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Globale Zusammenarbeit

Alaskas bedrohtes Wildlachs-Paradies

Die Bristol Bay in Alaska ist ein einzigartiges Ökosystem. Hier gibt es die größte Wildlachsfischerei weltweit. Doch die Menschen an der Bucht machen sich Sorgen um ihre Lebensgrundlage.

Alaska Bristol Bay (Copyright: Johnny Armstrong, Bristol Bay, 2011) Neun Flüsse fließen in die Bristol Bay, für Fische wie den Rotlachs (Sockeye Salmon) ist die Gegend ein Paradies. Hier gibt es keine großen Minen, Wasserkraftwerke oder Holzfällerei. Die Bäume in dieser Gegend in Alaska sind zu dünn. Erklärung: You have permission to use the images free of charge indefinitely. Jonny Armstrong

Alaska Bristol Bay

Hjlmar Olson sitzt in seinem großen rustikalen Holzhaus und kann sich noch erinnern, wie er als Kind Ende der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts in der Bristol Bay Lachse fischte: mit dem Festnetz am Ufer und dem Treibnetz auf dem Meer, jeden Sommer, von Mitte Juni bis Mitte Juli. Heute wie damals gilt: Die ersten Fische dienen der Selbstversorgung, der Rest wird verkauft.

"Als wir angefangen haben, fischten wir von Montag Morgen bis Samstag Morgen", erinnert sich der alte Fischer weiter. Zu zweit waren sie sechs Tage und Nächte auf dem Boot. Jede Pause bedeutete weniger gefangene Fische. Nur am Sonntag wurde ausgeruht. "Aber dann durften wir mittwochs nicht mehr fischen und in den 50er Jahre fischten wir nur noch zwei Tage in der Woche", sagt er. "Jetzt ist das Fischen nur noch stundenweise erlaubt", erklärt Olsen.

Der Biologe Tim Sands (Foto: DW/ C. Bergmann)

"Hüter der Fische" - Der Biologe Tim Sands arbeitet für das Fischerei- und Wildschutzministerium des US-Bundesstaates Alaska

Der "Hüter der Fische"

Die Bristol Bay in Alaska, westlich von Anchorage in der Bering See, ist ein einzigartiges, intaktes Ökosystem: Hier gibt es keine Wasserkraftwerke, keine großen Minen, keine Holzfällerei. Dafür aber: Wildlachse. Allein rund 36 Millionen Rotlachse kommen jedes Jahr aus dem Meer zurück in ihre Laichgründe in die neun Flüsse, die in die Bristol Bay münden. Es ist das größte Wildlachsfanggebiet der Welt, Lachsfarmen gibt es hier nicht. Dass dies so bleibt, dafür sorgt der Biologe Tim Sands. Er ist bei der Behörde für Fischerei und Wild angestellt und für die Westseite der Bristol Bay zuständig. In seinem Büro in Dillingham erklärt der Wildhüter das Motto seiner Behörde in Alaska: "Zuerst kommt der Fisch."

Jedes Jahr Mitte Juni fangen Tim Sands und seine Kollegen an, in den Flüssen, die in die Bristol Bay fließen, zu zählen: Zehn Minuten pro Stunde, je fünf Meter rechts und links der Ufer, dort, wo die Rotlachse zu ihren Laichgründen schwimmen. Daraus wird errechnet, wie viele Lachse sich schon auf den Weg gemacht haben - und wann mit der Fischerei begonnen werden darf. Denn das Prinzip lautet, so Tim Sands: "Fischen ist so lange verboten, bis wir es erlauben." So soll sichergestellt sein, dass genug Lachse ihre Eier ablegen können. Wer trotz Verbots seine Netze auswirft, muss Strafen zahlen, im schlimmsten Fall werden der Fang und das Boot kassiert.

Rotlachse in ihren Laichgründen in der Bristol Bay (Foto: Daniel Schindler, Bristol Bay, 2011)

Rotlachse in ihren Laichgründen in der Bristol Bay - Bis zu 1,5 Millionen Fische müssen ihre Eier ablegen, damit die Art erhalten bleibt

Vorbildliches Fischmanagement

Die Wildhüter der Bristol Bay können auf jahrzehntelange Datensammlungen zurückgreifen. Im Wood River werden zum Beispiel seit 1954 Rotlachse gezählt. So weiß man, erklärt Tim Sands, dass hier 700.000 bis 1,5 Millionen Rotlachse ihre Laichgründe erreichen müssen, damit es genügend Nachkommen gibt. Das bedeutet aber nicht, dass Sands und seine Kollegen einfach die erste Million durchlassen und den Rest zum Fischfang freigeben. Wichtig ist, dass während des ganzen rund einmonatigen Zeitraums immer wieder Lachse ihre Laichgründe erreichen. Denn Rotlachs ist nicht gleich Rotlachs.

Das System funktioniert, weil es in Ruhe gelassen wird, erklärt Professor Daniel Schindler. Der Biologe lehrt an der Universität von Washington in Seattle und beschäftigt sich seit Jahren mit den Lachsen der Bristol Bay. Wer glaubt, es käme nur auf die Zahl der Fische an, und die könne auch mit gezüchteten Lachsen erreicht werden, irrt, sagt er. Denn durch die Zucht geht die genetische Vielfalt verloren und "die Systeme werden weniger stabil, sie boomen extrem in einem Jahr und brechen im nächsten Jahr total zusammen und so fort." Es fehlt die Beständigkeit der natürlichen Systeme, ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit. Während es im natürlichen System vier Mal in hundert Jahren weniger Fische gibt, sei dies in den Zuchtgebieten alle drei Jahre der Fall, hat Schindler errechnet. In vielen Flüssen in anderen US-Bundesstaaten sind so ganze Fischpopulationen verloren gegangen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Bergbau bedroht das Fischparadies von Dillingham

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