Al-Kaida-Zelle plante Giftgas-Anschlag | Aktuell Welt | DW | 01.06.2013
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Aktuell Welt

Al-Kaida-Zelle plante Giftgas-Anschlag

Im Irak sind mehrere Produktionsstätten des Terrornetzwerks Al-Kaida für Sarin- und Senfgas ausgehoben worden. Mit den hochgiftigen Substanzen sollten wohl auch Anschläge in Europa und Nordamerika verübt werden.

Insgesamt nahmen die irakischen Behörden fünf Al-Kaida-Mitglieder fest. Die Männer hätten zwei Labore in Bagdad und ein weiteres in der Provinz gehabt, in denen sie Sarin- und Senfgas hergestellt hätten, so ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Offenbar wollten sie das Giftgas über ein Netzwerk in benachbarte Länder sowie nach Europa und Nordamerika schmuggeln. Im irakischen Fernsehen waren Aufnahmen ferngesteuerter Flugzeuge zu sehen, mit denen die Anschläge ausgeführt werden sollten.

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Terrorgruppe im Irak gefasst

Nähere Angaben zum Zeitpunkt der Festnahme machte der Ministeriumssprecher nicht. Der Zugriff sei durch die Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten möglich geworden. Die Geheimdienste des Verteidigungsministeriums hätten von Anfang an Kenntnis von der Giftgasproduktion gehabt, so der Sprecher

Ein halbes Milligramm ist tödlich

Besonders Sarin ist ein extrem giftiges Nervengas: Bereits ein halbes Milligramm reicht aus, um einen Erwachsenen zu töten. Nach Angaben der Vereinten Nationen aus dem vorigen Monat könnten syrische Rebellen im Kampf gegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad Sarin eingesetzt haben..

Irakische Soldaten mit Gasmasken präsentieren das von der Al-Kaida-Zelle produzierte Giftgas (Foto: Reuters)

Soldaten präsentieren das Giftgas-Lager von Al-Kaida

Senfgas wurde vor allem von der irakischen Armee im Krieg gegen den Iran in den Jahren 1980 bis 1988 verwendet. Auch bei der Bombardierung der Stadt Halabdscha in der autonomen Kurdenregion im Nordosten des Irak soll die Armee das Giftgas benutzt haben. Damals starben 5000 Menschen.

UN: Mehr als 1000 Tote im Mai

Nach dem Abzug der US-Truppen aus dem Irak vor eineinhalb Jahren eskaliert die Gewalt zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen immer mehr. Im Mai starben im Irak nach Angaben der Vereinten Nationen bei rund 500 Anschlägen und bewaffneten Übergriffen mehr als 1000 Menschen. Die meisten von ihnen waren Zivilisten. Fast 2400 wurden verletzt. Mehr als die Hälfte der Opfer wurde in der Hauptstadt Bagdad getötet.

Der UN-Sondergesandte Martin Kobler sprach von einem "traurigen Rekord" und rief alle politischen Führer des Landes auf, das Blutvergießen zu stoppen. Die meisten Anschläge gehen auf das Konto eines Ablegers der sunnitischen Terrororganisation Al-Kaida und haben Schiiten als Ziel. Viele sunnitische Muslime, die unter dem Regime des gestürzten Diktators Saddam Hussein zur Machtelite gehörten, fühlen sich heute benachteiligt und vom schiitischen Regierungschef Nuri al-Maliki diskriminiert.

mak/kis (afp,dpa, rtr)

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