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Kultur

Alle reden über China

Aber Chinas Gastlandauftritt war nicht das einzige Thema, das auf der Buchmesse wichtig war. Und vor allem nicht das Thema, das die Buch-Branche nachhaltig beschäftigen wird. Die hat nämlich noch ein paar andere Sorgen.

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"Everybody comes to Frankfurt, because everbody comes to Frankfurt” - Alle kommen nach Frankfurt, WEIL alle nach Frankfurt kommen” - so beschreibt man in der Buchbranche das Erfolgsrezept der Messe. Die Sogwirkung eben. Das Rechte- und Lizenzgeschäft findet zwar das ganze Jahr über statt - aber nur auf der Messe gibt es die Gelegenheit, sich persönlich gegenüber zu sitzen. Buchgeschäfte sind Vertrauensgeschäfte.

Gut gelaufen?

Nun sind in diesem Jahr aber nicht alle gekommen: etliche osteuropäische Verlage mussten wegbleiben, weil die staatliche Unterstützung für Gemeinschaftsstände gefehlt hat. Ein Teil der großen angloamerikanischen Verlage hat den Auftritt verkleinert, weniger Leute geschickt. Die Wirtschaftskrise lässt grüßen. Bedrohlich sei das aber nicht, sagt die Messeleitung, man halte das für ein vorübergehendes Phänomen und die Geschäfte seien im Großen und Ganzen gut gelaufen.

Dem Buchmarkt im Deutschland geht es im Vergleich ohnehin gut. Von 2,8 Prozent Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr war hier die Rede. Ändern tut sich allerdings manches: nicht zuletzt das Buch selbst. Selten war auf einer Messe soviel vom digitalen Wandel die Rede wie in diesem Jahr. Auch wenn das Geschäft mit dem ebook noch im Promille-Bereich liegt, bereitet man sich auf den großen Durchbruch vor. Und da ist man in Deutschland auf einem guten Weg: die meisten Verlage halten ihre Bücher ebenso in digitaler wie in Papierform vor, ein brancheneigenes Online-Portal ist bereits in Betrieb. Denn nichts wäre fataler als das Geld-Verdienen am Ende allein google und Co zu überlassen.

Kein Dialog

Buchmessen-Plaket China (Foto: Buchmesse)

Und der Gastlandauftritt Chinas? Das offizielle chinesische Organisationskomitee zog am Ende eine positive Bilanz: Die Autoren seien willkommengeheißen worden und mit den abgeschlossenen Verträgen sei man auch zufrieden. Gebetsmühlenartig wurde aber auch wiederholt, dass es in China keine Zensur gebe, Autoren nur nicht gegen Gesetze verstoßen dürften.

Ein Dialog zwischen den Büchermenschen der offiziellen Delegation und den exilchinesischen Autoren und Dissidenten hat nicht stattgefunden. Jedenfalls kein öffentlich sichtbarer. Hier hätte mehr passieren können, passieren müssen - wenn es denn wirklich gewollt gewesen wäre: Die Aufteilung auf zwei weit auseinander liegende Messehallen hat den Dialog ganz bestimmt nicht gefördert. Eine rege Auseinandersetzung hat es dafür in den deutschen Medien gegeben. Und das war ein positiver Effekt der Messe. Noch nie hat man so viel über China erfahren können: über seine Probleme, Widersprüche und Tabu-Themen.

Argentinien beerbt China

Der Auftritt Argentiniens, Gastland 2010, wird bestimmt weniger heikel. Der größte Buchproduzent Lateinamerikas will sich dann auch mit seiner wechselvollen Geschichte und kulturellen Vielfalt präsentieren. Als Standort der wichtigsten Buchmesse Lateinamerikas ein wichtiger Partner der Frankfurter Messe.

Und dann kommen hoffentlich wieder ALLE nach Frankfurt, WEIL alle nach Frankfurt kommen.

Autorin: Gabriela Schaaf
Redaktion: Christian Walz