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Bildung

Alles neu - oder doch nicht?

Wohnungssuche, Finanzprobleme und fehlende Orientierung: Alljährlich kommen die gleichen Schwierigkeiten auf die Studienanfänger zu. Auch in diesem Halbjahr scheint es für viele Probleme noch keine Lösung zu geben.

Ludwig-Maximilians-Universität München (Foto: dpa)

Aller Anfang ist schwer ...

Viel wurde in den letzten Monaten diskutiert über die Studienbedingungen in Deutschland. Im Herbst letzten Jahres gab es den großen Bildungsgipfel, an dem die Kultusminister der Länder beteiligt waren und sich über Korrekturen der eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge einigen sollten. Noch vor einigen Monaten hatten Studenten zum Bildungsstreik aufgerufen und für mehr und bessere Bildung protestiert. Strittige Punkte waren und sind unter anderem die zu kurze Ausbildung zum Bachelor, die Studiengebühren, die geringe Zahl der Stipendien und das Verfahren der Studienplatzvergabe bei begehrten Fächern. Viele Lösungsvorschläge wurden gemacht, aber nicht allzuviel ist davon bisher bei den Studierenden angekommen. DW-WORLD.DE sprach darüber mit dem Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde.

DW-WORLD.DE: Herr Meyer auf der Heyde, hat sich jetzt zu Semesterbeginn für die Studierenden schon etwas geändert in der deutschen Hochschullandschaft?

Achim Meyer auf der Heyde: Es ist zwar Bewegung reingekommen, aber zu diesem Semester hat sich natürlich noch nichts verändert. Das geht leider nicht so schnell. Die einzige Veränderung ist, dass es bei der Hochschulzulassung eine Studienplatzbörse gibt, aber ob diese funktioniert, das wird sich noch zeigen. Beim Bachelor wollen einzelne Länder von der bisher starren Regelung 6 + 4, das heißt sechs Semester Bachelor und vier Semester Master, abgehen. Aber das liegt zunächst natürlich bei den Hochschulen. Die Hochschulen müssen ihre Prüfungs- und Studienordnung ändern. Und da ist uns noch nicht bekannt, dass sich viel getan hat.

Demonstration gegen Studiengebühren (Foto: AP)

Immer noch ein Thema ...

Und wie sieht es aus bei den Studiengebühren? Das ist ja auch ein Thema, das die Studentenwerke immer wieder angehen.

Auch bei den Studiengebühren gibt es leider keine Veränderungen. Es gibt weiterhin sechs Bundesländer, die ihre Hochschulen autorisiert haben, Studiengebühren zu nehmen. Davon sind rund sechzig Prozent der Studierenden betroffen. Es gibt aber dem gegenüber auch zehn Bundesländer, die keine Studiengebühren erheben, und da wird es spannend sein zu sehen, wie viele Studierende sich möglicherweise in Randlagen der Bundesländer entschieden haben, doch in das studiengebührenfreie Land zu gehen und dort ein Studium aufzunehmen.

Sind Sie als Studentenwerk ein bisschen unzufrieden damit, dass sich eigentlich noch nicht viel tut und Sie jetzt gar nicht sagen können, was sich ändern wird?

Wir haben natürlich den Bildungsstreik damals sehr aufmerksam verfolgt und haben auch gesagt, dass die Studiengebühren eigentlich natürlich zurück genommen werden müssen. Es muss ganz viele Veränderungen beim Bachelor und Master geben, und da haben Sie völlig Recht: Damit sind wir natürlich bisher nicht zufrieden. Allerdings wissen wir auch, dass es doch ein bisschen mehr Zeit braucht, das umzustellen. Und ich glaube, da ist zumindest auf der Ankündigungsebene ziemlich viel in Bewegung gekommen. Auch bei den Hochschulen setzt ja zumindest ein Umdenken ein, dass man sich nicht mehr so starr bewegen muss, sondern vielleicht eine Vielfalt unterschiedlich langer Studiengänge entstehen lassen kann. Damit ist auch die Möglichkeit gegeben, dass die Studierenden besser, einfacher und natürlich auch etwas stressfreier studieren und dann in Ruhe das Auslandssemester oder auch andere Praktika absolvieren können.

Heißt das, Sie warten erst einmal ab, was da kommt?

Es bleibt uns im Moment nichts anderes übrig. Wir haben die Forderung erhoben, wir haben auch bei anderen Themen wie Studienfinanzierung oder Wohnraum immer den Finger in die Wunde gelegt und wir haben, was die Gestaltung der Studiengänge und den Hochschulzugang auch zum Beispiel für Berufstätige betrifft, eine beratende und mahnende Stimme.

Schwarzes Brett in der Mensa der Uni München (Foto: AP)

Viele Zimmergesuche, wenig Angebote ...

Sie sprechen die Wohnungssituation an. Damit hat man ja als Studienanfänger ein besonderes Problem. Oft kommen die Zulassungsbescheide der Universitäten erst so spät, dass man sich gar nicht im Voraus auf Wohnungssuche begeben kann. Man weiß oft erst ganz knapp vor Semesterbeginn, an welcher Uni, in welcher Stadt man nun bleiben wird. Wie sieht es da aus?

Da legen Sie den Finger richtig in die Wunde. Denn durch die späten Zulassungen gibt es natürlich einen erheblichen Druck auf dem Wohnungsmarkt, insbesondere in solchen Regionen, die klassische Studierendenstädte sind oder Großstädte. Da stehen die Studierenden dann tatsächlich erst einmal vor dem Problem, sich ganz schnell eine Bleibe organisieren zu müssen, und die Nachfrage ist dann natürlich entsprechend hoch. Wir versuchen als Studentenwerke, dort noch zusätzliche Privatwohnungen zu aktivieren beziehungsweise auch mit den Wohnungsbauunternehmen zusammen zu arbeiten. Und wir haben natürlich unsere eigene Plätze, die aber dann auch schon relativ stark belegt sind, weil viele sich dort natürlich frühzeitig angemeldet haben. Die günstigste Wohnform, insbesondere für jüngere Semester, ist immer noch das Wohnheim. Bei uns zahlt man im Durchschnitt 190 Euro monatlich an Miete. Ich denke, da sollte man sich auch an das örtliche Studentenwerk wenden. Wenn es keine Wohnheimplätze gibt, sollte man auf jeden Fall die Wohnraumvermittlung des Studentenwerks aufsuchen.

Haben Sie jetzt zum Semesterstart schon Zahlen? Sind alle, die anfangen zu studieren, schon untergekommen oder gibt es noch großen Bedarf?

Der Druck im Oktober, November ist massiv. Wir führen keine Wartelisten, aber es gibt auch spektakuläre Beschreibungen, dass zum Beispiel Studierende in Frankfurt erstmal in Notquartieren übernachten. Wir haben auch die Politik seit langem angemahnt, dass es notwendig ist, bei steigenden Studierendenzahlen mehr öffentlich geförderten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Da ist leider nicht viel passiert. Das ist natürlich ein zusätzlicher Engpass, mit dem man jetzt agieren muss.

WiSo-Vorlesung an der Universität Heidelberg (Foto: Uni Heidelberg / Dorn)

Volle Hörsäle, aber auch viele neue Freunde ...

Wir haben viel darüber geredet, was alles nicht oder noch nicht funktioniert. Wenn man nun als Studierender in guter Hoffnung sein Studium beginnt, worauf kann man sich denn freuen?

Ein Studium ist ein neuer Lebensabschnitt, der viel Interessantes bietet - auch eine neue Lebenserfahrung. Möglicherweise kommt man in eine neue Stadt, in der man nicht nur Neues lernt, sondern auch ein ganz anderes Umfeld kennenlernen kann. Ich würde es auch nicht nur negativ sehen. Man muss sich natürlich relativ schnell orientieren, wo man welche Informationen bekommt, an wen man sich wenden kann. Als Studierender muss man so schnell wie möglich zur Studienberatung der Hochschule gehen, um zu klären, wie man sein Studium organisiert. Dann sollte man sich ans Studentenwerk wenden und schauen, was es dort an Finanz- und Wohnungshilfen gibt – und was es an kulturellen Aktivitäten gibt, um ganz schnell in der neuen Stadt neue Kommilitoninnen und Kommilitonen kennen zu lernen.


Das Gespräch führte Gaby Reucher
Redaktion: Claudia Unseld