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Politik & Gesellschaft

Alles digital – Deutschland stellt um

Zum 1. August wurde in Deutschland das Digitalradio eingeführt, das Massenpublikum ist aber noch nicht davon überzeugt. Im TV-Bereich steht ein weiterer Wechsel an, dabei droht vielen Zuschauern ein schwarzer Bildschirm.

Digitale Rundfunkempfänger (Foto: picture alliance)

Die Digitalisierung von Radio und TV schreitet voran

Ein DAB-Radio (Foto: dpa)

Das Digitalisierungszeitalter hat auch das Radio erfasst

Seit über zehn Jahren schon versuchen Politiker, Radiosender und die Unterhaltungselektronik mit bisher bescheidenem Erfolg, die Digitalisierung der Hörfunkprogramme in Deutschland voranzutreiben. Beim Digitalradio fehlten bisher vor allem ein breites Programmangebot und attraktive Endgeräte. Bei den ersten Digitalisierungsversuchen des Hörfunks stellte man daher vor allem die technischen Aspekte in den Vordergrund: "Radio in CD-Qualität" wurde als Slogan eifrig beworben.

Im damaligen Standard DAB waren aber in der Regel nur die Radiosender zu hören, die die Zuhörer sowieso schon in ordentlicher Qualität über UKW empfangen konnten. Die Folge: Die Konsumenten stiegen nicht um und der Handel setzte nur eine bescheidene Anzahl von Geräten ab. Das Digitalradio dümpelte vor sich hin. "Wir haben die spezielle Situation, dass wir durch die 16 Bundesländer eine sehr heterogene Struktur haben. Die hat uns lange Jahre daran gehindert, dass wir in ganz Deutschland entsprechend gut aufschalten konnten", berichtet Olaf Korte, Experte für Digitalradio am Fraunhofer-Institut über die schiefgelaufenen Versuche in den vergangenen Jahren.

An einem Strang ziehen

In Ländern wie in Großbritannien hat man es mit nur einer landesweiten Rundfunkanstalt einfacher und schaltete schon vor Jahren auf Digitalradio um. In Deutschland unternahm man vor zwei Jahren einen erneuten Versuch, das gute alte Radio zu digitalisieren. Der Druck wurde erhöht: Neue Finanzmittel wollte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs für das Digitalradio erst zur Verfügung stellen, wenn sich alle Beteiligten auf einen neuen technologischen Standard geeinigt hätten.

Der Durchbruch gelang dann in Gesprächen zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern, dem Netzbetreiber Media Broadcast, Geräteherstellern und sechs Privatradios. Gemeinsam zog man an einem Strang. "Durch den sogenannten bundesweiten Multiplex haben wird jetzt erstmalig die Situation, dass wir in ganz Deutschland eine Struktur mit attraktiven Programmen anbieten können", begründet Korte, warum diesmal der Erfolg gelingen soll.

Erstmals senden mehrere Sender digital

Finger wählt Programm (Foto: DW/Pock)

Das Digitalradio kann mehr: Slide-Shows, CD-Cover, Blitztabellen

Über die verbesserte Technologie DAB+ werden nun 14 digitale Programme deutschlandweit ausgestrahlt, sowohl von öffentlich-rechtlichen Sendern als auch von privaten. "Und das ist einfach jetzt die neue Situation, dass wir erstmalig bundesweit etwas haben", sagt Korte begeistert.

Auf Herstellerseite, wie zum Beispiel bei Sharp, sieht man das Digitalradio noch etwas skeptisch. Zwar könnte man schnell UKW-Radio-Geräte mit zusätzlichen DAB-Plus-Tunern auch auf den deutschen Markt bringen, man wolle aber zuerst die weitere Entwicklung und Nachfrage abwarten. "Solange die Anbieter nicht wirklich übergreifend in DAB+ ausstrahlen, werden die Gerätehersteller diesen doch teuren Chip nicht mit einbauen", erklärt Philipp Schmidt, Produktmanager von Sharp. Man könne dem Konsumenten keinen Mehrpreis von bis zu 50 Euro vermitteln, wenn das Angebot nicht da sei, so Schmidt.

Slideshows, CD-Cover und Blitztabellen auf dem Radio

Schmidt würde sich wünschen, dass der Gesetzgeber einen entsprechenden Sendestandard vorschreiben würde oder dass die Radioanstalten ihr Programm von alleine ausschließlich auf DAB+ senden würden.

Die Sender wollen die Verbraucher vor allem auch mit dem visuellen Mehrwert zur Anschaffung von digitalen Geräten bewegen. Denn die neuen Digitalradios können mehr, als die herkömmlichen Radios. Viele besitzen ein Touchdisplay oder zeigen interessante Zusatzfeatures: "Sie bekommen Slideshows, CD-Cover und sie bekommen Zusatzinfos zum laufenden Programm, das können Nachrichten sein, das können Wetterkarten sein oder auch Blitztabellen von Fußballübertragungen", erklärt Maik Elster vom Projektbüro Digitalradio vom Südwestrundfunk.

Bei der Digitalisierung des Fernsehens drohen Engpässe

Satellitenschüsseln auf einem Dach (Foto: picture alliance)

Ein paar Satelliten strahlen noch analoge Fernsehsignale aus - nicht mehr lange

Ganz reibungslos verlief der Start von DAB+ Anfang August in Deutschland aber nicht. So wurden Feuerwehr- und Polizeifunk durch die Digitalradio-Signale gestört, und mancherorts gab es offenbar Beeinträchtigungen des Fernsehempfangs. Womit wir beim nächsten Punkt wären: Dem Ende des analogen Fernsehens in Deutschland. Während man über Hausantennen inzwischen nur noch digital empfangen kann, gibt es noch ein paar Satelliten, die analoge Fernsehsignale ausstrahlen. Doch ab 1. Mai 2012 werden die letzten Frequenzen abgeschaltet. Wer dann nicht - im wahrsten Sinne des Wortes - in die Röhre schauen möchte, muss umrüsten.

Studien gehen von zwei bis über vier Millionen Zuschauern aus, die dann vor einer schwarzen Mattscheibe sitzen könnten. Viel Zeit bis zur Umstellung bleibt nicht mehr, die Informationskampagnen gehen deshalb in den Endspurt. "Das Problem könnte sein," befürchtet die Leiterin Marketing & Kommunikation ARD Digital, Brigitte Busch, "dass der eine oder andere denkt, dass noch reichlich Zeit ist, bis man umstellt. Man sollte aber lieber rechtzeitig umstellen, um später nicht in Stress oder Hektik zu geraten oder auch nicht die passenden Geräte zu bekommen, weil es einen Engpass gibt".

Man hat ausgerechnet, dass die Händler jeden Arbeitstag bis zur Umstellung 1,5 Geräte verkaufen müssten, damit im Mai nächsten Jahres alles glatt läuft. Für Haushalte, die eine Satellitenantenne auf dem Dach stehen habe, ist ebenfalls Grund zur Eile geboten, denn die Fernsehtechniker steigen lieber im Sommer als im Winter auf das Dach. Neben dem Druck umrüsten zu müssen, gibt es für die Zuschauer aber auch den Vorteil einer höheren Programmvielfalt und einer besseren Bildqualität.

Autor: Arne Lichtenberg
Redaktion: Pia Gram

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