvertrauen, Auftrieb." Es war der erste Erfolg nach fünf Niederlagen in Folge in der Bundesliga.

"Mit einem Sieg, einem hohen Unentschieden oder in der Verlängerung - ich bin optimistisch, dass wir weiterkommen", so Hinspiel-Torschütze Christian Gentner. Labbadia muss auf jeden Fall seine erfolgreiche Startelf aus dem Hoffenheim-Spiel umstellen. Nach seiner dritten Gelben Karte aus dem Hinspiel muss der gesperrte Innenverteidiger Georg Niedermeier ersetzt werden. Doch auch Genk kann nicht mit Bestbesetzung antreten: Topstürmer Jelle Vossen fehlt verletzungsbedingt.

Terminstress für Europa League-Teilnehmer

So sehr sich die vier deutschen Teams ein Weiterkommen wünschen - so wird der Frust der Vereine über den Terminstress immer größer. Denn sie müssen teils im kraftraubenden Donnerstag-Samstag-Rhythmus in der Europa League und der Bundesliga antreten. So hatte beispielsweise Leverkusen nach dem Hinspiel gegen Benfica Lissabon gerade mal 43 Stunden Zeit, um sich auf den Bundesliga-Auftritt gegen Augsburg vorzubereiten. Mönchengladbach hatte sogar nur 40 Stunden Zeit, um zu regenerieren und zum Hamburg SV zu reisen.

"Das muss schnell geändert werden, sonst ist die Wettbewerbsfähigkeit der Vereine nicht gewahrt", so Borussen-Sportdirektor Max Eberl. Doch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) macht wenig Hoffnung auf kurzfristige Entspannung. "Es ist eine extreme Belastung - gar keine Frage. Doch wir müssen vertragstreu gegenüber unseren TV-Partnern bleiben", erklärte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig.

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