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Fokus Osteuropa

"Albanien muss seine Potentiale zeigen"

Tirana hofft auf Aufnahme in die EU. Nach einer Umfrage sind die meisten Deutschen dagegen. Außenminister Besnik Mustafaj will das Image Albaniens verbessern. In Berlin sprach er darüber mit DW-RADIO.

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Außenminister Besnik Mustafaj am 30. Mai in Berlin

DW-RADIO/Albanisch: Am 12. Juni werden Sie in Brüssel ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnen. Welche konkreten Verbesserungen wird dieses Abkommen Albanien bringen?

Besnik Mustafaj: Das Dokument zeigt das Engagement Albaniens und der EU für die Transformation ganz Albaniens. Es wird schrittweise, aber substantielle Verbesserungen der gesamten Wirtschaft Albaniens mit sich bringen. Das geht Hand in Hand mit der Erreichung der Standards für die Mitgliedschaft in der EU. Es wird eine Reihe von legislativen Reformen geben, die in diesem Abkommen vorgesehen sind. Zudem wird ein Monitoring der Institutionen Albaniens eingeführt, so dass sichergestellt wird, dass der Rechtsstaat so demokratisch funktioniert, wie es dieses Wort verlangt. Das Dokument legt den Reiseplan für die gesamte Transformation Albaniens im politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, institutionellen und legislativen Sinne fest.

Nach einer jüngsten Umfrage des Eurobarometers sind 80 Prozent der Deutschen gegen eine Mitgliedschaft Albaniens in der EU. Wie kann dieses negative Image Albaniens verbessert werden?

Es gibt dazu zwei Wege: Erstens, die Verbesserung der Situation im Lande. Wir haben von der Vorgängerregierung eine sehr schwierige Situation geerbt, in der organisierte Kriminalität frei agieren konnte und sehr präsent war. Das hat sich natürlich in der deutschen öffentlichen Meinung niedergeschlagen. Wir hatten eine Situation, in der Korruption sehr öffentlich stattfand. Und natürlich merkt die Öffentlichkeit in Deutschland aber auch in anderen Ländern dies. Doch dagegen arbeiten wir nun: Zahlreiche Banden, die sich mit Drogen und Menschenhandel und Prostitution befasst haben, finden sich nun vor Gericht wieder. Einer der ersten Schritte, die wir unternommen haben, war gegen Geldwäsche vorzugehen. Der zweite Schritt ist es, das wirkliche, transformierte und verbesserte Albanien bekannter zu machen. Und genau das hat Herr Steinmeier auch gesagt. Er hat die Rolle der Kultur hervorgehoben für den Export der albanischen Identität und der Verbesserung des Images von Albanien, durch Vermittlung einer besseren politischen und institutionellen Realität. Die Verbesserung des Images von Albanien in Deutschland ist also eine Aufgabe beider Regierungen, der albanischen aber auch der deutschen. Für uns ist es sehr ermutigend, dass diese Aufgabe nicht nur an Albanien hängen bleibt, sondern sich auch Deutschland daran beteiligen möchte.

Deutsche kleine und mittlere Unternehmen investieren in Albanien recht wenig, wenn man es mit den Nachbarstaaten Italien und Griechenland vergleicht. Was kann Albanien tun, um mehr deutsche Unternehmen anzulocken?

Albanien muss stärker seine eigenen Potentiale für kleine und mittlere Unternehmen zeigen. Wir werden das tun. Zweitens muss Albanien das Klima für kleine und mittlere Unternehmen verbessern. Das Land muss wirklich attraktiv für solche Firmen werden, die ein starkes Beschäftigungspotential haben und für die Entwicklung sehr wichtig sind. Wir haben jetzt eine gemeinsame Struktur geschaffen, von der wir hoffen, dass daraus sehr bald eine gemeinsame albanisch-deutsche Handelskammer erwächst. Diese Struktur hat die volle Unterstützung beider Regierungen. Sie wird in der Lage sein, die Potentiale für solche Firmen aufzuzeigen und zu vermitteln. Es ist auch sehr wichtig, dass es in der albanischen Öffentlichkeit große Sympathie für die Deutschen gibt.

Die letzte Frage bezieht sich auf die Innenpolitik Albaniens, zwei rivalisierende Parteien der Linksopposition haben jüngst eine Zusammenarbeit besiegelt. Beunruhigt dies die Koalition des regierenden Mitte-Rechts-Bündnisses?

Die Koalition von Edi Rama und Ilir Meta ist noch völlig unreif. Für mich ist nicht wichtig, welche Bewegungen es innerhalb der Opposition gibt. Das zeigt nur, in welcher Konfusion sich die Opposition befindet. Für mich als Außenminister und einer der Führungspersönlichkeiten der Demokratischen Partei ist es allerdings wichtig, dass die Opposition die Regierung bei ihren Reformanstrengungen unterstützt, die zur EU- und NATO-Integration führen sollen. Das ist die einzige Forderung, die ich an die Opposition richte und die auch die ganze albanische Öffentlichkeit heutzutage an die Opposition richtet. Die Rama-Meta-Koalition befindet sich in einer Führungskrise, und diese Frage müssen sie selbst lösen.

Das Interview führte Fabian Schmidt
DW-RADIO/Albanisch, 31.5.2006, Fokus Ost-Südost