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Kultur

Aleppo hat jetzt ein Goethe-Institut

Vom Tabaklager zum Goethe-Institut. In Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens, hat das deutsche Kulturinstitut jetzt in einem historischen Gebäude eine Zweigstelle eröffnet. Noch ist alles ein Experiment.

Straßenszene Aleppo (Foto: dpa)

Mehr als vier Millionen Menschen leben in Aleppo, einer Stadt im Norden von Syrien. Sie ist die Nummer zwei nach Damaskus, wirtschaftlich zumindest. Kulturell ist hier längst nicht so viel los. Das Goethe-Institut will das ändern und hat in Aleppo eine Zweigstelle eröffnet, in einem Gebäude mit bunter Vergangenheit. Bevor das Goethe-Institut einzog, waren hier bereits ein Kloster, eine Schule und ein Tabaklager untergebracht. Es liegt mitten in der Altstadt, unweit der imposanten Zitadelle, umgeben von verwinkelten, überdachten Märkten, den Suqs, wo Stoffe, Gewürze und Seife verkauft werden.

Kulturelle Lethargie

Björn Luley, Direktor des Goethe-Instituts in Damaskus, bezeichnet die Präsenz in Aleppo als Experiment. Anders als die Damaszener Zentrale, liegt die Zweigstelle in Aleppo etwas abgelegen und ist schwer mit Auto zu erreichen. Luley hofft, vor allem junge Leute zu erreichen, die die Atmosphäre schätzen, gerne Filme anschauen und Konzerte besuchen: "Wir müssen diese Räumlichkeiten erstmal mit Leben erfüllen."

Goethe Institut in Aleppo (Foto: Mona Naggar)

Goethe in Aleppo

Frischen kulturellen Wind hat Aleppo dringend nötig. Zwar kann die klassische orientalische Stadt mit geschichtsträchtiger, gut erhaltener Bausubstanz aufwarten. Die Altstadt wurde in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Kirchen, Moscheen, Schulen, Karawansereien und Suqs spiegeln die jahrtausende alte Geschichte wider. Aber viele Aleppiner empfinden ihre Stadt als ein lebloses Museum.

Konkurrent Damaskus

Der Fotograf Issa Touma betreibt eine der wenigen Galerien in Aleppo und hat vor einigen Wochen das Frauenkunstfestival organisiert, das wichtigste Kulturereignis des Jahres in der Stadt. Initiativen die Stadt zu verschönern gebe es viele, aber ein Kulturprogramm fehle, sagt Touma: "Alles spielt sich in Damaskus ab." In der Hauptstadt leben viele Ausländer, dort haben die meisten ausländischen Kulturinstitute ihren Sitz. "Sie ist das Aushängeschild des Landes. Fast das ganze Geld fließt dorthin, auch aus Europa", sagt Touma.

Zitadelle von Aleppo (Foto: Mona Nagar)

Zitadelle von Aleppo

In Aleppo hingegen erlebt der Galerist viele Hürden. Es gebe kein Budget für Kultur. Öffentliche Räume, in denen Veranstaltungen oder Ausstellungen statt finden könnten, seien rar. Viele Menschen seien misstrauisch: "Wenn Einheimische etwas organisieren, dann vermuten viele eine ausländische Agenda dahinter." Hinzu kommen bürokratische und politische Hürden. Jede kulturelle Veranstaltung muss vom Geheimdienst genehmigt und kann ohne Angabe von Gründen verweigert werden. Das macht eine längere Planung schwierig.

Dennoch gibt es seit zwei Jahren positive Entwicklungen in Aleppo. Das Frauenkunstfestival wurde dieses Jahr von der Stadt unterstützt und das alte Elektrizitätswerk in ein Kulturzentrum umgewandelt. Und mit der Eröffnung der Nebenstelle des Goethe-Instituts ist ein weiterer Schritt getan, sagt Björn Luley: "Ich habe ganz stark den Eindruck, dass die gegenwärtige Stadtverwaltung gemerkt hat, dass ein lebendiges Kulturleben wichtig ist für das Image einer Stadt." In den kommenden Wochen zeigt das Goethe-Institut in Aleppo unter anderem eine Filmreihe von Fatih Akin, organisiert ein Orgelkonzert in einer Kirche und ein Boogie-Woogie-Konzert.

Autorin: Mona Naggar

Redaktion: Marlis Schaum