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Kultur

Albrecht Dürer: Die Wurzeln seiner Kunst

Albrecht Dürer war ein Genie, ein Revolutionär und ein Tabubrecher. Einen anderen Schluss lässt die Nürnberger Ausstellung nicht zu. Zu sehen ist sie bis Anfang September im Germanischen Nationalmuseum.

Ein Genie. Ein Heros der Kunst. Ein Held der Kunstgeschichte. Beinahe ein Heiliger. Albrecht Dürer ist ein Mann der Superlative. Als berühmtester deutscher Künstler setzt er in der Renaissance mit seinen virtuosen Grafiken Maßstäbe, porträtiert sich schon als 13-Jähriger mit dem Silberstift und bringt damit im Jahr 1484 eine der ältesten bekannten Kinderzeichnungen der Welt zu Papier.

Das allererste Selbstporträt im Alter von 13 (!) Jahren (Foto: Germanisches Nationalmuseum)

Das allererste Selbstporträt im Alter von 13 (!) Jahren

Später lässt er auf seiner jetzt in Nürnberg präsentierten Holzschnittfolge apokalyptische Reiter auf unnachahmliche Weise durchs Bild galoppieren, was jetzt in der Ausstellung Riesen-Projektionen verdeutlichen. Kein Wunder, dass er ausgerechnet mit dem Apokalypse-Zyklus seinen Durchbruch schaffte.

Kupferstecher, Holzschneider und Kunsttheoretiker

Dieser Mann verblüfft als Kupferstecher, Holzschneider oder Kunsttheoretiker. Er malt einzigartige Altäre, entwirft aber auch Prunkleuchter, Pokale sowie einen Tischbrunnen. Er reüssiert als Unternehmer, später als Ratsherr und Diplomat und ist ein wahrer Tausendsassa. Seine herausragenden Porträts befinden sich in Museen von Weltrang oder blickten uns lange als Abbildungen von alten DM-Scheinen verschämt an. Dürers von altmeisterlicher Präzision und Raffinesse bestimmte Originale faszinieren. Bis heute.

Apokalyptische Reiter (Foto: Germanisches Nationalmuseum)

Apokalyptische Reiter

Nicht zuletzt sein heute in der Alten Pinakothek München hängendes "Selbstbildnis im Pelzrock". In puncto Wertigkeit ist es eine Art deutsche Mona Lisa und sorgte in den letzten Monaten für heftigen Gesprächsstoff, als es um die Ausleihe eben dieses Gemäldes zur Nürnberger Ausstellung ging.

Dürer als Pionier

Ist es stolz, selbstbewusst oder anmaßend? Niemals zuvor blickte ein Künstler seinen Betrachter so unverfroren, so kess direkt an wie Dürer auf seinen Selbstporträts. Doch er setzt sich über die Regel hinweg, wonach der direkte Blick einzig Jesus Christus vorbehalten ist. Und noch etwas erfindet der junge Mann: die Signatur. Dürer ist der erste Künstler überhaupt, der seine Werke systematisch mit einem Monogramm signiert. Das "AD" ist sein Markenzeichen und Gütesiegel und findet schon bald Nachahmer.

Dürer-Werke in fragilem Zustand

Kein Geburtstag, kein Todestag, der sich jährt und auch sonst kein Jubiläum waren Anlass für diese Schau. Vielmehr legte die wissenschaftlich fundierte Zuschreibung eines Porträts an den Nürnberger Meister vor ein paar Jahren den Grundstein für diese Präsentation. Dabei handelt sich um das Bildnis von Dürers Mutter, das einst als Arbeit eines unbekannten Malers firmierte. Nun gilt es zusammen mit dem Porträt des Vaters als eines von Dürers frühesten Gemälden überhaupt. Anlass genug, das in internationalen Museen verstreute Frühwerk dieses Künstlers während eines dreijährigen Forschungsprojektes mit neuesten technischen Untersuchungsmethoden einmal genau unter die Lupe zu nehmen.

Dürers Eltern (Foto: Germanisches Nationalmuseum)

Zwei von Dürers frühesten Werken: Porträts seiner Eltern

Die Ergebnisse präsentiert das Germanische Nationalmuseum jetzt in einem eigenen Saal im Rahmen der aktuellen Ausstellung - in einer Art virtuellem Dürer-Labor. Dort wird auch detailliert erläutert, wieso die drei großen gemalten Selbstbildnisse aus Paris, Madrid und München aus konservatorischen Gründen den Weg nach Nürnberg zur weltweit größten Dürer-Schau seit 40 Jahren nicht antreten durften. Die Werke sind zu fragil und könnten beim Transport unwiederbringlichen Schaden nehmen. Vom wohl berühmtesten aller Selbstbildnisse ist daher eine Reproduktion zu sehen.

Die Haller Madonna (Foto: Germanisches Nationalmuseum)

Die Haller Madonna

Seltene Arbeiten zu sehen

Trotzdem wird eine Vielzahl von Bildern präsentiert, die einen Besuch in Nürnberg auf jeden Fall lohnen. Darunter eine schwarzbraune Federzeichnung, ein Selbstbildnis Dürers, entstanden um 1492/93. Dabei hält der Künstler seine rechte Hand an den Kopf und blickt den Betrachter ernst an: eine intensive Selbstreflexion mit melancholischem Touch - das Highlight der Universitätsbibliothek Erlangen. Für Jahre wird dieses lichtempfindliche Blatt zum letzten Mal in Deutschland öffentlich zu sehen sein. Internationale Leihgaben wie die sogenannte "Haller Madonna" aus der National Gallery of Art in Washington, erlesene Kupferstiche, Holzschnitte, Autographen und wertvolle Folianten werfen Schlaglichter auf das Frühwerk des berühmtesten deutschen Malers, das 1505, also noch vor seiner zweiten italienischen Reise, endet.

Auch Gemälde seiner Zeitgenossen

Vor allem der frühe Dürer steht also im Mittelpunkt dieser Präsentation, die an die große Ausstellung zum 500. Geburtstag des Meisters von 1971 im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg anknüpft. Damals allerdings war der "ganze Dürer" zu sehen. Umfassend wurden Leben und Werk des bedeutendsten deutschen Künstlers dokumentiert. Auch die drei Selbstporträts waren seinerzeit noch vertreten. Jetzt präsentiert das Museum 200 Exponate, darunter 150 Originale von Albrecht Dürer, auf rund 1400 Quadratmetern. Die zwei Millionen teure Ausstellung zeigt unter dem Titel "Der frühe Dürer" auch hochkarätige Bilder von Zeitgenossen: Arbeiten von Malern wie Hans Pleydenwurff, Michael Wolgemut oder Martin Schongauer. Kurzum: ein ästhetischer Leckerbissen für alle Kunstliebhaber.


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