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Sport

Ali: Ein Schmetterling mit Bienenstich

Am 25.02.1964 ging der Stern des wohl besten Schwergewichtboxers aller Zeiten auf: Muhammad Ali wurde überraschend zum ersten Mal Weltmeister.

Muhammad Ali sieht zu, wie George Foreman im WM-Kampf 1974 nach einem harten Treffer zu Boden geht. Quelle: ap

Ali tänzelte von Sieg zu Sieg, hier 1974 gegen George Foreman

Die Stimmen der Reporter überschlagen sich. Der Afroamerikaner springt wild durch den Boxring und ruft immer wieder diesen einen Satz, der zu seinem Markenzeichen werden sollte: "I am the greatest." Es ist der 25. Februar 1964: Cassius Clay, besser bekannt als Muhammad Ali, ist erstmals Box-Weltmeister im Schwergewicht – eine Ära beginnt.

"Ich habe Bäume gefällt, mit einem Alligator gekämpft, Wale geangelt, dem Blitz Handschallen angelegt, den Donner ins Gefängnis geworfen. Letzte Nacht habe ich im Schlafzimmer das Licht ausgeknipst und war im Bett, bevor es dunkel war." Seine Haken und seine Sprüche machen Cassius Marcellus Clay, der 1942 in ärmlichen Verhältnissen geboren wurde, schnell bekannt. Der Durchbruch gelingt ihm mit 22 Jahren: Er darf um den WM-Titel boxen. Der Scheideweg seiner Karriere. Der Gegner Sonny Liston – ein berüchtigter Schläger – ist der Favorit. Er liegt bei den Buchmachern mit 7:1 vorn.

"Ich habe ein großes Monster besiegt"

Cassius Clay schlägt im WM-Kampf 1964 eine Rechte an den Kopf Sonny Listons. Quelle: ap

Erster WM-Titel: Cassius Clay besiegt Sonny Liston

Dann die Überraschung: Liston tritt zur 6. Runde verletzungsbedingt nicht mehr an, Clay ist erstmals Weltmeister. Fortan ist er in aller Munde – wegen seiner Art zu boxen, aber vor allem wegen seines Großmauls. Clay macht mit kessen Sprüchen auf sich aufmerksam – auch nach seinem Sieg über Liston: "Ich habe ein großes, böses Monster geschlagen, das jeden k.o.-geschlagen hat, bis der kleine Mann, Cassius Clay aus Louisville in Kentucky, kam und Liston aufhielt. Er wollte mich töten."

Bereits vor dem Kampf hatte Clay seinen Kontrahenten Liston als hässlichen, alten Bären bezeichnet und sich mit einem Schild, auf dem Bärenjäger geschrieben stand, fotografieren lassen. Alles wohlüberlegte Strategie, wie Norman Mailer, ein Schriftsteller, der sich mit dem Phänomen Ali beschäftigt hat, erklärt: "Er verstand, das ein Sieg im Boxen viel mit Selbstvertrauen zu tun hat. Er legte es darauf an, seinen Gegner vor dem Kampf zu beleidigen, um ihn moralisch zu schwächen. Der Gegner sollte wütend und zerstreut sein, damit Ali ihn leichter treffen kann."

Schnell war nicht nur Clays Zunge: Er war flink und provozierte auch durch Körpersprache. Er ließ im Kampf beispielsweise seine Hände neben den Hüften hängen, statt sie als Deckung vor das Gesicht zu nehmen. Clay´s Stil war einzigartig: Er tanzte regelrecht um seinen Gegner herum. Der 1,91-Meter-Mann sagte selbst über sich: "Ich flattere wie ein Schmetterling und steche wie eine Biene."

"Ali war für Amerika eine Provokation"

"Er war für das weiße Amerika, gerade in den frühen Sechziger Jahren, eine eminente Provokation. Er ordnete sich keinen Normen unter. Allein zu sagen: `Ich bin der Schönste`, in einer Zeit, in der es in weiten Teilen der schwarzen Gesellschaft ein Gefühl von Unterlegenheit gab war ein Politikum," sagt Schriftsteller Jan Philipp Reemtsma über Ali.

Der alte Muhammad Ali posiert für die Fotografen noch einmal in Boxhaltung. Quelle: ap

Heute leidet Ali an Parkinson und zeigt sich selten der Öffentlichkeit

Als er im Ring kaum zu stoppen scheint – achtmal hat er den WM-Titel bereits verteidigt – bremst ihn seine Unbeugsamkeit. Clay konvertiert zum Islam und nennt sich von nun an Muhammad Ali. Als er 1967 seinen Wehrdienst in Vietnam antreten soll verweigert er. Er wird zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, bleibt aber dank einer Kaution auf freiem Fuß. Allerdings verliert Ali seinen WM-Titel und seine Boxlizenz.

Aber auch in den drei Jahren, in denen er nicht boxen darf, ist er präsent. "Ich kämpfe nicht für Prestige, nicht für mich. Ich kämpfe, um meine Brüder zu inspirieren, die in Amerika auf dem Boden schlafen. Schwarze, die von Sozialhilfe leben, Schwarze, die nichts zu essen haben, Schwarze die nichts über sich selbst wissen, Schwarze, die keine Zukunft haben."

1971 steigt Ali wieder in den Ring und muss gegen Joe Frazier die erste Niederlage seiner Karriere hinnehmen. Viele schreiben ihn ab, aber Ali kommt zurück, erobert sich noch zweimal den WM-Titel und macht sich damit unsterblich – das hatte noch kein Boxer geschafft. Muhammad Ali war eben der Größte.

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