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Afrika

Al-Shabaab trotzt Angriffen des Militärs

Im Kampf gegen Al-Shabaab meldet Somalia einen Erfolg nach dem anderen. Doch die Zahl der Terroranschläge geht nicht zurück. Die Miliz ist mit militärischen Mitteln nicht zu besiegen.

Die Serie von militärischen Erfolgen im Kampf gegen die somalische Al-Shabaab-Miliz scheint nicht abzureißen. Am Montagabend gaben die US-Streitkräfte in Washington bekannt, einen weiteren erfolgreichen Luftangriff gegen einen der Führer der Islamisten-Gruppe geflogen zu haben. Um wen es sich dabei handele sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums nicht. Am Samstag erst hatte die somalische Regierung berichtet, der als Geheimdienstchef der Miliz bekannte

Zakariya Ismail Ahmed Hersi

habe sich den Behörden gestellt.

AMISOM - Soldaten posieren in Kampfmontur in Somalia Foto: AP Photo/AMISOM, Tobin Jones

Soldaten der afrikanischen AMISOM-Truppe haben die Al-Shabaab-Kämpfer aus Teilen Somalias zurückgedrängt

Bestätigen sich die Angaben, setzt sich damit eine Serie von militärischen Erfolgen im Kampf gegen die international als Terrorgruppe eingestufte Miliz fort. Al-Shabaab hat in den vergangenen Jahren einen Großteil des einst von ihr beherrschten Territoriums eingebüßt. Im September töteten die USA bei einem Drohnenangriff den Al-Shabaab-Anführer Ahmad Abdi Godane. Im Oktober hatten Truppen der afrikanischen Eingreiftruppe AMISOM unter anderem die Stadt Barawe eingenommen - die letzte al-Shabaab-Hochburg an der Küste des Landes. In vielen Gebieten unter Kontrolle der Regierungstruppen und ausländischer Soldaten habe sich die Lage für die Zivilbevölkerung verbessert, berichtete etwa der somalische Journalist und Analyst Mohamed Omar der DW.

Beobachter warnen jedoch davor, aus den jüngsten Erfolgsmeldungen zu schließen, al-Shabaab könne mit der aktuellen Militärstrategie endgültig besiegt und Somalia nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs befriedet werden. Die Gefangennahme etwa des Al-Shabaab-Geheimdienstlers Hersi schwäche die Terrorgruppe kaum, sagte Solomon Beyene Dersso vom äthiopischen Institut für Sicherheitsstudien der DW. Die Strategie, gezielt Jagd auf die führenden Köpfe der Gruppe zu machen, habe bislang keinerlei Fortschritte gebracht. "Selbst nachdem ihr Anführer im September getötet wurde, hat sich das kaum ausgewirkt auf al-Shabaab", sagte Dersso. "Sie haben ihre Anschläge fortgesetzt und gerade wieder in der vergangenen Woche einen sehr großen

Angriff auf den AMISOM-Sitz

in der Hauptstadt Mogadischu ausgeführt."

03.07.2014 online karte somalia eng

Vor wenigen Jahren kontrollierte Al-Shabaab einen Großteil des somalischen Territoriums

Teil des globalen Dschihads

Die vor rund zehn Jahren entstandene Al-Shabaab-Miliz hatte ab 2009 einen Großteil Somalias erobert und ein

Regime gemäß ihrer radikal-islamischen Ideologie

errichtet. Anders als andere Milizen im somalischen Bürgerkrieg versteht sich Al-Shabaab als Teil eines weltweiten islamischen Glaubenskriegs gegen den Westen und unterhält enge Kontakte zu dem Terrornetzwerk al-Kaida.

Im Visier von al-Shabaabs Selbstmordkommandos ist vor allem das Nachbarland Kenia. Seit 2011 sind Kenias Soldaten maßgeblich am Vorrücken der AMISOM in Somalia beteiligt. Unterstützt wird der internationale Einsatz in Somalia unter anderem durch eine

Ausbildungsmission

der EU für Somalias Regierungstruppen, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist.

Parallel zu den Erfolgen der Truppen gegen al-Shabaab in Somalia steigerten die Islamisten ihre Angriffe in Kenia. Allein 2014 kamen dort bei mehr als 25 Al-Shabaab-Anschlägen über 200 Menschen ums Leben. Auch innerhalb Somalias verübt al-Shabaab nach wie vor Anschläge in allen Teilen des Landes, auch in der Hauptastadt Mogadischu.

Neue Führungsstruktur

Militärisch sei al-Shabaab durch die US-Luftschläge und die internationale Offensive am Boden unter Druck geraten, sagte Hannah Waddilove, Ostafrika-Expertin der Beratungsfirma Oxford Analytica. Doch die Gruppe habe sich angepasst. Al-Shabaabs Fähigkeit, die Stabilität der gesamten Region zu bedrohen, sei keineswegs geschwächt. Al-Shabaab profitiert laut Waddilove in der jetzigen Situation von einem internen Führungskampf, der 2013 begann und an dessen Ende eine effizientere und vor allem weitgehend dezentralisierte Führungsstruktur stand. Das helfe der Gruppe, den Verlust von Führungspersonen und Territorium wegzustecken.

Autowrack und beschädigte Häuser Foto: REUTERS/Feisal Omar

Die Islamisten verüben trotz aller Niederlagen weiterhin verheerende Anschläge, wie hier in Mogadischu im Oktober 2014

Das militärische Vorgehen gegen al-Shabaab hält auch Waddilove für notwendig. Es sei jedoch nur eine Komponente einer notwendigen Gesamtstrategie. Entscheidend für einen nachhaltigen Erfolg sei, ob die somalische Regierung dort, wo die Miliz zurückgedrängt werde, ein Mindestmaß an Stabilität, Sicherheit und staatlichen Dienstleistungen gewährleiste könne, sagte die Expertin der DW. "Al-Shabaab haben zwar ein brutales Regime errichtet, trotzdem hatten sie im Land den Ruf, für Recht und Ordnung zu sorgen."

Die international anerkannte Regierung in Mogadischu vertrete - im Gegensatz zu al-Shabaab mit ihrer pan-somalischen, islamistischen Ideologie - nur die Interessen einiger mächtiger Großfamilien, so Waddilove. "Solange das so bleibt, ist Somalia weit davon entfernt, al-Shabaab endgültig zu besiegen."

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