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Fokus Osteuropa

Albanien: Von der Abschottung in die Freiheit

Unabhängig wurde Albanien bereits 1912, als es sich vom Osmanischen Reich abspaltete. Nun feierte das Land am 11. Januar, den „Tag der Republik“, die Staatsgründung 1946. Ein Rückblick auf bewegte Jahrzehnte.

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Alltag in Tirana

Die ersten Jahrzehnte der Volksrepublik Albanien prägte Enver Hoxha: Ein junger Mann, der in Paris studierte, aber nach Albanien zurückkehrte, um Widerstand gegen die italienischen und deutschen Besatzungstruppen zu leisten. Hoxha und seine Getreuen gründeten im November 1941 die Kommunistische Partei, die unterstützt wurde durch die jugoslawische Partisanen-Bewegung von Josip Broz Tito. Die albanischen Kommunisten führten nach dem Abzug der deutschen Truppen einen blutigen Bürgerkrieg, um andere nationalistische Organisationen im Land auszuschalten. Im Oktober 1944 installierten sie eine provisorische Regierung mit Hoxha an der Spitze. Am 11. Januar 1946 rief Hoxha dann die Volksrepublik Albanien aus.

Anlehnung an Jugoslawien

Damit war bereits der Grundstein für die kommenden Jahrzehnte vorgezeichnet, meint der Berliner Südosteuropa-Experte Holm Sundhaussen: „Albanien ist zunächst dem Weg Jugoslawiens gefolgt. Die jugoslawische Erklärung zur Volksrepublik erfolgte nur eineinhalb Monate vorher. Auch der nächste Schritt, also die albanische Verfassung am 14. März 1946, ist ebenfalls knapp zwei Monate nach dem Erlass der jugoslawischen Verfassung erfolgt. Und beide Länder hatten als Modell die sowjetische Verfassung von 1936. Da war schon ein Programm mit angelegt, das auf noch keine Selbstisolierung aber auf eine sozialistische Gemeinschaft hinsteuerte und zumindest eine Isolierung gegenüber dem Westen bedeutete."

Es folgten massive Säuberungen, mit dem Hoxhas kommunistisches Regime seine reellen und potenziellen Gegner zu eliminieren versuchte. Tausende Albaner fielen diesen brutalen Verfolgungen zum Opfer. Große Besitztümer wurden konfisziert, alle Fabriken verstaatlicht und eine radikale Agrarreform durchgeführt.

Stalin-Kult und Isolation

Bis 1948 war Albaniens Außenpolitik von großen Spannungen mit Griechenland und dem Westen und einer engen Zusammenarbeit mit Jugoslawien gekennzeichnet. Es gab Pläne, Albanien an Jugoslawien anzugliedern, eventuell sollte auch Bulgarien hinzukommen, um eine Balkanföderation zu gründen. Aber als es 1948 zum Bruch der Beziehungen zwischen Belgrad und Moskau kam, wandte sich Hoxha von Tito ab und Stalin zu. Doch auch diese Beziehung sollte nicht von langer Dauer sein, erläutert Holm Sundhaussen: „Es folgte diese Phase der engen Anlehnung an die stalinistische Sowjetunion, denn in Albanien genoss Stalin ein hohes Ansehen. Er wurde hoch verehrt. Daran änderte auch der Tod Stalins 1953 zunächst nichts, der Stalin-Kult hielt an. Und es kam erst zum Bruch mit der Sowjetunion: Als dort die Versuche einer vorsichtigen Entstalinisierung einsetzten und Nikita Chruschtschow die Verbrechen Stalins auf dem 20. Parteitag anklagte, zeichnete sich bereits ab, dass das Verhältnis zwischen Albanien und der Sowjetunion schwierig werden würde."

Hoxha richtete nun die Augen nach China, weil er dort gleiche Interessen sah: Beide Länder lehnten die Entstalinisierung der Sowjetunion und Chruschtschows These von einer friedlichen Koexistenz zwischen sozialistischen und kapitalistischen Staaten ab. Doch nach Maos Tod 1976 näherte sich China wieder der Sowjetunion und den USA an - Hoxha brach die Beziehungen zu Peking sofort ab und führte sein Land in die völlige Isolation, wie Sundhaussen erklärt: „Der Wandel Hoxhas vom Internationalisten zum Nationalisten in diesem Zeitraum - also die Rückbesinnung auf die nationale Vergangenheit, der Personenkult der eingeführt wurde -, all dies bedingte eine neue Strategie. Diese Strategie zielte darauf ab, sich vor allem gegenüber äußeren Einflüssen abzuschirmen und das Land dicht zu machen, sowohl nach Westen wie nach Osten hin, und praktisch im Inneren eine Hoxha-Diktatur aufzubauen - anders kann man das gar nicht nennen".

Eine Diktatur, die schwere Folgen für die Bevölkerung hatte: Das Land verarmte und schottete sich komplett ab. Diese Isolation endete auch nach Hoxhas Tod im April 1985 nicht: Sein Nachfolger Ramiz Alia setzte den Kurs des Diktators fort.

Späte Öffnung nach Westen

Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs Ende der 1980er Jahre brach das kommunistische Regime zusammen: Zehntausende Albaner versuchten, in Booten über die Adria nach Italien zu flüchten, Studenten gingen auf die Straße - 1990 schließlich wurde Alia zum Rücktritt gezwungen. Freie Wahlen folgten, aus der Volksrepublik wurde die Republik Albanien.

Die folgenden Jahre kehrte allerdings noch nicht Ruhe ein: Es gab häufige Regierungswechsel und endlose Machtkämpfe zwischen dem Demokraten Sali Berisha und dem Sozialisten Fatos Nano. 1997 stürzte das Land in einen kurzen Bürgerkrieg. Albanien hat bis heute mit Wirtschaftsproblemen, Korruption und organisierter Kriminalität zu kämpfen. Das Ziel ist jedoch klar: die Aufnahme in die EU.

Sonila Sand

DW-RADIO/Albanisch, Fokus Ost-Südost

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