Alexandrowka: Ein Stück Russland in Preußen | Kultur | DW | 11.06.2018
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Kolonie

Alexandrowka: Ein Stück Russland in Preußen

Jeder, der die Kolonie zum ersten Mal sieht, reibt sich verwundert die Augen: Sie sieht aus, als habe man im Norden Potsdams eine Kulisse für einen russischen Märchenfilm gebaut. Ihre Geschichte ist überaus spannend.

Alles fing, so die Legende, mit einem Lied an - gesungen von ein paar russischen Soldaten, die in den Wirren der Napoleonischen Kriege in preußische Gefangenschaft gerieten. Vielleicht war es ein trauriges Lied, das die große Sehnsucht der Grenadiere nach der Heimat zum Ausdruck brachte. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. muss davon so begeistert gewesen sein, dass er den russischen Zaren Alexander I., mit dem Friedrich eng befreundet war, nach Ende des Krieges darum bat, einige Soldatensänger in Potsdam zu lassen. Der russische Zar willigte nicht nur ein, sondern schickte noch ein paar weitere Gardisten an den preußischen Hof.

Aquarell Der Einzug der Verbündeten in Paris (picture-alliance/akg-images)

Verbündete und Freunde: Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Alexander I. von Russland beim Einzug in Paris 1814.

Zehn Jahre später, 1826, tief erschüttert vom plötzlichen Tod Alexanders I., der 1825 mit 48 Jahren auf einer Reise starb, ordnete Friedrich Wilhelm III. die Gründung einer russischen Kolonie an - als "bleibendes Denkmal der Erinnerung an die Bande der Freundschaft" zwischen ihm und dem russischen Zaren. Zu dessen Ehren erhielt die Kolonie den Namen "Alexandrowka". Auch ein Obstgarten wurde angelegt.

Der König hoffte, dass die russisch anmutenden Häuser und die orthodoxe Kirche den Kolonisten ein Stück weit die Heimat ersetzen könnten und dass Alexandrowka auf Dauer eine russische Insel in Preußen bleiben würde - mit Sprache, Kultur und Gesang. Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht: Bereits die nächste Generation sprach kaum noch Russisch. Dennoch wurde Alexandrowka zum Symbol für die Nähe zwischen beiden Nationen.

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