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Staunen und Wundern

Algenteppich in der Antarktis

Blühende Algen in noch nie zuvor entdecktem Ausmaß schwimmen in diesen Tagen durch das Südmeer. Für die Meeresbewohner bedeutet das eine willkommene Mahlzeit.

Einen Algenteppich, 100 mal 200 Kilometer groß, haben Wissenschaftler der Universität Tasmanien (Australien) jetzt in der Antarktis entdeckt. Auf die Spur gekommen sind sie der ungewöhnlichen Blütenpracht durch Satellitenaufnahmen der amerikanischen Weltraumbehörde NASA. Die lassen riesige bräunlich-grüne Flecken im Meerwasser erkennen. Ein solches Phänomen ist in diesen Breiten äußerst ungewöhnlich.

Deutscher Meereisforscher beteiligt

Der deutsche Meeres-Glaziologe Jan Lieser, der in Hobart/Tasmanien forscht, erklärt die Algenblüte mit dem Zusammenspiel dreier Faktoren: eisfreies Meer, Sonnenlicht und das Vorhandensein von Nährstoffen, in diesem Fall Eisen. An dem mangelt es für gewöhnlich in diesen Gewässern, aber starke Winde, die momentan in der Region wehen, könnten Staub und Schnee vom antarktischen Kontinent aufs Wasser geweht haben, Eisen könnte sich gelöst haben.

"Als zweite Quelle", so Lieser "kommt das sogenannte Festeis in Frage, das in geschützten Buchten entsteht und dort über längere Zeit, manchmal sogar mehrere Winter, bleibt und dabei Staub und Dreck aus der Atmosphäre sammelt. Wenn es dann abbricht und auf seiner Drift durchs Meer schmilzt, werden die Sedimente wieder freisetzt.“ Dadurch könnte auch Eisen ins Meer gelangt sein.

Das große Fressen

Ein Wal: (Copyright: 2010 Universum Film GmbH / Richard Herrmann)

Eine leckere Malzeit für Wale

Spricht man in der Adria oder Ostsee schnell von einer "Algenplage“, so verhält es sich in der Antarktis anders: "Ich erwarte ein Festmahl. Die Algen leben nur sehr kurz, allein schon wegen der natürlichen Gegebenheiten. Und sie werden gerne gegessen von allen möglichen Kleinstlebewesen wie dem antarktischen Krill, einer Art Nordseegarnele des Südozeans. Der Krill ist wiederum eine Futterquelle für Seevögel, Pinguine, Robben und sogar Wale.“

Um welche Algenart es sich genau handelt, können die Forscher momentan noch nicht genau sagen. "Wir vermuten aber, dass es sich um Phaeocystis handelt“. Auf die Bestätigung müssen Lieser und seine Kollegen noch ein paar Tage warten. Glücklicherweise befindet sich derzeit ein australisches Forschungsschiff ganz in der Nähe des Algenteppichs und hat auch schon Proben genommen. Nun muss dieses Schiff das gesammelte Material erst nach Tasmanien bringen, und dann geht´s ins Labor zur Analyse. Bis dahin wird sich die Algenblüte in der Antarktis wohl schon in Fischfutter verwandelt haben.

Autor: Tobias Oelmaier
Redaktion: Fabian Schmidt