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Afrika

Al-Kaida im Maghreb tötet französische Geisel

Aus schlimmen Befürchtungen ist nun traurige Gewissheit geworden: Al-Kaida im Maghreb hat den Franzosen getötet, der im April im Niger entführt und offenbar in den Norden Malis verschleppt worden war.

Die französische Geisel Germaneau auf einem Al-Kaida-Handout

Die französische Geisel Germaneau auf einem Al-Kaida-Handout

Am Sonntag (25.07.2010) hatte der arabische Sender Al-Dschasira eine Tonbandaufnahme ausgestrahlt, in der die Gruppe Al-Kaida im islamischen Maghreb die Ermordung Michel Germaneaus bekannt gab. Seit Mai hatte es von dem Franzosen kein Lebenszeichen mehr gegeben. Sichtlich bewegt stellte sich daraufhin Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy nach einer Krisensitzung seines Kabinetts am Montag Morgen der Presse. "Dieser tragische Tod zeigt uns, dass wir uns diesen Menschen entgegenstellen müssen - weil sie keinerlei Respekt vor dem menschlichen Leben haben. Kaltblütig und brutal haben sie einen 78-jährigen, kranken Mann getötet und ihm zuvor jegliche medizinische Versorgung versagt."

Brutaler Racheakt

Al-Kaida-Kämpfer in Mali bewachen deutsche Geisel (2009), (Foto: dpa)

Al-Kaida-Kämpfer in Mali

Ein malischer Unterhändler bestätigte inzwischen Nachrichtenagenturen, der Franzose sei vor den Augen hochrangiger Al-Kaida-Führer enthauptet worden. Der nordafrikanische Arm des Terornetzwerks Al-Kaida hatte zuvor ein Ultimatum gestellt, das am 26. Juli 2010 auslaufen sollte, falls bis dahin nicht mehrere Gefangene aus den Reihen von Al-Kaida freigelassen würden. Die Stimme auf dem Tonband wurde dem Chef von Al Kaida im islamischen Maghreb zugeschrieben, Abu Mousab Abdelwadoud. Er sprach von "Rache" für die Tötung von sechs Kameraden bei einem "feigen Einsatz Frankreichs". Damit meinte er einen gemeinsamen Einsatz von mauretanischen und französischen Elite-Einheiten in der Nacht zum Freitag, bei dem sechs Al-Kaida-Mitglieder ums Leben gekommen waren.

"Wüstenfiliale" Al-Kaidas

Frankreichs Präsident Sarkozy wies Vorwürfe zurück, der geheime militärische Angriff auf das Wüstenlager der Terroristen habe die Ermordung Germaneaus beschleunigt und alle Verhandlungsspielräume zunichte gemacht: "Die Al-Kaida-Basis, die zerstört wurde, galt nach unseren Informationen als Aufenthaltsort der entführten Geisel. Wir waren überzeugt, dass Michel Germaneaus Leben in großer Gefahr war, und deswegen haben wir gehandelt. Leider haben wir Germaneau dort nicht vorgefunden. Und nun, nach dem Ablauf des Ultimatums vom 12. Juli, können wir nur noch seinen Tod bestätigen."

Al-Kaida im islamischen Maghreb hatte bereits im Juni vergangenen Jahres einen britischen Touristen getötet. Eine 77-jährige deutsche Urlauberin, die sich ebenfalls in der Gewalt der Gruppe befand, kam im April 2009 frei. Dieselbe Gruppe hat seit mehr als sieben Monaten auch zwei Spanier in ihrer Gewalt. Die Terrororganisation ist in Algerien, in Mauretanien, Mali und im Niger aktiv.

Die "Wüstenfiliale" von Al-Kaida entstand Ende 2006 aus der GSPC, einem undurchsichtigen Netz algerischer Terrorzellen. Ihr Anführer hatte sich damals persönlich an Osama Bin Ladens Stellvertreter Al Sawahiri gewandt. Seitdem trägt die GSPC den Markennamen Al-Kaida im islamischen Maghreb und verfügt sozusagen über "firmeninternes Know-How". Die Gruppe fühlt sich ideologisch der Al-Kaida-Zentrale in Afghanistan verpflichtet, operiert jedoch unabhängig.

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Katrin Ogunsade