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Afrika

Algerien am Abgrund

Seit zehn Jahren befindet sich Algerien im Ausnahmezustand. Der Bürgerkrieg brachte bisher 100.000 Menschen den Tod. Ein Ende der blutigen Auseinandersetzungen ist nicht in Sicht.

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Demonstrationen in Algier am 10. Jahrestag der Eskalation

Gewalt gehört in Algerien seit Jahren zum Alltag. Allein in den vergangenen Tagen starben 50 Menschen. Insgesamt kamen seit Beginn des Bürgerkriegs 1992 mehr als 100.000 Menschen bei unzähligen Massakern, Überfällen und Kämpfen zwischen Milizen und Armee ums Leben. Die meisten Toten waren Zivilisten. Vor genau zehn Jahren sagte Algier den militanten Islamisten den Kampf an und verhängte den Ausnahmezustand. Was als befristete Maßnahme geplant war, dauert jedoch bis heute an. Denn die Politik der nationalen Versöhnung, die Präsident Abdelaziz Bouteflika 1999 verkündete, blieb ohne sichtbaren Erfolg.

Regierung wollte Wahlergebnis nicht akzeptieren

Nach einem Massaker in Algerien

Algerische Polizisten bedecken Opfer eines Massakers mit der Nationalflagge

Die Gewalt brach offen aus, als die Regierung 1992 die demokratischen Parlamentswahlen, bei der die Islamische Heilsfront FIS einen triumphalen Erfolg feierte, nach dem ersten Durchgang abbrach. Danach eskalierten die Kämpfe zwischen Anhängern der FIS, die für die Errichtung einer islamischen Republik eintrat, und staatlichen Ordnungskräften. Im Osten des Landes verkündete eine islamistische Untergrundorganisation den "Heiligen Krieg". Mit der Verkündigung des Ausnahmezustandes wollte die Regierung nach eigenem Bekunden einen Bürgerkrieg verhindern. Die Armee erhielt Polizeibefugnisse.

Der Ausnahmezustand wurde immer wieder verlängert

Die FIS rief zum Widerstand auf: Die Bevölkerung solle nicht vor einer Staatsmacht kapitulieren, die "auf purer Gewalt" basiere. Gleich in der ersten Nacht starben sechs Polizisten bei einem Attentat in der Altstadt von Algier. Die Gewalt setzte sich fort. Die FIS wurde verboten, tausende mutmaßliche Islamistenanhänger wurden verhaftet und in Lagern interniert. Und Jahr für Jahr wurde der Ausnahmezustand, der eigentlich nur zwölf Monate dauern sollte, verlängert.

Abdelaziz Bouteflika

Präsident Abelaziz Bouteflika

Angesichts internationaler Kritik zeigte sich Algier schließlich verhandlungsbereit. 1997 wurde mit der bewaffneten Islamischen Heilsarmee (AIS) ein Waffenstillstand vereinbart. 1999 gewährte der neu gewählte Präsident Bouteflika deren ehemaligen Kämpfern Amnestie. Doch die Untergrundorganisationen Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) und ihre Splittergruppe GSPC lehnen Bouteflikas Politik bis heute ab. Ein Ende der Gewalt oder eine Aufhebung des Ausnahmezustands sind deshalb nicht abzusehen. AFP/(pg)

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