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Afrika

Alassane Ouattara – Der ewig Wartende

So nah dran wie jetzt war er noch nie. Doch sein Lebensziel blieb Alassane Ouattara bisher immer verwehrt - die Präsidentschaft der Elfenbeinküste. Ouattaras Lebenstraum wird zum Wettlauf gegen Zeit.

Alassane Ouattara (Foto: ap)

Alassane Ouattara

So nah dran wie jetzt war er noch nie. Doch sein Lebensziel blieb Alassane Ouattara bisher immer verwehrt - die Präsidentschaft der Elfenbeinküste. Ouattaras Lebenstraum wird zum Wettlauf gegen Zeit.

Alassane Dramane Ouattara wird am 1. Januar 1942 in Dimbokro, rund 200 km nördlich von Abidjan, geboren. Er ist Angehöriger der kleinen, im Norden des Landes lebenden Dioula-Ethnie und moslemischen Glaubens. In den USA studiert er Wirtschaftswissenschaften, 1972 promoviert er.

Er beginnt seine berufliche Laufbahn beim Internationalen Währungsfonds in Washington D.C. Der IWF ist eine der prägendsten Stationen seiner Karriere, hier wird er Leiter der Afrika-Abteilung und Berater des IWF-Geschäftsführers. In internationalen Fachkreisen erlangt Ouattara schnell hohes Ansehen als Ökonom, Diplomat und Organisator. 1988 wird er Gouverneur der Westafrikanischen Zentralbank.

Ökonom mit harter Hand

Laurent Gbagbo (re.) und sein Gegner Alassane Ouattara. (Foto: dpa)

Seltenes Bild der Eintracht -Alassane Ouattara (li.) und sein Gegner Laurent Gbagbo

Im Frühjahr 1990 kehrt der von seinen Freunden nach seinen Initialen "ADO" genannte Ökonom nach Abidjan zurück. Als Berater des alten Staatspräsidenten Félix Houphouët-Boigny übernimmt er die Leitung eines Ausschusses, der das von Auslandsschulden gebeutelte Land aus der Krise führen soll. Ouattara greift hart durch, er reduziert den aufgeblähten bürokratischen Apparat, drängt auf konsequente Steuereintreibungen und lässt wirtschaftspolitische Schlüsselpositionen mit Fachleuten seiner Wahl besetzen.

Nach den ersten Parlamentswahlen im November 1990, bei denen die amtierende Partei PDCI-RDA gewinnt, ernennt Houphouët-Boigny Ouattara zum Premierminister. Da sich die Ära von Houphouët-Boigny dem Ende entgegen neigt, kommt es zu wachsenden Rivalitäten zwischen Ouattara und dem Parlamentspräsidenten Henri Konan Bédié, der sich als Nachfolger des Präsidenten in Stellung bringt – während Ouattara faktisch als Nummer eins nach dem Staatschef gilt. Die Diskrepanzen der beiden treten vor allem durch religiöse Differenzen zu Tage: Bédié ist Christ, Ouattara Moslem. Als Houphouët-Boigny Ende 1993 stirbt erklärt Bédié sich daraufhin zu dessen Nachfolger. Ouattara erkennt zwei Tage später die Amtsübernahme durch Bédié an.

Ausgespielt mit einem Trick

Ouattara kehrt in die USA und zum IWF zurück, dennoch bleibt er ein wichtiger politischer Gegenspieler Bédiés. Dieser ist sich der drohenden Gefahr seines Gegners bewusst. Bédiés setzt daher Ende 1994 eine umstrittene, nach einhelliger Auffassung gegen Ouattara gerichtete Verfassungsänderung durch, die festlegt, dass die Eltern eines Präsidentschaftsbewerbers aus der Elfenbeinküste stammen müssen. Obwohl Ouattara immer wieder betont, dass er ivorischer Herkunft sei, nährten seine Gegner Zweifel an der Staatsangehörigkeit seines Vaters, der angeblich aus Burkina Faso stammen soll. Ouattara erklärte schließlich seinen Rückzug für die Kandidatur als Präsident.

Ende Juli 1999 kehrt Ouattara in die Elfenbeinküste zurück, wo er zum Präsidenten der Rassemblement des Républicains (RDR) gewählt wird. Weihnachten 1999 beendet ein unblutiger Militärputsch unter Führung des früheren Armeechefs Robert Guéï die Herrschaft Bédiés. Ouattara meldet daraufhin seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen im Oktober 2000 an, wird jedoch wegen Unklarheiten über seine Staatsangehörigkeit von der Wahl ausgeschlossen. Laurent Gbagbo wird als neuer Präsident vereidigt. Anhänger Ouattaras fordern allerdings wegen seines Wahlausschlusses Neuwahlen. Gewaltsame Unruhen sind die Folge. Zu den Parlamentswahlen im Dezember 2000 wird Ouattara erneut nicht zugelassen. Gbagbos Partei gewinnt die Wahl knapp.

Am Ziel seiner Träume?

Thabo Mbeki (re.) und Alassane Ouattara. (Foto: dpa)

Südafrikas Präsident Thabo Mbeki (re.) setzte sich für Ouattara ein

Im Jahr 2005 unter Druck südafrikanischer Vermittlung bestätigt Staatspräsident Gbagbo die Zulassung von Ouattara zur nächsten Präsidentenwahl, welche jedoch mehrfach bis ins Jahr 2010 verschoben wird. Mit 54 Prozent hat Ouattara, mittlerweile 68 Jahre alt, nach Angaben der Wahlkommission die Stichwahl 2010 gegen Amtsinhaber Gbagbo klar gewonnen. Dennoch weigert sich Gbagbo, die Macht an Ouattara aus der Hand zu geben. Gbagbos fadenscheiniges Argument: Die Wahlkommission habe keine Befugnisse mehr, weil sie das Ergebnis zu spät verkündet habe.


Autor: Arne Lichtenberg
Redaktion: Michael Borgers

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