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Aktuell Amerika

Alberta: Vom Waldbrand zur teuersten Katastrophe in Kanadas Geschichte

Seit einer Woche wüten nun die Flammen in der kanadischen Ölprovinz. Wie durch ein Wunder ist noch kein Mensch in der Feuerwalze umgekommen. Doch wirtschaftlich hat diese bereits ein Jahrhundert-Inferno angerichtet.

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Feuerwalze nicht zu stoppen

Inzwischen haben sich die Waldbrände in Alberta auf mehr als 1500 Quadratkilometern ausgedehnt, die doppelte Fläche von Hamburg. Noch an diesem Sonntag dürften sie die 90 Kilometer östlich gelegene Nachbarprovinz Saskatchewan erreichen. Die vor allem heimgesuchte Stadt Fort McMurray ist seit Mittwoch zwangsevakuiert. Fast alle 90.000 Einwohner sind in Sicherheit. Die letzten der 25.000 Menschen, die in dem Chaos gen Norden geflüchtet waren, werden noch ausgeflogen oder in Konvois durch die Stadt geleitet.

1600 Gebäude in Schutt und Asche

In Fort McMurrray sollen nach ersten Schätzungen mindestens 1600 Gebäude in Schutt und Asche liegen. Kanadische Medien sprechen von der teuersten Katastrophe in der Geschichte des Landes. Im Gebiet um Fort McMurray wird Öl aus Ölsand gewonnen. Wegen der Waldbrände fuhren Unternehmen wie Suncor, Syncrude und Shell die Förderung in der Region stark zurück. Mehrere Förderstätten wurden inzwischen ganz geschlossen.

Wie lange das Feuer die Ölsandgewinnung lahmlegen wird, ist unklar. Zu den geschätzten Verlusten von bereits neun Milliarden kanadischen Dollar (etwa sechs Milliarden Euro) zählt vor allem der Ausfall der Öleinnahmen. Eine Million Barrel kamen täglich aus der Region, schrieb die Zeitung "Globe and Mail". Das sei ein Viertel von Kanadas gesamter Ölproduktion.

Es grenzt an ein Wunder, dass bislang niemand in den Flammen umgekommen ist. Allerdings starben zwei Teenager bei einem Autounfall auf dem Weg aus der Stadt. In ihrer Panik, der Feuerwalze zu entkommen, waren Autofahrer auch auf Bürgersteige ausgewichen, um die endlosen Fahrzeugkolonnen zu überholen, so "Globe and Mail" weiter. Ein Bewohner von Fort McMurray berichtete in der "New York Times", dass er mit Kind und Hund im Wagen das Sechsfache der üblichen Fahrtzeit von 45 Minuten aus der Stadt gebraucht habe. Einige seiner Nachbarn seien neun Stunden in Kolonnen eingekeilt gewesen. Aber es gab auch gute Nachrichten von der chaotischen Räumung der Stadt. Alle Patienten in Fort McMurrays Krankenhaus wurden heil aus der Stadt geflogen. Ein Baby erblickte mitten im Chaos das Licht der Welt. Tierfreunde wagen sich mit Genehmigung der Feuerwehr zurück in die Stadt und nehmen sich zurückgebliebener Hunde und Katzen an.

1400 Feuerwehrleute im Einsatz

Nachdem anfangs nicht mehr als 80 Mann die Flammen auf Abstand zu halten versucht hatten, kämpft jetzt ein Heer von Feuerwehrleuten an verschiedenen Seiten des Flammenmeers. 1400 Feuerwehrleute sind am Boden sowie mit Löschflugzeugen und Hubschraubern im Einsatz, um die mehr als 40 verschiedenen Brände unter Kontrolle zu bringen.

Zerstörte Häuser in Fort McMurray (Foto: Getty Images/S.Olson)

Ohne Worte

Aber selbst mit Verstärkung aus Kanadas Ostprovinzen blieb ihnen der Durchbruch versagt. Alberta erlebt derzeit eine Rekorddürre, seit Tagen herrschen zudem Temperaturen von fast 30 Grad Celsius. "Ohne Regen in unserer Region seit zwei Monaten kann jedes Feuer schnell und weit um sich greifen", sagte Waldbrandschützer Chad Morrison bei einer Pressekonferenz mit Albertas Regierungschefin Rachel Notley. Starker Wind treibt die Feuerwalze ungebremst voran. Notley schließt nicht aus, dass sie sich nochmals verdoppeln und eine Fläche von 2000 bis 3000 Quadratkilometern erreichen könnte.

Zum Glück liegen ihr bei der derzeitigen Richtung gen Nordosten keine Städte oder Siedlungen mehr im Weg. Betroffen sind aber Albertas boreale Fichtenwälder, die am nördlichsten gelegene Vegetationszone, in der noch Bäume wachsen. In ihnen leben Schwarzbären, Elche und Heerscharen von Vögeln, sagte Brian Simpson von der Kanadischen Forstverwaltung in Edmonton. "Sie sind an Waldbrände gewöhnt und dürften rechtzeitig die Flucht ergriffen haben."

sti/wl (afp, dpa)

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