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Welt

Al-Kaida-Hassprediger im Jemen getötet

Anwar Al-Awlaki, ein ranghohes Al-Kaida-Mitglied, ist im Jemen durch eine US-Kampfdrohne getötet worden. Der Hassprediger mit amerikanischem Pass war als möglicher Nachfolger von Bin Laden gehandelt worden.

Anwar al-Awlaki (Foto: dpa)

Al-Awlaki: Al-Kaida-Mitglied mit amerikanischem Pass

Er galt als "YouTube-Prediger" und war wohl der erste amerikanische Staatsbürger, dessen gezielte Tötung von der US-Regierung angeordnet wurde: Nun ist Anwar Al-Awlaki, einer der meistgesuchten Terroristen der Welt, tatsächlich getötet worden. "Ich kann bestätigen, dass er tot ist", sagte ein Mitglied der US-Regierung am Freitag (30.09.2011). Awlaki war eines der ranghöchsten Mitglieder von Al-Kaida und - vier Monate nach dem Tod von Osama bin Laden - als dessen möglicher Nachfolger im Gespräch.

Al-Awlaki sei durch eine ferngesteuerte US-Kampfdrohne getötet worden, sagte ein US-Militärsprecher dem Sender CNN. US-Präsident Barack Obama nannte den Tod des 40-Jährigen einen "weiteren bedeutenden Meilenstein" im Kampf gegen Al-Kaida. Das jemenitische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass vier weitere Al-Kaida-Mitglieder bei dem Luftangriff auf seine Fahrzeugkolonne in der Nähe der saudi-arabischen Grenze starben. Unbemannte Drohnen werden von den USA sowohl im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet als auch im Jemen bei der Jagd auf mutmaßliche Terroristen eingesetzt.

Möglich ist auch, dass jemenitische Sicherheitskräfte an der Jagd auf Awlaki beteiligt waren. Nachdem ein Gericht im Jemen vergangenen November die "gewaltsame Festnahme" von Awlaki angeordnet hatte, verstärkten jemenitische Sicherheitskräfte ihre Jagd auf den Hassprediger. Ram Ramgopal, ein ehemaliger CNN-Korrespondent, zitierte auf Twitter ein Mitglied der jemenitischen Regierung, das von einer "gemeinsamen Geheimdienstoperation" sprach.

Talentierter Prediger und Internetnutzer

Mit seiner Ost-West-Biografie wurde Awlaki als Vorbild für eine neue Generation von Al-Kaida-Anführern gesehen: Awlaki wurde 1971 als Sohn jemenitischer Eltern in den USA geboren. 1978 kehrte die Familie zurück in den Jemen, sein Vater wurde Agrarminister und später Universitätsprofessor. 1991 begann Awlaki sein Ingenieur-Studium in den USA und erhielt seinen Doktortitel in Erziehungswissenschaften von der renommierten George Washington University. 2004 kehrte er in den Jemen zurück und nahm dort Kontakt mit Al-Kaida auf.

Osama bin Laden mit Afghanistan-Landkarte (Foto: AP)

Awlaki galt als einer der ranghöchsten Al-Kaida Mitglieder nach dem Tod Osama bin Ladens (Bild)

Durch seine Jugendjahre in den USA hatte er gelernt, die winzige Schicht kulturell entfremdeter und radikalisierter junge Muslime im Westen für den Terror zu gewinnen. Awlaki war ein talentierter Prediger, der geschickt das Internet für seine Hasspredigen und Propaganda nutze - und junge Muslime online für den Dschihad rekrutierte. Er schrieb Blogs, vernetzte sich auf Facebook und veröffentlichte Videos seiner radikalen Reden und Vorlesungen auf YouTube. Mehrfach rief er Muslime dazu auf, US-Bürger zu töten. Der Dschihad gegen die USA sei ein Gebot für jeden gläubigen Muslim, schrieb er im Internet.

"Tod oder lebendig"

Nach US-Angaben war Awlaki außerdem zuständig für die Auslandsoperationen der jemenitischen Al-Kaida-Gruppe und hat diese zur derzeit größten terroristischen Gefahr für die USA gemacht. Die Zelle soll einige misslungene Anschläge in den USA geplant haben, etwa die gescheiterte Sprengung eines Passagierflugzeugs an Weihnachten 2009.

US-Präsident Obama ordnete im April 2010 seine gezielte Tötung an. Laut "New York Times" war es das erste Mal, dass ein Amerikaner auf die CIA-Liste von Personen, die "tod oder lebendig" gefangen genommen werden sollen, gesetzt wurde. Awlakis Vater hatte vergeblich versucht, seinen Sohn von der Listen streichen zu lassen: Ein Bezirksgericht in Washington verwarf jedoch seine Klage.

Präsident Saleh verliert Macht

Anti-Saleh Demonstrant (Foto: AP/dapd)

"Verschwinde": Anti-Saleh Protest

Für Obama ist der Tod Awlakis ein weiterer Etappensieg nach der Tötung Bin Ladens im langjährigen Krieg gegen Al-Kaida. Für den jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh sieht die Sache allerdings schwieriger aus: Denn die Protestbewegung, die seit Februar versucht, Saleh aus dem Amt zu vertreiben, kämpft nicht ausschließlich für Demokratie und Menschenrechte. Die Demonstranten wenden sich auch gegen die engen Beziehungen zwischen den USA und der jemenitischen Regierung - vor allem bei der Terrorbekämpfung. Denn Präsident Saleh gibt sich gegenüber dem Westen als Garant des Kampfes gegen Al-Kaida im Jemen. Die Tatsache, dass Awlaki allem Anschein nach von einer US-Drohne getötet wurde, wird vermutlich die anhaltenden Proteste weiter anheizen.

Saleh, der seit 33 Jahren das Land regiert, nannte in einem Interview mit der "Washington Post" am Freitag erstmals Bedingungen für eine Machtübergabe. Er werde auf keinen Fall die Macht an seine größten Widersacher geben - den Stammesführer Sadek Al-Ahmar und den Ex-General Ali Mohsen. Doch, warnte er, werde sich Al-Kaida nach seinem Abgang wohl weiter im Land ausdehnen.

Autorin: Naomi Conrad (ap, dapd, dpa, rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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