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Sport

Allein der Glaube an das Gute fehlt

Keine einzige Dopingprobe bei dieser Tour de France war positiv. Ein gutes Zeichen, aber irgendwie möchte man dem Frieden noch nicht trauen. Zu tief sitzen die Stacheln der Enttäuschung aus den letzten Jahren.

Gesamtsieger Alberto Contador bei seinem Erfolg auf der 15. Etappe der Tour de France. Foto: AP

Spanischer Arzt, kasachisches Team: Da muss man doch gewinnen... Alberto Contador

Irgendwie war das eine merkwürdige Tour de France. Ein ständiges Warten. Das Warten auf den ersten positiven Dopingfall, darauf, dass auch diesmal wieder die Ergebnislisten im Nachhinein durcheinander gewürfelt würden. Zu viel hat der Radsport in den letzten Jahren an Kredit verspielt, als dass man noch unvoreingenommen und euphorisch mitfiebern hätte können bei den Kletterpartien der Pyrenäen und Alpen. Selbst auf der vorletzten und vorentscheidenden Etappe hoch auf den legendären Mont Ventoux übte man sich in Zurückhaltung. Besser, sich nicht zu sehr hineinzusteigern, als dann doch wieder enttäuscht zu werden, weil sich der persönliche Favorit mittels Dopingprobe als Betrüger entlarven lässt.

Contador dominiert

Natürlich – die sportliche Konstellation tat ein Übriges, dass die große Spannung nicht aufkommen wollte. Der Topfavorit Alberto Contador aus Spanien musste nur zwei, dreimal richtig ernst machen und schon hatte er den Tour-Sieg in der Tasche. Unterstützt von einem überirdisch anmutenden Astana-Team hielt er die Konkurrenz scheinbar spielerisch auf Distanz. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, weil Contador mit dem spanischen Blutpanscher Fuentes in Verbindung gebracht wird. Weil sein Rennstall im vergangenen Jahr wegen Doping-Verwicklungen von der Tour den France ausgeschlossen war und weil seine Edelhelfer Andreas Klöden und Lance Armstrong auch nicht gerade als Saubermänner gelten.

Das Comeback des Perfektonisten

Das Astana-Team beim Mannschaftszeitfahren auf der vierten Etappe der Tour de France. Foto: AP

Diesmal Team-Player: Lance Armstrong, zweiter von rechts, beim Mannschaftszeitfahren

Apropós Lance Armstrong: Der Amerikaner musste in den entscheidenden Momenten anerkennen, dass es nach drei Jahren Pause und einem Schlüsselbeinbruch in der Vorbereitung nicht möglich war, sofort den achten Tour-Sieg zu feiern. Aber wer den Perfektionisten aus Texas kennt, der weiß, dass Armstrong damit auch nicht gerechnet hatte. Für das kommende Jahr hat er aber – dann wieder mit eigenem Team – seine Rückkehr nach Frankreich angekündigt. Wenn sie dann alle wieder für ihn fahren, wenn die Vorbereitung stimmt und die Rennpraxis da ist, dann ist alles möglich, auch ein erneuter Tour-Sieg des dann 38jährigen.

Hoffnungsschimmer Tony Martin

Andreas Klöden vom Team Astana auf der ersten Etappe der Tour de France, einem Einzelzeitfahren. Foto: AP

Der ewige Wasserträger: Andreas Klöden half Contador und wurde Sechster

Und die deutschen Fahrer? Andreas Klöden schlug sich wie immer bei der Tour hervorragend als Sechster. Nur muss er sich auch diesmal wieder fragen lassen, warum ihm der Mut fehlt, es mal als Teamkapitän mit dem Gesamtsieg zu versuchen, anstatt für immer andere Herren die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Linus Gerdemann, der sich selbst mindestens in den Top-15 sah, enttäuschte als 24. und – was besonders schlimm ist – es war diesmal nicht ein schlechter Tag, an dem er die Zeit verlor. Bei allen anspruchsvollen Etappen musste der Milram-Kapitän erkennen, dass er nicht gut genug war. Sein Teamkollege Gerald Cziolek hatte mit dem grünen Trikot des besten Sprinters oder zumindest mit einem Etappensieg geliebäugelt – bis zum Schlusstag lag er immerhin auf Platz drei in der Punktwertung. Unauffällig stark schlug sich Christian Knees als zweitbester Deutscher im Gesamtklassement, und teilweise überragend fuhr Tony Martin. Bei seiner ersten Tour einige Tage im weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers, Platz zwei auf dem Mont Ventoux – das macht Hoffnung für die Zukunft. Ach ja: es gab sogar einen Etappensieg: Heinrich Haußler hatte zwischen Vittel und Colmar die besten Beine, gewann das 13. Teilstück nach einer beherzten Alleinfahrt. Schade nur, dass Haußler ab dem kommenden Jahr für sein Geburtsland Australien an den Start gehen wird.

Ist das Schlimmste überstanden?

Was bleibt also von dieser Tour? Ein überlegener Contador, ein kämpfender Armstrong, zwei Schleck-Brüder aus Luxemburg, bei denen es noch nicht ganz für den großen Coup reichte. Und die Hoffnung, dass auch die Nachkontrollen der Dopingproben dieser Tour unauffällig bleiben mögen. Damit der Glaube an den Radsport zurückkehrt, und man im nächsten Jahr wieder mit mehr Leidenschaft dabei sein kann!

Kommentar: Tobias Oelmaier

Redaktion: Lutz Kulling

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