Alberto Nismans Tod war ″kein Selbstmord″ | Aktuell Amerika | DW | 27.12.2017
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Argentinien

Alberto Nismans Tod war "kein Selbstmord"

Der Fall hatte weit über Argentinien hinaus für Aufsehen gesorgt: Fast drei Jahre nach dem mysteriösen Tod eines Staatsanwalts geht die Justiz in dem lateinamerikanischen jetzt sicher von Mord aus.

Der argentinische Bundesrichter Julian Ercolini kommt in seinem nun vorgelegten Urteil zu dem Ergebnis, dass der im Januar 2015 durch einen Kopfschuss getötete Staatsanwalt Alberto Nisman nicht durch eigene Hand gestorben sei. "Nismans Tod kann kein Selbstmord gewesen sein." Dafür gebe es hinreichende Beweise, so Ercolini.

Zugleich warf der Richter einem früheren Mitarbeiter Nismans Beihilfe zum Mord vor. Diego Lagomarsino hat zugegeben, dem Staatsanwalt die Pistole geliehen zu haben, durch deren Kugel dieser später starb. Nach Darstellung von Lagomarsino bat Nisman ihn um die Waffe, um sich selbst und seine Familie damit zu schützen.

Ex-Staatschefin unter Druck

Kurz vor seinem Tod hatte Nisman die damalige Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner beschuldigt, die Rolle des Iran beim Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum Amia in Buenos Aires im Jahr 1994 verschleiert zu haben. Damit soll sie versucht haben, die Handelsbeziehungen mit dem islamischen Land zu verbessern. Bis heute bekannte sich niemand zu dem Attentat, bei dem 85 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt wurden. Die Führung in Teheran bestreitet jegliche Verwicklung. 

Cristina Fernandez de Kirchner (picture alliance/dpa )

War von 2007 bis 2015 Präsidentin: Cristina Kirchner

Nisman starb einen Tag, bevor er seine Vorwürfe vor dem argentinischen Parlament erläutern sollte. Kirchner legte damals nahe, dass es sich um Suizid handelte. Die ehemalige Staatschefin, die im Zusammenhang mit dem Amia-Anschlag eine Verurteilung wegen Landesverrats fürchten muss, wurde im Oktober dieses Jahres in den argentinischen Senat gewählt. Gegen die 64-Jährige laufen bereits mehrere Verfahren wegen Korruption und Geldwäsche. In einem anderen Verfahren muss sie sich wegen verlustreicher Wechselkurs-Spekulationen der argentinischen Zentralbank verantworten. Diese sollen der Staatskasse Hunderte Millionen Dollar Verlust eingebracht haben.

wa/qu (rtr, epd)

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