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Kultur

Alles im Lot auf'm Boot

Viermal Gold, viermal Silber und einmal Bronze holten Deutschlands Kanuten in Athen. Herausragende Athletin des Verbandes war einmal mehr Rekord-Olympiasiegerin Birgit Fischer.

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Birgit Fischer im Vierer-Kajak in Siegerlaune


Birgit Fischer

Birgit Fischer beim Training

"Birgit Fischer ist der Star dieser Spiele. Wer 24 Jahre nach dem ersten Medaillengewinn noch einmal Gold holt, ist nicht zu überbieten. Hut ab vor dieser großartigen Athletin", würdigte IOC-Vizepräsident Thomas Bach die Leistung der Ausnahme-Paddlerin. Die Kanuten bezeichnete Bach als "stärksten Teil des deutschen Olympia-Teams": "Die Konstanz ist beeindruckend. Das spricht für Athleten und Verband."

Es geht doch!

Mit "alter DDR-Taktik" hat Powerfrau Fischer im deutschen Kajak-Vierer gleich zu Beginn der olympischen Kanuwettbewerbe der Konkurrenz einen gehörigen Schuss vor den Bug versetzt. Zum Auftakt der olympischen Kanu-Regatten in Schinias bezwang das von der 42-jährigen Brandenburgerin geführte Flaggschiff die favorisierten Weltmeisterinnen aus Ungarn.

"Das war die alte DDR-Schule: Sie haben gleich gezeigt, wer Herr im Haus ist", schwärmte Cheftrainer Josef Capousek von dem Boot, das nach dem Weltcup von Racice erst sein zweites Rennen bestritt. Birgit Fischer gab unbeeindruckt von der Konkurrenz die Marschrichtung vor. "Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir schenken es weg oder wir versuchen es. Wir haben angegriffen und schon hatten wir das Ding im Sack."

Birgit Fischer und Carolin Leonhardt

Birgit Fischer und Carolin Leonhardt im Zweierkajak

Birgit Fischer holte in Athen eine Gold- und eine Silbermedaille und verbesserte sich damit als erfolgreichste deutsche Olympionikin überhaupt (8 Gold- und 4 Silbermedaillen) in der ewigen Rangliste vom 13. auf den 5. Platz. 53 Edelplaketten bei Olympia, WM und EM hat sie bisher erkämpft - Weltrekord! In Moskau war sie 1980 mit 18 Jahren und 158 Tagen die jüngste Kanu-Olympiasiegerin, seit Athen darf sie im stolzen Alter von 42 Jahren und 186 Tagen nun auch den Titel der ältesten Gewinnerin tragen. Und zur Verblüffung der Konkurrenz wird sie nun nicht etwa das Paddel aus der Hand legen. "Die Farbe Bronze fehlt mir noch. Vielleicht mache ich ja noch so lange, bis ich sie habe."

Helfende Hände daheim

Birgit Fischer

Birgit Fischer beim Training

Wunschlos glücklich ist Birgit Fischer auch nach ihrem achten Olympiasieg nicht, aber voller Ideen und Tatendrang. Ein Familienboot mit ihrer Nichte Fanny oder Starts im Einerkajak sind mögliche Herausforderungen für die 42-Jährige. Zunächst aber wird sie wieder als Mama und Haushaltsvorstand von Sohn Ole und Tochter Ulla gefragt sein. "Ich freue mich sehr auf Zuhause, erst noch die DM, und dann bin ich wieder bei den Kindern", sagte Fischer nach ihrer überragenden Vorstellung in Athen. Mutter Ursula übergibt dann nach mehreren Wochen wieder das Kommando an ihre Tochter.

Konkurrenz aus der eigenen Familie

Goldmedaille

Birgit Fischer mit Gold

Rein sportlich will Birgit Fischer von Jahr zu Jahr planen, kokettiert aber schon mit den Sommerspielen 2008 in Peking. Mit den Zielen und Wünschen ist es freilich so eine Sache: "Soll ich etwa sagen, ich will jetzt das neunte Gold? Sportlich habe ich doch alles geschafft, aber darüber hinaus gibt es schon noch ein paar Wünsche." Unklar ist, wann der Zweierkajak mit ihrer Nichte vom KC Potsdam aufs Wasser geht. "Darüber muss ich noch nachdenken, Fanny ist ja erst 18", sagt Fischer. Die Tochter ihres Bruders Frank, in den achtziger Jahren mehrmaliger Kanu-Weltmeister, gilt als Riesentalent. Bei den Juniorinnen holte Fanny Fischer in diesem Jahr den EM-Titel im Viererkajak, ein Jahr zuvor bei der WM wurde sie immerhin schon mit Silber dekoriert. "Sie hat sehr gute Anlagen und wird bald alle wegfetzen", prognostiziert Damen-Bundestrainer Detlef Hummelt. (arn)

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