1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Alles im Koffer?

Er ist das Symbol für Reisefreude: der Koffer. Leute packen ihre Koffer aus- und wieder ein. Mancher Kofferträger muss ungewollt seine Koffer packen. Hilfe kommt dann vielleicht aber von einem „Mann mit Koffer“.

Der berühmteste deutsche Koffer seiner Art steht wohl in Berlin, wobei sich gar nicht genau sagen lässt, ob er steht oder liegt. Er könnte sich auf oder unter einem Schrank befinden, in eine Ecke geschoben sein oder in einer Kammer warten, bis er nun endlich abgeholt wird.

Irgendwo steht ein Koffer

Marlene Dietrich, Mann vier Koffer tragen

Marlene Dietrich hatte nicht nur einen Koffer in Berlin stehen, sondern auch ihre Kofferträger

Es gibt ihn nicht wirklich und trotzdem ist er seit der Nachkriegszeit in Deutschland so etwas wie eine Institution geworden: Der Koffer in Berlin. 1960 sang Marlene Dietrich das Lied mit dem gleichnamigen Titel. Im Refrain heißt es: „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin. Deswegen muss ich nächstens wieder hin …“ Aus gutem Grund wurde er also zurückgelassen, als Vorwand gewissermaßen, um an den Ort der Sehnsucht – in diesem Fall Berlin – jederzeit zurückkehren zu können.

Möglicherweise sind Sie ja gerade dabei Ihren Koffer zu packen, bevor es ab in den Urlaub geht. Aber was heißt da „gehen“? Man fliegt oder fährt doch? Nun ja, bitte nicht so genau sein. Das sagt man halt so, selbst wenn man das Flugzeug, das Auto oder die Bahn nimmt.

Der Koffer auf Reisen

Verschiedene Koffer aufeinander gestapelt

Koffer über Koffer – kleine, große, aus Aluminium, Leder …

Wahrscheinlich haben Sie sich für einen Hartschalenkoffer mit Kofferrollen entschieden, der auch die härteste Gepäckabfertigung an den Flughäfen heil übersteht. Oder vielleicht doch für ein besonders leichtes Exemplar, einen Aluminiumkoffer – weil’s heutzutage ja aufs Gewicht ankommt. Ein paar Gramm machen da schon was aus!

Früher wurden die Reisekoffer aus Leder oder Kofferleinwand, einem besonders strapazierfähigen Stoff, hergestellt. Die Kofferschnallen bestanden bei den Edelausführungen aus Messing, das Kofferinnere war mit Seide ausgeschlagen. Entsprechend schwer waren diese Exemplare dann auch, was allerdings kein großes Problem darstellte. Denn die sogenannten feinen Leute trugen ihr Gepäck selbstverständlich nicht selbst. Die Bediensteten waren, wenn es denn auf Reisen ging, auch Kofferträger.

Kofferträger

Ein Junge sitzt - auf seinen Koffer gestützt - auf zwei Koffern auf einem Kofferwagen

Kofferwagen transportieren gern auch mal „menschliche Ladung“

Diese gibt es heute noch – auf Flughäfen oder an Bahnhöfen. Allerdings heißen sie Kofferwagen oder Kofferkuli. Ihr Service besteht darin, dass sie quasi als stummer Kofferträger auf Rollen arbeiten. Und es gibt eine umgekehrte Rollenverteilung: Denn anstrengen müssen sie sich nicht mehr wie früher die menschlichen Kofferträger, weil sie vom Kofferbesitzer geschoben werden.

Der muss den Kofferkuli auch beladen. Er muss die anstrengende Arbeit verrichten, die Grobarbeit – wie auch ein Kofferträger, eine Kofferträgerin im Betrieb, in der Politik, im Mannschaftssport. Das ist der Mann oder die Frau fürs Grobe, der oder die Hilfsdienste verrichtet – ohne sich groß zu beschweren. Es soll Kofferträger geben, die später Karriere gemacht haben, aber auch solche, die tief gefallen sind.

„Koffer“ ist weit rumgekommen

Ein leeres „guffa“ liegt an einem Fluss am Bootssteg

Auch in ein „guffa“ passt Einiges hinein

Ein Koffer ist nicht nur ein Gepäckstück, in dem man Sachen hin- und hertransportiert oder auf dem Speicher lagert. Ein Koffer symbolisiert vor allen Dingen Reiselust und auch Sehnsucht nach fernen Ländern und Abenteuern. Der früher verwendete Begriff Überseekoffer sagt alles. Das Wort selbst ist auch weit gereist: vom Lateinischen beziehungsweise Griechischen über das Arabische bis zum Französischen. Cophinus beziehungsweise kóphinos bedeutete so viel wie „Weidenkorb“. Im Arabischen wurde daraus „guffa“, ein rundes Flechtboot, das wie ein Weidenkorb aussieht.

Die Araber waren große Seefahrer und trieben im Mittelalter mit den Griechen regen Handel. Guffāt wurden noch bis in die 1970er Jahre auf Euphrat und Tigris zum Transport von Waren eingesetzt. Auf verschlungenen Wegen gelangte das Wort dann in die westeuropäischen Länder bis nach Frankreich. Dort entstand etwa im 14. Jahrhundert coffre, das Wort für Truhe, Lade und Kiste.

Der Mann mit dem Koffer

Der amerikanische Schauspieler Henry Fonda stützt sich mit seiner linken Hand auf einen großen Überseekoffer

Einen Überseekoffer konnte man nicht so einfach mit der Hand tragen

Mitte des 16. Jahrhunderts kam es als Lehnwort in den deutschen Sprachraum. Was der Koffer mit dem Kasten beziehungsweise der Truhe gemeinsam hatte, waren der feste aufklappbare Deckel und das Schloss. Neu war eine gewisse Handlichkeit. Der Koffer ließ sich tragen und hatte an der Schmalseite einen Handgriff – deshalb heißen Koffer solcher Größe Handkoffer

Übrigens: Trotz der Ähnlichkeit in der Aussprache ist das eigentliche Wort für „Reisekoffer“ im Französischen valise. Der französische Dramatiker Eugene Ionesco schrieb 1977 das Stück „L’homme aux valises“– „Der Mann mit den Koffern“. Wer allerdings vom Mann mit dem Koffer spricht, meint eine ganz bestimmte Person. Er kann ein Versicherungsvertreter sein oder jener diskrete Herr, der den Superlottogewinn mitteilt, aber auch der smarte Finsterling im Krimi, der einen Geldkoffer übergibt. Letztere Bedeutung gab einer britischen Agentenserie Ende der 1960er Jahre ihren Titel: „Der Mann mit dem Koffer“.

Genug Platz im Kofferraum?

Ein Fiat 500 mit Koffern auf dem Dach

Wenn der Kofferraum zu klein ist, müssen die Koffer eben aufs Dach

Sind Sie inzwischen fertig mit Kofferpacken? Dann wird’s spannend. Denn wer mit dem Auto verreist, stellt sich jetzt unweigerlich die Frage: Passt auch alles in den Kofferraum? Eigentlich heißt der Kofferraum ja Laderaum, weil etwas in den hinteren Teil des Autos hineingeladen wird. Nicht selten kommt es dabei zu Diskussionen, weil die Familie, besonders die Frau, natürlich wieder viel zu viel ein- und die Koffer zu voll gepackt hat.

Zum Glück gibt’s für diesen Fall ja Koffergurte, die einen vollen Koffer bändigen – allerdings nur bis zu einer gewissen Füllmenge. Denn was zuviel ist, ist zuviel. Dann ergießt sich der Inhalt auf den Boden. Besonders an Flughäfen schaut man in solchen Fällen in manch peinlich berührtes Gesicht. Genauso, wenn der Koffer vorher nicht gewogen wurde und jetzt Übergepäck gezahlt werden muss, weil zu viel eingepackt wurde. Es sei denn, man kann umpacken – in einen anderen Koffer.

Wer seine Koffer packt, hat nicht immer Fernweh

Der Koffer muss wieder gepackt werden – in diesem Fall aber nicht im übertragenen Sinn. Denn wer seine Koffer packen muss, ist gezwungen, einen Ort zu verlassen. Dies kann private, aber auch politische Gründe haben – wenn beispielsweise jemand ins Exil gehen muss. Manchmal müssen auch Kolleginnen oder Kollegen ihre Koffer packen, wenn sie nämlich ihren Arbeitsplatz verlieren und die Firma verlassen. Manchem von ihnen dürfte dann allerdings erst mal nicht der Sinn danach stehen, einen Reisekoffer zu packen. Es sei denn, sie haben noch irgendwo einen stehen.




Fragen zum Text

Keine Kofferart ist ein …
1.  Aktenkoffer.
2.  Überseekoffer.
3.  Speicherkoffer.

Einen Koffer kann man …
1.  packen.
2.  abpacken.
3.  umpacken.

Was stimmt nicht? Wer redensartlich seine Koffer packen musste, …
1.  ist arbeitslos geworden.
2.  kann nicht mehr da leben, wo er/sie bisher gelebt hatte.
3.  ist gezwungen worden, seinen Koffer für eine Reise fertig zu packen.


Arbeitsauftrag
Verfasse ein Gedicht mit dem Titel „Ich packe meinen Koffer und lege hinein“. Versuche dabei Paarreime zu bilden. Beispiele: „Ich packe meinen Koffer und lege hinein / eine Zahnbürste und meinen Lieblingsstein / Groß, grün und sanft ist mein Stein, / ich fand ihn einst am Rhein …“

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads