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Kultur

Alle Jahre Wagner

Business as usual in Bayreuth: Ausgebuchte Hotels und Heerscharen von Prominenz. Am 25. Juli 2002 eröffneten die 91. Richard-Wagner-Festspiele. Zündende neue Ideen scheinen den Veranstaltern jedoch zu fehlen.

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Das Festspielhaus auf dem "Grünen Hügel"

Der Auftakt geriet wie jedes Jahr zum Schaulaufen der Prominenz. Zwei Stunden bevor der Ritter Tannhäuser auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses zu schmachten begann, formierten sich Spitzenpolitiker, Stars und Sternchen zum Defilee auf dem roten Teppich. Während sich zur ersten Premierenaufführung 1876 gar Kaiser Wilhelm I. nebst Gefolgschaft einfand, müssen Schaulustige heute mit Bundespräsident Johannes Rau, Entertainer Thomas Gottschalk und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis zufrieden sein.

Pathetisches Kulturereignis

Die Bayreuther Festspiele zählen zu den bedeutensten Opernfestspielen weltweit und gelten als das wichtigste deutsche Kulturereignis von internationalem Rang. Einen Monat lang werden vom 25. Juli bis zum 28. August 2002 Opern des Komponisten Richard Wagners (1813-1883) auf dem "Grünen Hügel" aufgeführt. 30 Vorstellungen geben Einblick in den "Mythos Wagner": Germanische Mythen, gewaltige Orchestrierungen und eine pathetische Umsetzung der zeitlosen Themen Liebe, Macht und Verrat.

Die Geschichte der Festspiele beginnt im August 1876 mit einem finanziellen Desaster. Der "Ring der Nibelungen" spielt ein Defizit von umgerechnet 1.14 Millionen Euro ein. An eine Wiederholung ist vorerst nicht zu denken. Im Laufe der Jahre entwickeln sich das Festival jedoch zum internationalen Publikumsmagneten. Wagnerfans aus aller Welt warten inzwischen geduldig auf eine begehrte Karte, die schriftlich in Bayreuth bestellt werden muss: Preise ab 150 Euro und mehrjährige Wartezeiten sind normal.

40 Millionen Euro Umsatz

"Wagner bedeutet für uns in etwa einen Mehrwert von bis zu 40 Millionen Euro im Jahr", sagt Oberbürgermeister Dieter Monz. Dass die Kunst natürlich im Vordergrund steht, fügt er schnell hinzu. Die gesamte oberfränkische Region lebt im 126. Jahr des Festspiels ganz gut mit dem Mythos und der Aura des Außergewöhnlichen. "Wir machen 25 Prozent unseres Jahresumsatzes allein im Juli und August", sagt der Hotelier Andreas Pflaum. 25 Design-Suiten seines Bayreuther Fünf-Sterne-Hotels sind nach Wagner-Figuren benannt. Während der Festspielwochen herrscht turbulenter Hochbetrieb.

Keine neuen Querelen

Ungewöhnlich ruhig verliefen hingegen die Vorbereitungen der Festspiele. Verstummt sind die Querelen um die Nachfolge des Intendanten Wolfgang Wagners die im vergangenen 125. Jubiläumsjahr für Aufregung sorgten. Irgendwann wird nun der von Wolfgang Wagner eingesetzte "Geschäftsführende Festspielleiter" Klaus Schultz die Geschäfte des Hauses weiterführen. Solange bleiben die Zügel in der Hand des 82-jährigen Wagner-Enkels Wolfgang, der seit 1966 alleiniger Chef ist. Mit der Aufführung seiner letzten eigenen Inszenierung am 28. August nimmt er zumindest schon einmal Abschied als Regisseur.

Schöner Schein

Die Regiearbeit des Franzosen Phillipe Arlaud, der das Eröffnungsstück inszeniert hat, traf am Donnerstag Abend auf wenig Wohlgefallen der Rezensenten: Als "Mogelpackung ohne zündende Grundidee" wurde die Umsetzung des "Tannhäusers" bezeichnet. In Anbetracht des farbenfrohen Spektakels gerieten die meisten befragten Prominenten jedoch in Verzückung. Der Schauspieler Mario Adorf erstaunte da mit einer grundehrlichen Antwort: "Keine Ahnung wie es war. Ich bin das erstemal da und habe sowas noch nie gesehen." (mb)