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Aktuell Nahost

Aleppo weiter unter Feuer

In Aleppo toben die Kämpfe zwischen Rebellen und Armee weiter. Die Weltgemeinschaft sucht nach einem Friedensstifter: Der algerische Diplomat Brahimi gilt als Favorit. US-Außenministerin Clinton kommt nach Istanbul.

In Aleppo leisten die Rebellen im strategisch wichtigen Viertel Salaheddin nach eigenen Angaben Widerstand gegen die syrische Armee. In den Straßen werde weiter gekämpft, sagte Hussam Abu Mohammed, Kommandeur der oppositionellen Freien Syrischen Armee, der Nachrichtenagentur AFP. Dabei seien zahlreiche Menschen getötet worden.

Allein durch Artillerie-Feuer auf eine Bäckerei im Stadtteil Tarik al-Bab im Osten der Stadt wurden mindestens zwölf Menschen getötet, wie Reporter berichteten. Mindestens drei Kinder waren unter den Toten, etwa zwanzig weitere Menschen wurden verletzt. Die Bäckerei wurde von Artillerie-Geschossen getroffen, als sich gerade eine lange Warteschlange vor dem Geschäft gebildet hatte.

Rebellen im Visier von Scharfschützen der Armee

Die Aufständischen hatten am Donnerstag im Kampf um Aleppo einen Rückschlag erlitten und mussten sich zunächst vollständig aus dem Stadtteil Salaheddin zurückziehen. Sie selbst sprachen von einem "taktischen Rückzug". Sie kündigten jetzt aber eine Gegenoffensive an: Man bereite einen neuen Angriff vor, sagte ein Rebellen-Kommandeur. Ein Hauptproblem stellten jedoch die Scharfschützen der Armee von Präsident Baschar al-Assad dar.

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Syrien: Erbitterter Kampf um Salaheddin

Unterdessen schlug die syrische Armee nach eigenen Angaben einen Angriff der Rebellen auf den internationalen Flughafen von Aleppo zurück. Die "meisten" der Angreifer seien getötet worden, meldete die Nachrichtenagentur Sana. Ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee bestätigte den Angriff, ohne Einzelheiten zu nennen.

Bei den Gefechten in Aleppo gerät auch das einzigartige kulturelle Erbe der historischen Handelsmetropole zunehmend in Gefahr: Eine Granate der Regimetruppen habe das Eingangstor der mittelalterlichen Zitadelle beschädigt und eine Marmortafel zerstört, teilte der oppositionelle Syrische Nationalrat mit.

Aleppo ist eine der ältesten, durchgehend bewohnten Städte der Welt. Die Altstadt mit ihren Souks (Märkten), Moscheen, christlichen Kirchen und Hamams (Bädern) gilt als Juwel mittelalterlicher arabischer Architektur. 1986 wurde sie zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt.

Gesucht: Neuer Syrien-Sondergesandter

Während das syrische Militär die Stadt weiter aus der Luft bombardiert, suchen die Vereinten Nationen nach einem Nachfolger für den scheidenden Syrien-Sondergesandten Kofi Annan. Als Favorit gilt nach Informationen aus Diplomatenkreisen der frühere algerische Außenminister Lakhdar Brahimi.

Der 78-Jährige hatte seit 1994 mehrere ranghohe Posten bei den Vereinten Nationen inne, unter anderem als Gesandter für Afghanistan, Haiti und den Irak. Als Repräsentant der Arabischen Liga handelte er das Ende des Bürgerkrieges im Libanon mit aus.

Clinton in der Türkei erwartet

US-Außenministerin Hillary Clinton sucht an diesem Samstag in Istanbul nach neuen Wegen im Kampf gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Clinton werde darüber mit syrischen Oppositionellen sowie mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan und Präsident Abdullah Gül sprechen, teilte das US-Außenministerium mit. Die USA versorgen die Rebellen unter anderem mit Satellitenbildern und Kommunikationstechnik.

An der jordanisch-syrischen Grenze kam es am späten Freitag zu Gefechten. Nach Angaben aus jordanischen Sicherheitskreisen eröffneten syrische Soldaten auf eine Gruppe von etwa 500 Flüchtlingen das Feuer. Die jordanischen Grenzwachen schossen zurück, da die Flüchtlinge schon auf jordanischem Boden waren. Es habe einen etwa 30 Minuten dauernden heftigen Schusswechsel gegeben. Auf jordanischer Seite sei niemand verletzt worden.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in Syrien inzwischen etwa 1,5 Millionen Menschen vor dem Bürgerkrieg auf der Flucht. Seit Beginn des Aufstandes vor 17 Monaten haben danach 150.000 offiziell registrierte Flüchtlinge Schutz in der Türkei, Jordanien, im Libanon oder im Irak gesucht. In der Türkei lebten mittlerweile mehr als 50.000 Flüchtlinge.

re/qu/kle (rtr, dpa, dapd, afp)

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