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Afrika

Algerien: Die Rückkehr des Terrors

Die erneuten Bombenanschläge in Algerien zeigen: Die von Staatspräsident Bouteflika verkündete "nationale Aussöhnung" ist gescheitert. Wenn die Behörden aber mit Repression reagieren, stärken sie nur die Terroristen.

Abgesperrtes Gelände (Quelle: AP)

43 Menschen wurden bei einem Selbstmordanschlag in Les Issers getötet

Offizielle algerische Stellen und auch die eher offiziösen algerischen Medien versuchen seit Jahren, den Terrorkrieg der Neunziger Jahre als beendet zu bezeichnen und wenn immer es dann doch zu neuen Anschlägen oder bewaffneten Zwischenfällen kommt, dann werden diese als "letztes Aufflackern" der Gewalt dargestellt oder als neuerlicher "Erfolg" der Sicherheitsdienste im Kampf gegen die "letzten versprengten Anhänger" der Terrorgruppen, die das Land jahrelang in einen blutigen Bürgerkrieg verwickelt hatten.

Anschläge häufen sich

Algerien (Quelle: DW/Olof Pock)

Solche Erklärungen dürften bei den Algeriern aber nicht auf große Zustimmung stoßen, denn in letzter Zeit wächst die Zahl der Zwischenfälle wieder, ebenso die Zahl der dabei geforderten Opfer. Die letzten Anschläge, unweit der Hauptstadt Algier, forderten Dutzende von Todesopfern unter Polizeirekruten, Soldaten und Zivilisten und eine weitere Verharmlosung der neu entflammten Gewalt wird kaum noch haltbar sein.

Gleichzeitig liegen bisher aber keine eindeutigen Hinweise dafür vor, wer hinter den neuen Anschlägen steckt. Es wäre gewiss falsch, aus der Folgenschwere (aus der Sicht der Täter: dem "Erfolg") dieser Anschläge ein Täterprofil entwickeln zu wollen. Denn kein solcher Terrorist hat je bewusst Anschläge mit möglichst geringer Opferzahl geplant, jeder will so viele Menschen treffen wie nur irgend möglich. Ob dies gelingt oder nicht, hängt meist von äußeren Umständen ab: Dem genauen Zeitpunkt des Anschlages, den Sicherheitsvorkehrungen vor Ort und der Anzahl der Menschen vor Ort.

Aussöhnung funktionierte nur teilweise

Zerstörtes Gelände (Quelle: AP)

10. August: Anschlag in Zemmouri

Zumindest die Sicherheitsvorkehrungen vor Ort hatten in den letzten Jahren etwas nachgelassen – sind aber nach den neuen Anschlägen wieder verschärft worden. Man hatte sich wohl zunächst der Illusion hingegeben, dass die von Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika verkündete "nationale Aussöhnung" Früchte trägt und dass deswegen keine alten Rechnungen mehr beglichen und Gewalttäter deswegen wirklich zu einer verschwindend kleinen Minderheit reduziert würden.

In Städten wie Algier schien dies ja auch zu funktionieren: Dort leben heute in manchen Vierteln Nachbarn friedlich nebeneinander, die voneinander wissen, dass der andere Angehörige umgebracht hat. Erschöpfung und Überdruss der Gewalt haben dazu geführt, dass nicht doch Rache genommen wird. Die Vergangenheit ist aber nicht aufgearbeitet.

Repression stärkt die Terroristen

Das ist sie erst recht nicht für die bewaffneten Salafisten, die weiterhin im Untergrund ihr Handwerk treiben. Sie werden auf kaum 1000 Mann geschätzt, wenn aber ein Mann reicht, um ein Bombenauto an die "richtige" Stelle zu fahren, dann ist dies ein durchaus gefährliches Reservoir. Es hat an Gefährlichkeit gewonnen, seit Anfang 2007 die "Qaida-Organisation im Land des Islamischen Maghreb" in Erscheinung trat. Hinter diesem Namen dürfte sich weniger die nordafrikanische "Filiale" des – heute nicht mehr zentral operierenden – Bin Laden-Netzwerkes verstecken als eher ein regionaler Zusammenschluss von Unbelehrbaren aus Marokko, Algerien und Tunesien. Der Hinweis auf "Al Qaida" hat sicher in erster Linie symbolische Bedeutung und soll zur Mystifizierung der Täter beitragen.

Und besonders die algerischen Behörden stehen nun vor einem Dilemma: Sie möchten die neue Gewalt gerne verharmlosen, können das aber angesichts der Opferzahlen kaum tun. Die Regierung und – mehr noch – die im Hintergrund agierende, aber allmächtige Armee (im algerischen Volksmund nur als "le pouvoir" umschrieben) werden reagieren müssen. Tun sie das aber – wie zu erwarten – mit Repression, dann spielen sie damit den Tätern in die Hand. Und gefährden langfristig vielleicht sogar die "nationale Versöhnung".

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