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Fokus Südosteuropa

Albaner streiten um Staatsbürgerschaft

Sollen Albaner in Mazedonien und Kosovo einen Anspruch auf einen albanischen Pass haben? Eine Gruppe Intellektueller verlangt das, aber nicht alle sind begeistert.

Flagge Albaniens, schwarzer Doppelkopfadler auf rotem Grund

Albanische Staatbürgerschaft für alle?

Eine "Gruppe von 60 Intellektuellen" hat eine Petition an den albanischen Präsidenten Bamir Topi verfasst, in der sie diesen auffordert, allen Albanern einen Pass der Republik Albanien auszustellen. Damit würden auch jene Albaner in den Genuss der Staatsbürgerschaft kommen, die in Mazedonien, Kosovo, Montenegro oder Serbien leben und dort Staatsbürger sind. Nach Ansicht der Initiatoren könnte damit die Anzahl der Staatsbürger von etwas über drei auf fünf Millionen anwachsen.

Zusammenhalt gefährdet?

Karte von Mazedonien (Grafik: DW)

Manche Mazedonier fürchten um Einheit

Der albanische Präsident reagierte zunächst gar nicht auf den Vorstoß. Juristen in Tirana verwiesen darauf, dass das Staatsbürgerschaftsrecht ein individuelles und kein kollektives Recht sei. Auch in albanischen Medien fand die Gruppe nur "ein verhaltenes Echo", bestätigten Medienbeobachter. In Mazedonien hingegen stieß die Initiative auf großes Medienecho.

Beobachter führen das einerseits darauf zurück, dass etwa ein Viertel der Bevölkerung des Landes ethnische Albaner sind, die durch eine solche Regelung die doppelte Staatsbürgerschaft annehmen könnten. Auch viele ethnisch slawische Mazedonier haben in der Zeit des EU-Beitritts Bulgariens die bulgarische Staatsbürgerschaft angenommen. Deshalb befürchten viele Menschen in Mazedonien, dass dies ein Präzedenzfall für albanische Bürger Mazedoniens sein könnte. Sollte aber ein Großteil der Bürger eine doppelte Staatsbürgerschaft annehmen, könnte dies den Zusammenhalt des Staates bedrohen.

"Falscher Zeitpunkt"

Ali Aliu, ein ethnischer Albaner, der Mitglied in der Mazedonischen Akademie der Wissenschaft und Künste ist, glaubt trotzdem nicht, dass irgendjemand sich davor fürchten müsse, dass viele mazedonische Bürger eine albanische Staatsbürgerschaft annehmen.

"Diese Idee ist gar nicht neu. Sie stammt aus den frühen 90er Jahren, als der damalige Präsident und heutige Premier Sali Berisha sie erstmals erwähnt hatte. Ich glaube, dass seine Absicht damals war, die Kommunikation und Reisefreiheit zu erleichtern. An dieser Vision damals war nichts Schlechtes. Dennoch denke ich, dass diese Initiative unter den politischen Umständen in Mazedonien, auf dem Kosovo und überhaupt dem Balkan, jetzt zu einer falschen Zeit kommt."

Zugehörigkeitsgefühl umstritten

Papiermännchen Hand in Hand (Foto: BilderBox)

Integrationswille umstritten

Der mazedonische Albaner Osman Kadriu, Professor an der Rechtsfakultät in Skopje, glaubt auch nicht, dass die Initiative Erfolg haben wird. Er warnt sogar vor den Folgen eines solchen Schrittes: "Wenn das geschieht, was ich nicht glaube, könnte das die Integration der Albaner in Mazedonien blockieren und erschweren."

Sein Kollege Nazmi Maliqi, glaubt das nicht: "Es wäre kein Problem für die Integration von Albanern in Mazedonien oder dafür, was den Albaner die Staatlichkeit Mazedoniens bedeutet. Ohnehin sehen sie diesen Staat als ihren an", so Maliqi.

Der Soziologieprofessor Ilija Aceski, ein ethnischer Mazedonier, ist gegen die Idee. "Diese Idee steht im Geiste eines Großalbaniens, dass die Albaner auch im politischen Sinne ein Volk beziehungsweise eine Nation seien. Die Albaner in Mazedonien wären nach einem solchen Schritt weniger an einer Integration in den mazedonischen Staat interessiert", sagt Aceski.

Autor: Sveto Toevski / Mirjana Dikic

Redaktion: Fabian Schmidt

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