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Nahost

"Al-Kaida" gegen "Islamischer Staat"

Per Videobotschaft hat Al-Kaida-Führer Al-Zawahiri erklärt, die Gruppe habe auch in Indien Fuß gefasst. Das deutet darauf hin, dass Al-Kaida in der Rivalität mit dem "Islamischen Staat" dringend Erfolge vorweisen will.

Al-Kaida-Chef Aiman al-Zawahiri (Artikelbild) hat im Internet ein Video verbreiten lassen, in dem er erklärt, dass seine Gruppe nun auch einen Ableger in Indien habe. Dieser verfolge vor allem ein Ziel: die Gründung eines "Kalifats" auf dem Subkontinent. Damit rücke die Terrororganisation Al-Kaida vor in eine Region, "die einst Teil des Landes der Muslime war, bis der ungläubige Feind es besetzt, zerstückelt und geteilt hat."

Die Gründung eines Kalifats ist für Al-Kaida ein neuer Schritt. Bislang trieb sie ein solches Projekt nicht voran. Wenn sie es nun doch tut, hat das vor allem einen Grund, vermutet der Islamwissenschaftler und Publizist Albrecht Metzger: Al-Kaida müsse sich gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) behaupten. Denn diese drohe, Al-Kaida in der Gunst

extremistischer Muslime

hinter sich zu lassen. Im Vergleich zu deren militärischen Erfolgen, wie sie sich vor allem in den Gebietseroberungen im Irak zeigten, sähen die von Al-Kaida bescheiden aus. Al-Kaida operiere seit einigen Jahren überwiegend über

regionale Zweige

. Dies gelte etwa für das Vorgehen im Jemen, im Maghreb oder in der Region rund um Syrien. Diese Gruppen operierten unabhängig von der Al-Kaida-Zentrale in Pakistan. "Der 'Islamische Staat' erobert hingegen Territorium und gründet ein Kalifat. Das führt natürlich zu Rivalitäten", sagt Metzger.

IS-Chef Al-Baghdadi, 05.07.2014 (Foto: EPA)

Der "Kalif": IS-Chef Al-Baghdadi

Die reichste Terrororganisation

Die rasend schnellen Gebietseroberungen, die der "Islamische Staat" verzeichnet, beeindrucken viele potenzielle Dschihadisten. Angezogen fühlen sie sich auch von der Idee des "Kalifats", die Assoziationen an die Blütezeit des Islam weckt. Außerdem verfügt der "Islamische Staat" durch Plünderungen, Entführungen und vor allem den Verkauf von Öl über gewaltige Geldsummen. Inzwischen gilt er als die weltweit reichste Terrororganisation, schreibt die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt". All dies zieht potenzielle Sympathisanten und Mitstreiter an. Al-Kaida kann dagegen vergleichsweise wenig vorweisen. Zwar wechseln immer wieder Mitglieder der einen Terrorgruppe zur anderen über. Es scheint aber, dass IS für viele Kämpfer derzeit die attraktivere Wahl ist.

Hinzu kommt die Brutalität, mit der der "Islamische Staat" vorgeht. Enthauptungen, Vertreibungen, Entführungen und Vergewaltigungen: All dies ist neu und wirkt auf viele Sympathisanten offenbar hoch attraktiv. Diese Brutalität, sagt Metzger, habe der "Islamische Staat" zu seinem Markenzeichen gemacht. "Mitte der 2000er Jahre begann der inzwischen getötete Jordanier Abu Musa al Zarqawi, ursprünglich ein Mitglied von Al-Kaida, mit Enthauptungsvideos und Ähnlichem." Al-Kaida habe ein solches Vorgehen damals kritisiert. "Inzwischen wendet der 'Islamische Staat' solche Methoden im Irak und in Syrien ganz gezielt an, um den Menschen Angst und Schrecken einzujagen und die Gegner einzuschüchtern."

Strategische Differenzen

Kämpfer der Al-Nusra-Front, 11.1. 2013 (Foto: AP)

In Siegerpose: Kämpfer der Al-Nusra-Front

Anders als Al-Kaida habe der "Islamische Staat" zudem auch den Kampf gegen die Schiiten aufgenommen, die er ebenso wie etwa Christen und zuletzt die Jesiden als "Ungläubige" bekämpft. "Auch das hat Al-Kaida kritisiert", sagt Metzger. Über diese unterschiedlichen Vorgehensweisen haben sich die beiden Terrororganisationen im vergangenen Jahr voneinander gelöst. Bis dahin bezeichnete der "Islamische Staat" sich noch als "Al-Kaida im Irak". Auch über die langfristige Strategie haben die beiden Gruppen unterschiedliche Vorstellungen. Während Al-Kaida-Führer Aiman al-Zawahiri den dschihadistischen Kampf auf Syrien konzentrieren will, treibt Abu Bakr al-Baghdadi, der Führer des "Islamischen Staat", diesen weit über die Grenzen des Landes hinaus. Lange stritten die beiden Anführer über die Frage, welche Strategie die erfolgreichere ist.

Seit Mitte des Jahres gehen der IS und Al-Kaida getrennte Wege. In Syrien lieferten sich die beiden Gruppen sogar erbitterte Kämpfe, sagt Metzger. "Dort ging und geht IS ja auch gegen die Al-Nusra-Front vor, die die Vertreterin Al-Kaidas in der Region ist." Dies trage dazu bei, die Rivalität zwischen den beiden Gruppen weiter anzuheizen.

Theologie gegen Terror

IS-Anhänger in Mossul, 16.6. 2014 (Foto: AP)

Propagandaerfolg: IS-Anhänger in Mossul

In diesem Konflikt ist Al-Kaida derzeit offenbar unterlegen."Es scheint, als ob Al-Kaida das dschihadistische Territorium im Nahen und Mittleren Osten praktisch aufgegeben hat und sich nun von seiner Basis im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aus auf Südasien konzentrieren will", deutet die Zeitung "Times of India" al-Zawahiris Ansprache.

Der bisherige Rekrutierungserfolg des IS lässt vermuten, dass die Organisation auch auf dem indischen Subkontinent zahlreiche Anhänger finden wird.

Der Erfolg der Terrorbande

wird sich langfristig wohl nur mit theologischen Mitteln aufhalten lassen, vermutet die Zeitung "Al-Hayat". Es bräuchte Mäßigung seitens der Sunniten ebenso wie der Schiiten. "Das ist die wichtigste Waffe, um den IS zu zerstören."

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