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Bildung

Allein unter Frauen - Der erste "Boys'Day"

Erzieher, Sozialarbeiter, Pfleger? Nur wenige Jungen wählen diesen Berufsweg. Erstmals gibt es in diesem Jahr deshalb den Boys' Day. Schüler ab der 5. Klasse können in soziale Berufsfelder hineinschnuppern.

Logo Boys'Day (Foto: boys-day.de)

Der Girls' Day ist in Deutschland schon etabliert. Seit 2001 haben Mädchen die Gelegenheit an diesem Tag Firmen zu besuchen und in technische Berufe hereinzuschnuppern, die in Deutschland bislang noch immer eine Männerdomäne sind. Gerade in Zeiten, in denen es in Deutschland an Facharbeitern fehlt, werden Mädchen für die technischen und naturwissenschaflichen Berufe besonders umworben.

Zum ersten Mal ist in diesem Jahr am Donnerstag (14.04.2011) aber auch Boys' Day, denn es gibt ebenso Berufsfelder, in denen Jungen unterrepräsentiert sind. Dazu gehören Berufe in sozialen Einrichtungen. Azubi Christoph Senkowski ist einer der wenigen, die sich für die Arbeit als Erzieher interessieren.

Der einzige Mann

Ein Erzieher hilft einem Jungen beim Klettern (Foto: boys-day.de)

Kinder erziehen - normalerweise ein bei Frauen beliebter Beruf

"Ich habe ein Sozialpraktikum im Kindergarten gemacht und dabei gemerkt, dass mir der Umgang mit Kindern ziemlich viel Spaß macht und dass ich auch einen guten Draht zu ihnen habe." Christoph Senkowski will Erzieher werden. Der 22-jährige Berufsschüler ist im zweiten Lehrjahr und macht gerade ein Praktikum in einer Offenen Ganztagsgrundschule in Bonn, kurz OGS.

Erste Erfahrungen hat er schon in verschiedenen Kindergärten gesammelt und war dort meistens der einzige Mann. Auch in seiner Berufsschulklasse ist er allein unter Frauen. Christoph findet aber, dass Männer genauso wie Frauen gute Erzieher sein können.

Das sieht auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder so und hat deshalb zum ersten bundesweiten Boys‘ Day, dem Jungen-Zukunftstag, aufgerufen. Schüler der Klassen fünf bis zehn können einen Tag lang Berufe kennen lernen, in denen eher Frauen tätig sind, zum Beispiel in Pflegeheimen, Kindergärten oder auch der OGS, in der Christoph gerade sein Praktikum macht. Auch einige Länder, die an Deutschland angrenzen, machen beim Boys' Day mit, wie etwa Polen, Tschechien und Luxemburg.

Empathie und viel Geduld sind unverzichtbar

Erzieher in der Schule mit zwei Kindern (Foto: boys-day.de)

Verschiedene Einrichtungen kooperieren mit dem Boys' Day

Der Einblick in die Praxis sei wichtig, denn nicht jeder könne ein guter Erzieher sein, erklärt Christoph. "Man muss vor allem sehr einfühlsam sein. Man muss Kinder verstehen können." Das sind für ihn die wichtigsten Voraussetzungen für seinen Beruf.

Wenn mittags um 12 Uhr die Schulglocke läutet, stürmen alle Grundschüler gleichzeitig in die OGS, da kann es schon mal stressig werden. Christoph muss die Kinder nach dem offiziellen Unterricht betreuen. Er hilft bei den Hausaufgaben und spielt mit ihnen. Männliche Erzieher wie Christoph sind bei den Schülern besonders beliebt, denn mit ihnen kann man auch schon mal richtig herumtoben.

Auch Gruppenleiterin Eva ist froh über ihre männlichen Kollegen, sie sieht darin nur Vorteile. "Es ist einfach ein viel angenehmeres Arbeitsklima, weil es ausgewogener ist. Besonders die Eltern freuen sich, wenn auch mal ein männlicher Betreuer ihre Sprösslinge hütet", erklärt sie. Ein männlicher Ansprechpartner sei gerade für die Jungs in der Gruppe wichtig und könne von keiner Frau ersetzt werden.

Das Problem: Niedrige Gehälter

Neben Praktikant Christoph gibt es in der OGS noch einen männlichen Gruppenleiter. Patrick arbeitet seit vier Jahren als Erzieher. Für ihn überwiegen die Vorteile des Berufs, er kann sich aber gut erklären, warum es immer noch zu wenige Männer in sozialen Berufen gibt.

Patrick hat gemeinsam mit einigen anderen Männern die Ausbildung zum Erzieher gemacht, ist aber der einzige, der noch mit jüngeren Kindern arbeitet. Die meisten seiner Kollegen arbeiten im Heimbereich, weil die Bezahlung dort besser ist. "Bei vielen spielt der finanzielle Aspekt eine Rolle, weil man im Kinder- und Jugendbereich sehr wenig verdient."

Finanzielle Gründe führen oft dazu, dass Männer die Arbeit im technischen Bereich bevorzugen und nur selten soziale Berufe ergreifen. Der Boys‘ Day soll das ändern. Christoph hofft, dass durch den Jungen-Zukunftstag mehr Schüler auf soziale Arbeitsfelder aufmerksam werden und sich wie er entscheiden, Erzieher zu werden. Er will nach seiner Ausbildung auf jeden Fall weiter im sozialen Bereich arbeiten, allerdings nicht nur als Erzieher in Schulen und Kindergärten. Nach seiner Ausbildung plant der junge Bonner deshalb noch ein Studium in Sozialpädagogik.

Autorin: Nina Treude
Redaktion: Gaby Reucher