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Wirtschaft

Alibaba würfelt den Markt durcheinander

Der geplante Börsengang des chinesischen Internet-Giganten Alibaba könnte die Preise nach unten drücken. Während die Kunden davon profitieren, stehen großen Portalen wie Amazon und Ebay schwere Zeiten bevor.

"Ich fürchte, sie werden Erfolg haben", sagt der Handelsforscher Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung in Köln der DW. Wenn der chinesische Onlinehandelsriese im Laufe des Jahres an die Börse geht, könne das den Markt durcheinanderbringen. "Die Furcht ergibt sich daraus, dass man so wenig über die mittel- und langfristigen Strategien von Alibaba weiß", sagt Hudetz. So etwas mache einen Marktforscher unruhig.

Hat gut lachen: Alibaba-Gründer Jack Ma bringt seinen Konzern an die Börse (Foto: dpa).

Hat gut lachen: Alibaba-Gründer Jack Ma bringt seinen Konzern an die Börse

Das Unternehmen, das der ehemalige Englischlehrer

Jack Ma

1999 gründete, hatte sich bereits zum geplanten Börsengang lange bedeckt gehalten. Das, was man allerdings von dem chinesischen Unternehmen weiß, lässt aufhorchen: Analysten schätzen den Wert des Konzerns auf 120 bis 180 Milliarden US-Dollar. Im vergangenen Jahr setzte Alibaba Waren im Wert von mehr als 170 Milliarden Dollar um - mehr als die westlichen Onlinehandelsgrößen Amazon und Ebay zusammen. Und das, sagt der E-Commerce-Experte Alexander Graf der DW, hebe Alibaba von der Konkurrenz ab: "Das Unternehmen ist so etwas wie Ebay, Amazon und der Bezahldienst Paypal in einem."

Mehrere Dienste unter einem Dach

Die Alibaba Gruppe umfasst Dienste wie

Taobao

, ein Online-Auktionshaus, das sein Pendant Ebay vom chinesischen Markt verdrängte. Auf der Webseite Aliexpress.com finden Kunden, ähnlich der Handelsplattform Amazon, Waren von Händlern. "Dort gibt es einen Treuhandservice, der garantiert, dass die Kunden ihr Geld nicht verlieren", sagt Alexander Graf. Dieser Dienst, Alipay, ist das Pendant zum westlichen Paypal.

Auf ihren Plattformen bietet die Alibaba-Gruppe ausschließlich Waren von Drittanbietern an. Kosten entstehen, im Gegensatz etwa zu Ebay, weder für den Verkäufer, noch den Käufer. Alibaba finanziert sich ausschließlich durch Werbeeinnahmen. Ein Konzept, das Ebay langfristig in Bedrängnis bringen könnte.

Startschuss für die westlichen Märkte

Nach monatelangen Spekulationen, ob Alibaba nun an die Börse geht oder nicht, bestätigte eine Sprecherin schließlich, dass das Unternehmen eine Erstmission in den Vereinigten Staaten anstrebt: "Der Börsengang wird aus uns eine globalere Firma machen", sagte sie. Alexander Graf erklärt: "Alibaba ist noch ein sehr junges Unternehmen, das bislang in China so schnell gewachsen ist, dass es noch gar keine Zeit hatte, sich zu internationalisieren."

taobao.com (Screenshot)

Noch versteht kaum ein Europäer die Webseite taobao.com. Das dürfte sich in den kommenden Monaten ändern.

Handelsforscher Kai Hudetz glaubt, dass es der Alibaba-Gruppe mit dem Börsengang vor allem um Aufmerksamkeit geht, um die Marke im Westen bekannter zu machen. "Ein erstes Anzeichen für eine geplante Expansion in den europäischen Raum ist, dass man immer wieder von einem Flughafen in Ungarn hört, den Chinesen kaufen wollen." Und Alexander Graf ergänzt: "Wenn die chinesische Regierung einen ungarischen Flughafen subventioniert, bekommt man Artikel, die man bei Alibaba bestellt, teilweise versandkostenfrei."

Direkter Kundenkontakt durch Bekanntheit

Das könnte, im Einklang mit der steigenden Bekanntheit im Westen, dabei helfen, einen direkteren Kundenkontakt zu chinesischen Märkten herzustellen. "Chinesische Hersteller könnten einen Schritt überspringen. Sie bräuchten keinen Zwischenhändler mehr", erläutert Alexander Graf. Die gesparten Margen von rund 15 Prozent könnte Alibaba dann an die Kunden weitergeben. "Wenn Alibaba ein Endkundenportal an den Markt bringt, das gut funktioniert, gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Preise dadurch noch einmal ins Rutschen geraten."

Alibaba macht Amerikanern Konkurrenz

Logo des Internet-Versandhändlers Amazon (Foto: Getty)

Amazon muss in den kommenden Jahren mit harter Konkurrenz rechnen

Schon jetzt ist Alibaba profitabler als die amerikanische Konkurrenz. Amazon machte etwa im dritten Quartal 2013 einen Verlust von rund 40 Millionen Dollar. Im gleichen Zeitraum stieg der Nettogewinn bei Alibaba um knapp 45 Prozent auf 784 Millionen Dollar. Das Handelsvolumen schätzen Experten sogar höher als das der Social-Media-Platttform Facebook ein, das bei 15 Milliarden Dollar lag. "Das zeigt, wie groß das Potenzial angesehen wird", glaubt Kai Hudetz.

"Dass Alibaba in New York an die Börse geht, spricht dafür, dass der Konzern versucht, zuerst in den USA Fuß zu fassen", glaubt E-Commerce-Experte Alexander Graf. In den Vereinigten Staaten hätten Amazon und Ebay allerdings einen Heimvorteil.

Das sieht in Europa anders aus. Bislang hat Amazon in Deutschland "quasi das Monopol auf den Internethandel", wie Graf sagt. "Sie bedienen ein Drittel des deutschen Markts und das wird jetzt neu gewürfelt." Interessant sei nun vor allem die Frage, inwieweit es den Chinesen gelingen wird, auf den Kernmärkten der westlichen Konkurrenten auf Augenhöhe mitzuspielen, findet Hudetz. "Und das", sagt er, "halte ich in den kommenden fünf Jahren auf jeden Fall für möglich."

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