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Amerika

Alles neu im Pentagon

US-Verteidigungsminister Robert Gates verordnet seinem Ressort eine Generalüberholung. Von der Strategie bis zur Bewaffnung kommen auf die US-Streitkräfte massive Veränderungen zu.

US-Verteidigungsminister Robert Gates (Foto: AP)

Pentagon-Chef Robert Gates

Ausgerechnet ein Republikaner soll die mächtigste Armee der Welt radikal umbauen und mit den Fehlplanungen und der Misswirtschaft der letzten Jahre im Pentagon aufräumen. Weg von den alten Vorstellungen aus dem Kalten Krieg und hin zu einer schlagkräftigen Truppe, die schnell mit kleinen Kampfverbänden an jedem Ort der Welt einsetzbar ist - das ist der Kern der neuen US-Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, die der demokratische Präsident Barack Obama und seine Berater im Visier haben. Und dabei werden wohl auch einige Großprojekte aus der Bush-Ära zu den Akten gelegt. Die sind zwar lukrativ für die US-Rüstungsindustrie, doch mit neuen Kampfjets oder Hightech-Panzern kann man keine asymmetrischen Kriege gewinnen, Guerillakriege, wie sie im Irak oder in Afghnaistan wüten.

Widerstand aus der Rüstungsindustrie

US-Militärflugzeug F-22 'Raptor' (Foto: AP)

Milliardengrab für den US-Steuerzahler: F-22 'Raptor'

Schon formieren sich die Gegner des Umbaus: Politiker aus Wahlkreisen mit Flugzeug- oder Panzerfabriken prangern den Richtungswechsel im Pentagon genauso an, wie die Vertreter der großen US-Militärausrüster und mächtige Generäle, die um ihre sorgsam gehätschelten Prestigeprojekte bangen. Gates will jetzt diese traditionelle Allianz aus Politik, Militärs und Industrie aufbrechen. Kein Wunder, dass Kongressabgeordnete wie der Republikaner Tom Price aus Georgia bereits Zeter und Mordio schreien und ihren Widerstand gegen das Vorhaben des Pentagonchefs angekündigt haben. In Price' Heimatstaat wird das F-22 Kampfflugzeug 'Raptor' zusammengebaut, der kostspieligste US-Militärjet aller Zeiten und mit mittlerweile mehr als 140 Millionen Dollar pro Stück weitaus teurer als ursprünglich kalkuliert. 183 dieser Flugzeuge hat das US-Militär bisher angeschafft, kein einziges davon kam bisher zum Einsatz, denn diese 'Luftüberlegenheitsjets' - wie sie im Militärjargon heißen - sind in den Kriegen in Afghanistan und im Irak so überflüssig wie ein Kropf. Aber die Luftwaffe bestellte trotzdem noch mehr - ein Paradebeispiel für das, was Gates als "kaputtes' Ausgabe- und Beschaffungssystem" anprangert.

Premiere für das Pentagon

US-Soldaten in Afghanistan (Foto: AP)

US-Soldaten in Afghanistan

Es ist das erste Mal, dass ein Pentagonchef derartige Radikalreformen in Angriff nimmt. Und unter dem Eindruck der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise räumen ihm Militärexperten gute Chancen ein, sich gegen den mächtigen 'miltärisch-industriellen Komplex' durchzusetzen. Und der Kampf gegen Terroristen, Aufständische und Guerillas erfordert sowieso ganz neue Prioritäten bei der Geldausgabe. Ohne Kürzungen oder Streichungen bei Projekten, die sich noch an Verteidigungskonzepten aus der Zeit des Kalten Krieges orientieren, ist das schlicht nicht zu machen. Der Gates-Plan signalisiert aber nicht nur ein neues militärstrategisches Denken im Pentagon und im Weißen Haus: Es zeigt außerdem, wie frustriert der Verteidigungsminister über die unflexible Beschaffungs-und Ausgabementalität im Rüstungssektor ist. Und darüber, dass auch heute noch US-Soldaten im Irak oder in Afghanistan nur deshalb sterben, weil ihre Fahrzeug schlecht gepanzert sind.