Al-Shabaab-Miliz in Somalia erzwingt Übergabe von Kindern | Aktuell Afrika | DW | 15.01.2018
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Somalia

Al-Shabaab-Miliz in Somalia erzwingt Übergabe von Kindern

Mit drastischen Methoden versucht die islamistische Terrorgruppe Al-Shabaab in Somalia Nachwuchs zu gewinnen und militärisch auszubilden. So werden Eltern bedroht, ihre Kinder der Terrororganisation zu übergeben.

al-Shabaab Kämpfer in Somalia (Foto: picture alliance/AP Photo/Abdi Warsameh)

Kinder, wie dieser Junge, werden von Al-Shabaab zum Kämpfen und Töten gezwungen

Die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz in Somalia zwingt einem Bericht zufolge Zivilisten dazu, ihnen Kinder für eine "Indoktrinierung und militärisches Training" zu übergeben. Die Kinder werden laut dem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) aus den Elternhäusern und Schulen entführt und in Trainingslager gebracht. Seit Ende September 2017 hat die Terrororgruppe Al-Shabaab Lehrer in islamischen Religionsschulen und Gemeinden in ländlichen Gebieten angewiesen, hunderte von Kindern im Alter von 8 Jahren zur Verfügung zu stellen oder sie müssten mit Angriffen rechnen.

Die aggressivste Kinderrekrutierungskampagne der bewaffneten Gruppe begann Mitte 2017 mit Repressalien gegen Gemeinden, die sich weigerten. Hunderte Kinder seien deswegen bereits geflohen, erklärte die Organisation. "Mit ihrer gnadenlosen Rekutierungs-Kampagne nimmt die Al-Shabaab-Miliz in ländlichen Gebieten Kinder ihren Eltern weg, damit sie dieser militanten bewaffneten Gruppe dienen können", sagt Laetitia Bader, Leiterin der Afrika-Abteilung bei Human Rights Watch. "Viele Kinder sind von Zuhause oder aus der Schule geflohen und alleine auf der Flucht."

"Sie haben uns bedroht"

Betroffen seien von der Al-Shabaab-Miliz kontrollierte Gebiete in der südlichen Provinz Bay, schreibt die Organisation. So berichteten Dorfälteste, die Miliz habe im vergangenen Herbst die Übergabe vieler Kinder im Alter zwischen neun und 15 Jahren gefordert. "Sie sagten, wir müssten ihren Kampf unterstützen", sagte ein Bewohner. "Sie haben uns bedroht." Das Dorf habe sich geweigert, die Kinder zu übergeben - und bekomme seitdem Todesdrohungen.

In mindestens vier Dörfern soll die Miliz Dorfälteste entführt haben, die eine Zusammenarbeit verweigerten, schreibt HRW. Zudem sollen Kinder aus Schulen verschleppt worden sein. Seit 2015 hat die bewaffnete Gruppe mehrere große islamische Religionsschulen in Gebieten unter ihrer Kontrolle eröffnet und verstärkte dort ihre Indoktrinierungsmethoden. Zudem übt die Terrorgruppe Druck auf Lehrer aus, um den Lehrplan von Al-Shabaab in Schulen zu unterrichten.

Die Shebab-Miliz kämpft seit 2007 gegen die Regierungen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. 2011 wurden die Islamisten aus Mogadischu vertrieben. Sie kontrollieren aber nach wie vor große ländliche Gebiete und verüben immer wieder tödliche Anschläge in der Hauptstadt.

sam/hf (AFP, Human Rights Watch)

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