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Sprachbar

Alle Tassen im Schrank?

Es gibt sie in verschiedenen Größen, Farben, mit oder ohne Sinnspruch. Mancher hat nicht alle im Schrank oder einen Sprung in ihnen. Die trübe Form mag niemand so recht. Eine besondere Ausfertigung füllt den Magen.

Hoch die Tassen! In Afrika ist Muttertag. Sie haben richtig gehört: diese eigenartige Aufforderung gibt es tatsächlich. Glücklicherweise wird sie allerdings nicht mehr so oft mit dem ironischen Zusatz In Afrika ist Muttertag verwendet. Wahrscheinlich ging der Erfinder dieses Trinkspruchs davon aus, dass man immer einen Anlass zum Feiern haben sollte, selbst wenn es der Muttertag im weit entfernten Afrika ist.

Hoch die Tassen!

Vier Studenten halten Trinkbecher in den Händen

Und gleich "Hoch die Tassen"!

Der Trinkspruch stammt aus der Soldatensprache. Wie man sich unschwer vorstellen kann, wird aus solchen Tassen Alkoholisches getrunken und zwar nicht zu knapp.

Der Ausdruck Tasse für Bier- oder Schnapsglas ist wahrscheinlich in den 1920er-Jahren in Berlin entstanden. Studenten sollen ihn bei einem Saufgelage geprägt haben. Wie sie allerdings darauf gekommen sind, das weiß heute niemand mehr. Denn eigentlich hat die Tasse mit Alkohol oder Trinkgelagen überhaupt nichts zu tun.

Wortherkunft

Ein Serviertablett, ein Glas Wasser und eine große Tasse mit Kaffee, ein Häferl

Ein große Tasse Kaffee - das "Häferl"

Das Lexikon definiert Tasse als ein "Trinkgefäß mit Henkel, das vorrangig für Heißgetränke verwendet wird". Das Wort selbst kommt ursprünglich aus dem Persischen: täšt steht für eine Schale zum Trinken. Das deutsche Wort ist entlehnt aus dem Französischen beziehungsweise Italienischen: tasse, tazza.

Spricht man von Tasse meint man in der Regel nur das Oberteil, obwohl eine richtige Tasse aus Ober- und Untertasse – auch Unterteller genannt – besteht. Wer in Österreich in ein Kaffeehaus geht, sollte allerdings aufpassen, wenn er "eine Tasse Kaffee" bestellt. Tasse ist hier der Begriff für ein kleines Serviertablett, auf dem die Schale oder das Häferl Kaffee serviert wird.

Symbiotische Beziehung

Logo Heiße Tasse

Für den "kleinen Hunger": eine heiße Tasse!

Kaffee und Tasse – und Tee oder Kakao und Tasse – gehören fast untrennbar zusammen. Wer trifft sich nicht gerne mit Bekannten, Freunden oder einem Geschäftspartner "auf eine Tasse Kaffee", um Dinge zu besprechen. Früher galten Kaffee, Tee und heiße Schokolade als Getränke, die sich nur "feine Leute", also das gehobene Bürgertum, leisten konnten. Deshalb wurden die Getränke auch in entsprechenden Gefäßen serviert.

Die waren aus Porzellan oder aus kostbarem Glas. In der Regel standen die Tassen auf einem Unterteller – zumindest in Europa – und sie hatten einen Henkel, damit man sich an der heißen Tasse nicht die Finger verbrühte. Apropos heiße Tasse. Sollten Sie mal Hunger verspüren und auf die Schnelle etwas essen wollen, dann kaufen Sie sich eine Heiße Tasse. Das sind in der Regel Tütensuppen, die in einer Tasse mit heißem Wasser aufgebrüht und dann gegessen werden können.

Tassen im Schrank

Sammeltassen und passende Unterteller in einer Vitrine

Jede Sammeltasse hat auch einen Sammel-Unterteller

Zurück zu den Tassen der feinen Gesellschaft. In diesen Kreisen wollte man natürlich auch zeigen, was man sich leisten kann. Deshalb wurde aus besonders schönen Tassen getrunken. Manche wurden auch einfach nur gesammelt und wurden so zu Sammeltassen. Damit die guten Stücke auch zur Geltung kamen, wenn sie nicht benutzt wurden, stellte man sie in einen Schrank mit gläsernen Türen, den so genannten Vitrinen.

Wer viele Tassen im Schrank beziehungsweise der Vitrine hatte, galt als begütert, als reich. Aber nicht nur das: das Porzellangeschirr säuberlich hinter Glas aufzubewahren, war auch ein Ausdruck von Ordnung.

Fehlende Tassen

Eine in drei Teile zerbrochene Tasse

Das passiert bei einem Sprung in der Tasse!

Hatte jemand nicht alle Tassen im Schrank war das nicht ganz wörtlich zu nehmen. Allerdings: eine gewisse Form der Unordnung war und ist schon gemeint. Denn sagt zum Beispiel Ihr bester Freund zu Ihnen "Du hast wohl nicht alle Tassen im Schrank", dann meint er damit, dass Sie unsinniges Zeug reden oder tun, nicht ganz bei Verstand sind, oder gar einen Sprung in der Tasse haben.

Da heißt es, ruhig bleiben. Sollte es aber dennoch zu einem handfesten Krach kommen, können schon mal die Tassen fliegen. Das kann dann ganz wörtlich genommen werden, wobei in diesem Fall die Untertassen durchaus mit eingeschlossen sein können.

Fliegende Untertassen und trübe Tassen

Ein Mann mit einem Geburtstagshütchen und einer Pfeife im Mund bläst Trübsal

Frohsinn - ein Fremdwort für eine trübe Tasse!

Aber: Erzählt Ihnen jemand, dass er Fliegende Untertassen gesehen hat, können Sie gerne fragen, ob er oder sie noch alle Tassen im Schrank hat. Als Fliegende Untertasse oder Unbekanntes Flugobjekt wird eine grelle Lichterscheinung am Himmel bezeichnet, die von Außerirdischen stammen soll.

Auch der Ausdruck trübe Tasse ist nicht wörtlich zu nehmen. Als trübe Tassen werden Menschen bezeichnet, die langweilig sind. Wenn andere feiern gehen, sitzen sie lieber daheim. Lachen ist ein Fremdwort für sie. In allen diesen Redewendungen hat Tasse jedoch einen anderen Wortstamm. Es leitet sich her vom jiddischen Wort toshia, was so viel bedeutet wie Verstand.

Ein Hoch auf die Tasse

Auch wenn das Wort Tasse manchmal als Schimpfwort verwendet wird, verzweifeln Sie nicht. Genehmigen Sie sich ein Gläschen oder zwei oder drei. Also: Hoch die Tassen! – und ein Hoch auf die Tasse!


Fragen zum Text

Spricht man eine Einladung aus, kann man fragen: …

1. "Kommst Du auf eine Tasse Kaffee zu mir?"

2. "Magst Du eine trübe Tasse bei mir trinken?"

3. "Sollen wir die Tassen fliegen lassen?"

Keinen Henkel hat …

1. eine Sammeltasse.

2. eine Teetasse.

3. ein Kaffeebecher.

Jemand, der verrückt ist, …

1. hat einen an der Tasse.

2. hat nicht alle Tassen im Schrank.

3. hat keinen Sprung in der Tasse.

Arbeitsauftrag

Besorgen Sie sich eine große weiße Tasse. Verfassen Sie einen Sinnspruch, in dem mindestens dreimal das Wort Tasse vorkommen muss. Schreiben Sie den Spruch anschließend mit einem entsprechenden Stift auf die Tasse. Tauschen Sie die Tassen untereinander aus.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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