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Aktuell Welt

Aleppo: Granaten fallen "wie Regen"

Im syrischen Aleppo kämpfen Assad-Truppen und Aufständische um jede Straße. Die Rebellen behaupten, die Offensive der Regierung zurückgeschlagen zu haben. Eine Konferenz des Iran versammelt wohl nur Assad-Verbündete.

Tagelang waren Stadtteile von Aleppo von Artillerie und Panzern der Regierungstruppen sturmreif geschossen worden, dann folgten immer umfangreichere Aufmärsche und schließlich die Großoffensive. Beide Seiten - Propaganda des Regimes von Präsident Baschar al-Assad und Kommandeure der Aufständischen - erklären, die "Entscheidungsschlacht" habe begonnen. Der Sieger werde dann auch die Macht über ganz Syrien übernehmen.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete, die Armee habe den Angriff begonnen, um die "Terroristen" zu vernichten, die die Einwohner von Aleppo einschüchterten.

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Unübersichtliche Lage in Aleppo

Die Truppen hätten bedeutende Geländegewinne gemacht und das strategisch wichtige Viertel Salaheddin unter ihre Kontrolle gebracht. Dies wurde von den Rebellen dementiert. Der Vorstoß der Assad-Truppen sei zurückgeschlagen worden, hieß es, wenn auch unter großen Opfern. Viele Straßenzüge habe man wieder eingenommen. Die Aufständischen sind zwar mit Sturmgewehren und Panzerfäusten bewaffnet, haben aber wenig Mittel gegen die permanenten Luftangriffe.

Trommelfeuer durch Militärjets und Panzer

Bestätigt wurde von Seiten der Rebellen ein massiver Beschuss durch die Angreifer. Nach Angaben von Aktivisten in Aleppo prasselten Granaten "wie Regen" auf Gebiete unter der Kontrolle der Aufständischen, aber auch im Umland. "Jede Minute schlagen Dutzende Granaten ein und das grollende Geräusch der Panzer hallt durch die ganze Stadt", sagte ein syrischer Aktivist der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Rami Abdel Rahman von den syrischen Menschenrechtsbeobachtern im Exil berichtete: "Das Regime attackiert den Bezirk Salaheddin aus vier Richtungen." Der Stadtteil ist das südwestliche Eingangstor zu den von den Rebellen kontrollierten Gebieten. Das gnadenlose Ringen um Aleppo, Syriens Geschäfts- und Handelsmetropole, dauert seit fast drei Wochen an.

Satellitenbilder von Aleppo dokumentieren die Verwüstungen. Fast die ganze Stadt wurde zum Schlachtfeld (foto:EPA/ai)

Satellitenbilder von Aleppo dokumentieren die Verwüstungen: Fast die ganze Stadt wurde zum Schlachtfeld

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte den Einsatz schwerer Waffen in den Wohngebieten von Aleppo. Die Organisation veröffentlichte Satellitenbilder, die rund 600 Einschlagkrater zeigen, die von schwerkalibrigen Artilleriegranaten stammen. Amnesty werde auch künftig alle Angriffe auf die Bevölkerung genauestens dokumentieren, sagte der Amnesty-Experte Christoph Koettl. "So können die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden."

Schon Krieg der Religionsgruppen?

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, die am Mittwoch ein Flüchtlingslager in der türkischen Grenzprovinz Hatay besuchte, warnte vor einer weiteren Verschärfung des Syrienkonflikts entlang religiöser Linien. Es sei ganz offensichtlich, dass der Konflikt auf dem Weg zu einem Stellvertreterkrieg sei. "Es droht, dass es zu einer Ethnisierung kommt, zu einer Eskalation entlang der Religionen", befürchtet Roth. Der Clan von Präsident Assad und die Spitzen des Regimes gehören der schiitischen Richtung der Alawiten an, die meisten Aufständischen sind Sunniten.

Der Iran plant für diesen Donnerstag ein Außenminister-Treffen in Teheran über die Lage in Syrien. Präsident Mahmud Ahmadinedschad äußerte die Hoffnung, "doch noch eine friedliche und interne Lösung für Syrien zu finden". Vizeaußenminister Hussein-Amir Abdollahian sagte, mehrere Außenminister der Region und auch von außerhalb würden an den Beratungen teilnehmen. Erwartet werden wohl nur Verbündete Assads...

SC/gmf (rtr, afp, dpa)

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