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Kultur

Alkohol für Anfänger

Alcopops schmecken wie Limonade, haben ihn aber in sich: den hochprozentigen Alkohol. Deshalb sind die Mix-Getränke bei Jugendlichen so beliebt. Nun soll eine Extrasteuer junge Konsumenten vom Trinken abhalten.

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Verführerische Flaschen: Alcopops

Sie heißen "Breezer", Rigo" oder "Smirnoff Ice". Jung, hip und cool werden sie in der Werbung präsentiert: Alcopops liegen voll im Trend. Die Alkoholindustrie wirbt massiv und gezielt um jugendliche Party-Trinker und verbucht damit beachtliche Umsatzraten. Die alkohol- und spirituosenhaltigen Mischgetränke stehen gerade bei Jugendlichen hoch im Kurs. Die Mischungen aus Schnaps und Limonade sind erst seit 2002 auf dem Markt und schon jetzt ein Renner. 240 Millionen Flaschen wurden allein 2002 verkauft. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2003 hat sich der Absatz der Alkoholmixgetränke mehr als verdreifacht. Obwohl die Getränke gesetzlich erst an 18-Jährige verkauft werden dürfen, gelangen Jugendliche oft ohne Probleme an die hochprozentigen Saft-Mischungen. Eltern halten Alcopops häufig für unbedenklich und tolerieren den Konsum.

Harmlose Verpackung

Das Geheimnis der Alcopops: Man schmeckt den Alkohol nicht, obwohl in jeder der trendigen Flaschen ein doppelter Schnaps steckt. Der Alkoholgehalt liegt im Durchschnitt bei fünf bis sechs Prozent. Einige der Drinks weisen sogar mehr als zehn Prozent auf. Konzipiert sind die Getränke vor allem für junge Frauen. Getrunken aber werden sie von denen, die den Geschmack von Limonade noch gewöhnt sind: von Kindern und Jugendlichen. 15 Prozent der 15-jährigen Mädchen gaben in einer Studie an, dass sie Alcopops jeder anderen Alkoholsorte vorziehen. Immer häufiger landen bereits 12- oder 13-Jährige mit Alkoholvergiftungen auf der Intensivstation.

Vom Alcopop zum Alkoholiker

Kritiker, wie Rolf Hüllinghorst von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, schlagen Alarm. "Es ist schon Aufsehen erregend, wenn in einer Kleinstadt 50 Kinder im Jahr entgiftet werden. Kinder, die so viel Alkohol getrunken haben, dass sie sich nicht mehr auf den Beinen halten können. Das hat es früher in dieser Anzahl nicht gegeben, und darum bedarf es dringend eines Einsatzes, damit sich hier etwas ändert", sagt Hüllinghorst. Auf der Laufbahn zum Alkoholiker spielen Faktoren wie familiäre Vorbelastungen und Stressempfindlichkeit eine Rolle. Was für einige in der Clique nur ein Ausprobieren ist, kann für andere der Anfang einer Alkoholikerkarriere sein. Gerade im Alter zwischen zehn und zwanzig Jahren zeigt sich, ob Jugendliche zu Alkoholikern werden. Und genau diese Altersgruppe fühlt sich von den neuen Alcopops besonders angesprochen.

Zusatzsteuer

Neben der deutlichen Kennzeichnung "ab 18 Jahre" plant die Bundesregierung eine Extrasteuer auf die populären "Alks". Das würde den doppelten Preis pro Flasche bedeuten. Die Erfahrung zeige, dass der Preis der einzige Erfolg versprechende Ansatz sei, um den Alkoholkonsum zu reduzieren, sagt auch Hüllinghorst: "Wenn man eine Sache ernsthaft betreiben will, sowohl beim Tabak als auch beim Alkohol, muss man an der Preisschraube drehen." Frankreich geht dabei mit gutem Beispiel voran: Hier konnte eine Zusatz-Steuer auf die Mix-Getränke den Absatz von Alcopops erheblich reduzieren.

Eine "Strafsteuer" nennt der Branchenverband BSI die entsprechenden Pläne für eine Zusatzsteuer und verweist auf die Verantwortung der Händler. Die müssten das Alter ihrer Kunden kontrollieren. Kein Wunder - ist es der Spirituosenindustrie doch trotz insgesamt abnehmendem Alkoholkonsum gelungen, mit den süßen und nichtalkoholisch schmeckenden Alcopops eine riesige neue Zielgruppe zu gewinnen.