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Alle Jahre wieder

„Andere Länder, andere Sitten“ oder „Alle Jahre wieder“: Jede Gesellschaft hat ihre Riten und ihre Rituale. Manche gleichen sich, manche sind grundverschieden. Manche bleiben, manche verändern sich.

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Alle Jahre wieder

In fast allen Ländern der Erde gibt es Rituale – feierlich-festliche Handlungen –, die nach mehr oder weniger festen Regeln ablaufen. „Andere Länder, andere Sitten“ heißt ja auch das Sprichwort. Auch der Jahreswechsel, der Übergang vom alten zum neuen Jahr, wird von vielen nach einem festen Ablauf gefeiert.

Der Ritus: eine feierliche Angelegenheit

Schwarz-Weiß-Foto: ein Pfarrer (links im Bild) tauft ein Kind, das die Mutter in Anwesenheit des Vaters übers Taufbecken hält.

Ein kirchlicher Ritus: die Taufe eines Kindes

In dem Wort Ritual ist „Ritus“ enthalten. „Ritus“ ist dem Lateinischen entlehnt und bezeichnet einen religiösen Brauch.

In allen Religionen gibt es für die unterschiedlichsten Anlässe ganz bestimmte Riten.

Allen Riten gemeinsam ist der feierliche Charakter. Als Beispiele seien Hochzeiten, Taufen, Begräbnisse, Gottesdienste oder Opferhandlungen genannt. Für diese Feierlichkeiten gibt es in allen Kulturen zwar unterschiedliche Abläufe, aber dennoch folgen sie immer demselben Muster.

Das Ritual: etwas immer Wiederkehrendes

Barack Obama und Angela Merkel reichen sich die Hände. © picture-alliance/dpa/K. Nietfeld

Andere Länder, andere Sitten: die Begrüßung in Deutschland

Ein Ritual ist in gewisser Weise weltlicher, folgt aber gleichfalls festen Regeln. So zum Beispiel im Bereich des Rechtswesens, wenn jemand vereidigt wird – ob bei Gericht oder in der Politik. Vertragsabschlüsse, Staatsbesuche aber auch standesamtliche Trauungen folgen ebenfalls einem Ritual.

Manchmal ist es gut zu wissen, in welchem Land welches Ritual üblich ist, zum Beispiel bei der Begrüßung. In Frankreich gibt man sich Wangenküsse, in Deutschland die Hände.

Das Verhaltensritual: andere Zeiten, andere Gewohnheiten

Aber auch bestimmte Verhaltensweisen können zu einem Ritual werden. So nahmen Herren und junge Männer früher den Hut ab, wenn sie jemandem begegneten, den sie grüßen wollten. Jugendliche von heute begrüßen sich mit einer ausgeklügelten Abfolge von Handschlägen.

Eins ist somit klar: Verhaltensrituale wandeln sich. Sie sind wie Chamäleone, die sich der Umgebung anpassen. Sie dienen aber – soziologisch betrachtet – dazu, eine Gruppenzugehörigkeit zu demonstrieren.

Praktische Rituale: Wiederkehrend, aber veränderlich

Aber nicht nur Verhaltensrituale sind dem Zeitgeist unterworfen. Auch praktische Rituale wie zum Beispiel die Zubereitung der so genannten Martins- oder Weihnachtsgans sind es. Die Gans ist ein symbol- und kulturgeschichtlich äußerst interessantes Federvieh und durfte bei Kelten, Römern und Germanen eine rituelle Schlachtung ganz für sich in Anspruch nehmen.

In vielen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ist die Gans in der Vorweihnachtszeit normalerweise ein Muss. Und die Zubereitung vollzieht sich auch nach einem ganz bestimmten Ritual.

Ein weihnachtliches Ritual: die Ganszubereitung

So wird der Vogel zunächst vorbereitet. Das heißt, er wird in einem Gänsebräter mit der richtigen Temperatur in der richtigen Zeit im Backofen zubereitet. Danach wird er unter den „Aahs“ und „Oohs“ der anwesenden Familienmitglieder oder Gäste mit großer Geste auf der festlich gedeckten Tafel abgesetzt.

Anschließend schreitet das Familienoberhaupt zur Tat und tranchiert das knusprige Tier mehr oder weniger gekonnt. Nach dem Essen wird noch der Verdauungsschnaps getrunken und das Gänseritual ist beendet.

Das Ritual: die Wiederholung macht's

Silvesterfeuerwerk über dem Brandenburger Tor in Berlin

Ein liebgewonnenes Ritual zum Jahresabschluss: das silvesterfeuerwerk

Damit etwas zur Regel werden kann, muss es wiederholbar sein. Das geradezu sprichwörtlich gewordene: „Alle Jahre wieder“ ist keineswegs nur auf weihnachtliche Rituale und Bräuche beschränkt wie zum Beispiel das Singen unter dem Tannenbaum und das Überreichen der Geschenke.

Nein, alle Jahre wieder werden zum Beispiel Ostereier versteckt und gesucht, wird ein Maibaum aufgestellt und wird vor allem in ländlichen Regionen das Kirchweihfest gefeiert.

Alle Jahre wieder: das Silvesterfeuerwerk

Und alle Jahre wieder wird zu Silvester Sekt oder Champagner kalt gestellt, „Dinner for One“ auf einem der Fernsehkanäle geschaut – mit einer Hand in der Knabberkiste – und das Silvesterfeuerwerk, die sogenannten Böller, in ihre Abschussposition gebracht. Und um Punkt Null Uhr: Plopp! Die Sekt- oder Champagnerkorken knallen, die Böller gehen mit ordentlichem Krach ab und alle umarmen und küssen sich und wünschen allen „Ein Frohes Neues Jahr“. Ja – bis zum nächsten Jahreswechsel.




Arbeitsauftrag
„Andere Länder, andere Sitten“ heißt das Sprichwort. Tragt in eurer Lerngruppe zusammen, welche Riten und Rituale es in eurem Land gibt, welche geblieben und welche sich verändert haben. Diskutiert anschließend darüber, was Riten und Ritualen für eine Gesellschaft bedeuten können.

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