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Hintergrund

Alle sechs Monate Botox

Die Gesichtshaut verrät das Alter des Menschen. Schönheitschirurg Claudius Ulmann verhilft nicht nur seinen Patienten zu einem jüngeren Aussehen. Auch in seine eigene Stirn spritzt er regelmäßig Botox.

Dr. Claudius Ulmann zieht eine Spritze auf (Quelle: DW-Akademie)

Dr. Claudius Ulmann spritzt sich regelmäßig Botox in die Stirn

Die Schönheitsklinik in Bad Neuenahr. Ein alleinstehendes, mehrstöckiges Haus mit hellrosa Anstrich. Gegenüber fließt gemächlich das kleine Flüsschen Ahr, die noch kahlen Bäume am Ufer tragen ein unauffälliges grün. Kurpark und Casino sind nicht weit von hier.

Claudius Ulmann sitzt in seinem Sprechzimmer hinter einem großen, dunklen Holzschreibtisch. Weiße Hose, weißes Polohemd, braungebranntes Gesicht. Der Schönheitschirurg spricht von Falten und Runzeln. "Wenn das Alter fortschreitet, verändert sich die Haut. Sie wird dünner und verliert an Elastizität."

Claudius Ulmann ist 64 Jahre alt. An sich selbst hat er sie auch entdeckt, die Zeichen des Alters. Seine schlaffen Lider hat er sich vom Kollegen straffen lassen.

Botox: Waffe gegen die Krähenfüße

Alle sechs Monate spritzt er sich selbst mit Botulinum-Toxin, kurz: Botox. „Die Stirnfalten sind wieder da“, bemerkt er beiläufig, also ist wieder eine Dosis fällig. Claudius Ulmann geht um den großen Schreibtisch herum und öffnet die Tür zu einem kleinen Untersuchungszimmer. Die Wände sind weiß gekachelt, eine Liege mit weißer Kreppauflage steht in der Ecke.

Claudius Ulmann mischt das pulverförmige Nervengift mit Wasser und zieht es dann durch die Kanüle. Als er alles vorbereitet hat, hält er kurz inne. „Meine Waffe“, so nennt er die Nadel. "Ich muss mich immer überwinden, weil ich fürchterliche Angst vor Spritzen habe."

Dann wendet er sich dem Spiegel zu, runzelt die Stirn und sticht dort zu, wo eine Falte verschwinden soll. Ein kleiner, roter Punkt erscheint an der Stelle, wenn er die Nadel herauszieht. Als Zuschauer kann einem leicht flau im Magen werden. Das Nervengift lähmt die Muskeln, sodass sich die Stirn nicht mehr in Falten legen kann.

Dr. Claudius Ulmann spritzt sich Botox in die Stirn (Quelle: DW-Akademie)

Gefahren ausgeblendet

Nebenwirkungen? Es bestehe das Risiko, dass die Lider absacken, sagt Claudius Ulmann. Was er nicht sagt: In großen Mengen löst der Stoff Lebensmittelvergiftungen aus. Botox lähmt die Atmung und führt so zum Tod. Seit 1993 ist das Gift in Deutschland zugelassen, um krampfartige Bewegungsstörungen zu behandeln.

Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sind fünf Todesfälle bekannt, die mit dem Gift in Verbindung stehen könnten. Amerikanische Wissenschaftler warnen, Botox könnte auch als Biowaffe eingesetzt werden.

Wer glatt sein will, muss den Preis bezahlen

Eine Laserbehandlung kostet mindestens 2.900 Euro. Der Laser verbrennt die Haut. Die Narben darunter sind glatt, aber Krusten und Rötungen brauchen ihre Zeit, bis sie verheilt sind. Das ist schmerzhaft und entstellt das Gesicht in den ersten Wochen komplett.

All das ist beruflicher Alltag für Claudius Ulmann. Lider straffen, Krähenfüße glätten, Faceliftings. 50.902 Mal laserten die Mitglieder der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland ihre Patienten im Jahr 2008. Bei den Frauen sind die Lasereingriffe weniger geworden, bei Männern mehr als noch 2007.

Alle Möglichkeiten ausschöpfen

So wie Claudius Ulmann über Schönheitsoperationen spricht, hört sich das ganz logisch an. "Wenn es doch Möglichkeiten gibt, jünger auszusehen, warum sollte man die nicht nutzen?", fragt er. In der Schönheitsklinik in Bad Neuenahr ist es normal, wenn das Gesicht operiert, das Aussehen nicht echt ist.

Je glatter, desto besser. Koste es, was es wolle. "Natürlich habe ich großen Respekt davor, wenn jemand in Würde altert und sich nicht wegen jeder kleinen Falte aufregt", sagt Claudius Ulmann und klingt dabei ein wenig pflichtbewusst. Aber der Mensch kann eben nicht aus seiner Haut heraus.

Autorinnen: Brigitta Moll und Sarah Steffen

Redaktion: Sabine Oelze

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