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Aktuell Europa

Al-Kaida droht Frankreich mit weiteren Anschlägen

Nach dem blutigen Ende der Geiselnahmen haben Al-Kaida-Terroristen ein Video im Internet veröffentlicht. Darin drohen sie mit weiterer Gewalt. Auch Frankreichs Präsident Hollande wandte sich an die Öffentlichkeit.

Schwer bewaffneter Polizist (Foto: dpa)

Frankreichs Polizei ist weiter in Alarmbereitschaft

Der Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) hat Frankreich mit neuen Anschlägen gedroht. Ein entsprechendes Video veröffentlichte das auf die Beobachtung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen Site. Das Video war kurz nach der Beendigung der Geiselnahmen ins Netz gestellt worden. "Ihr werdet nicht mit Sicherheit gesegnet sein, so lange ihr Allah, seinen Verkünder und die Gläubigen bekämpft", sagte darin Scheich Hareth Al-Nadhari, der als ein Anführer des Al-Kaida-Ablegers im Jemen gilt. Er nennt die Attentäter eine Gruppe von "treuen Soldaten Gottes". Sie hätten die Franzosen die Grenzen der Meinungsfreiheit gelehrt. Die sunnitischen Al-Kaida-Extremisten nutzen den instabilen Jemen unter anderem als Rückzugsort und Rekrutierungsbecken. Einer der beiden mutmaßlichen Attentäter des Anschlags auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris hat nach Informationen von US-Medien ein Terror-Training im Jemen absolviert.

Francois Hollande (Foto: AFP)

Hollande: Islamistische Bedrohung für Frankreich besteht fort

"Tragödie für die Nation"

Frankreichs Präsident François Hollande wandte sich in einer Fernsehansprache wenige Stunden nach dem blutigen Ende der zwei Geiselnahmen im Großraum Paris an seine Landsleute. Dabei versuchte er ihnen klar zu machen, dass die Bedrohung durch islamistische Terroristen noch nicht vorbei ist. Die doppelte Geiselnahme durch Terroristen bezeichnete er als "Tragödie für die Nation". Gleichzeitig appellierte Hollande an die Franzosen, Einigkeit im Kampf gegen Intoleranz zu zeigen und für Demokratie, Freiheit und Pluralismus einzustehen. Er rief die Bevölkerung auf, sich den Demonstrationen am Sonntag anzuschließen.

Französische Ermittler suchen nun nach möglichen Hintermännern der drei getöteten islamistischen Attentäter. Fünf Personen seien in Polizeigewahrsam, sagte Staatsanwalt François Molins am späten Freitagabend in Paris. Die Freundin des Mannes, der Geiseln in einem jüdischen Supermarkt genommen hatte, sei noch nicht gefasst. Die Fahnder wollen herausfinden, woher die Waffen der Terroristen stammen und ob die Männer - wie behauptet - Anweisungen erhielten, "aus Frankreich, dem Ausland oder dem Jemen".

Doppelschlag beendet Geiselnahmen

Rund 53 Stunden lang hatte sich Frankreich im Ausnahmezustand befunden, ehe schwerbewaffnete Sondereinheiten am Freitagnachmittag in einem Doppelschlag die Geiselnahmen beendeten und die drei Terroristen töteten, die ihrerseits insgesamt 17 Menschen getötet hatten. Elite-Polizisten erschossen die beiden Brüder Chérif und Said Kouachi, die als Hauptverdächtige des Anschlags auf "Charlie Hebdo" gelten, bei dem am Mittwoch zwölf Menschen getötet worden waren.

Die Elite-Einheit GIGN hatte zuvor eine Druckerei in dem Ort Dammartin-en-Goële umstellt, in dem sich die beiden Islamisten am Morgen verschanzt hatten. Gegen 17.00 Uhr MEZ erfolgte nach Angaben der Ermittler der Zugriff. Vor den tödlichen Schüssen waren die beiden Brüder aus der Druckerei gestürmt und hatten das Feuer auf die Polizisten eröffnet. Die Terroristen hatten zunächst den Geschäftsführer der Druckerei als Geisel genommen, ließen ihn aber später laufen. Ein Mitarbeiter des Unternehmens versteckte sich vor den Brüdern unbemerkt in einem oberen Stockwerk und hielt die Fahnder per Telefon auf dem Laufenden.

Supermarkt-Terrorist erschoss vier Geiseln

Um kurz nach 17.00 Uhr stürmte die Polizei auch den jüdischen Supermarkt im Osten von Paris und tötete den Terroristen, der am Mittag mehrere Geiseln genommen hatte. Vier Geiseln hatte der Angreifer laut Augenzeugen und Staatsanwaltschaft unmittelbar nach Betreten des Geschäfts getötet. Nach Polizeiangaben hatte der Täter mehrere Schusswaffen und große Mengen Sprengstoff bei sich.

Bei ihm handelt es sich um den Islamisten Amedy Coulibaly, der am Donnerstag südlich von Paris eine Polizistin getötet haben soll. Er kannte die mutmaßlichen "Charlie Hebdo"-Attentäter. Coulibaly und Chérif Kouachi lernten sich vor mehreren Jahren im Gefängnis kennen. Bei der Erstürmung des Supermarktes wurden zudem sieben Menschen verletzt, darunter drei Polizisten.

Attentäter telefonieren mit TV-Sender

Die drei Attentäter haben sich nach eigenen Angaben bei ihren Taten untereinander eng abgestimmt. Der französische TV-Sender BFMTV strahlte am Freitagabend Mitschnitte der Telefonate aus, die er vor den Zugriffen der Polizei mit den Terroristen geführt hatte. So hatte Coulibaly bei dem Sender angerufen und mitgeteilt, dass er sich mit den Brüdern Chérif und Said Kouachi abgesprochen habe. Sie sollten "Charlie Hebdo" angreifen und er wollte Polizisten ins Visier nehmen. Er behauptete, Instruktionen von der Terrormiliz "Islamischer Staat" bekommen zu haben. Chérif Kouachi erklärte in dem Telefongespräch, er sei von Al-Kaida im Jemen beauftragt und finanziert worden.

se/djo (apfe, dpa, rtr)

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